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Camping an der Nordsee: Lange war es verboten – aber SO kann man am Strand übernachten

Camping an der Nordsee: Lange war es verboten – SO kann man trotzdem am Strand übernachten

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© picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt

Camping: Tipps und Tricks für Anfänger

In unserem schnelllebigen Alltag wird die Sehnsucht nach Ruhe und Stille immer größer. Kein Wunder also, dass das Campen in der Natur ein Comeback feiert! Hier kommen 6 hilfreiche Tipps für Anfänger ...

Am Nordsee– oder Ostsee-Strand übernachten? Das ist eigentlich verboten. Auf Sylt werden aktuell sogar zusätzliche Kräfte eingesetzt, um die Strände zu überprüfen und Camping-Fans vom wilden Übernachten am Meer abzuhalten (MOIN.DE berichtete).

Doch es gibt ein Schlupfloch, das Camping am Strand dennoch erlaubt. Wer einen ganz besonderen Strandkorb benutzt, darf seit 2016 ganz legal an den Stränden von Schleswig-Holstein übernachten. Und weil das Konzept so erfolgreich ist, gibt es das jetzt nicht nur an der Nordsee und Ostsee, sondern auch in anderen Bundesländern und im Wald.

Übernachten am Strand – das war lange Zeit verboten. Wer es trotzdem tat und dabei erwischt wurde, bekam es oft mit den Ordnungsbehörden zu tun. Doch das ist seit 2016 vorbei. Seither gibt es an 17 Orten an Schleswig-Holsteins Nord- und Ostseeküste insgesamt 53 Schlafstrandkörbe. Darin können Gäste übernachten – ganz legal und auch ganz bequem. „Es war ein tolles Erlebnis, und wir haben wunderbar geschlafen“, sagt Wiltrud Sadlowski.

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Die 72-Jährige hat gemeinsam mit ihrer Freundin Marion Schleevoight eine Nacht in einem Schlafstrandkorb am Strand von Travemünde verbracht. „Wir haben vom Korb aus den riesigen Vollmond beobachtet und sind am nächsten Morgen von der aufgehenden Sonne geweckt worden und früh schwimmen gegangen“, schwärmt die Pensionärin aus Göttingen.

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Wildcampen in Deutschland: Erlaubt? Verboten?

  • Die rechtliche Lage rund ums Wildcampen ist in Deutschland unübersichtlich. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Gesetze und Richtlinien.
  • In Paragraph 59 des Bundesnaturschutzgesetzes ist geregelt, dass „das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung“ allen gestattet ist.
  • Das Betreten des Waldes richtet sich wiederum nach dem Bundeswaldgesetz. Dort ist einheitlich geregelt, dass laut Paragraph 14 „das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung“ gestattet ist – die Länder regeln aber die Einzelheiten.
  • Darunter fällt dann auch das Zelten und Übernachten außerhalb von ausgewiesenen Campingplätzen.
  • Naturschutzgebiete, Naturreservoirs, Nationalparks und Landschaftsschutzgebiete haben eine Ausnahmestellung. In der Regel ist Wildcampen in solchen Gebieten strikt verboten.
  • Wird dagegen verstoßen, drohen hohe Bußgelder.

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Entwickelt wurde das Strandmöbel im Jahr 2014 von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) im Rahmen einer Image-Initiative. Aus anfangs acht Schlafstrandkörben, die 2016 in sechs Orten an der Ostseeküste aufgestellt wurden, sind nach Angaben der TASH inzwischen 53 Körbe an 17 verschiedenen Orten geworden. Inzwischen kann man auch an der Nordseeküste und sogar im Sachsenwald bei Hamburg im Strandkorb übernachten.

Wiltrud Sadlowski (r) und Marion Schleevoight sitzen im Sonnenuntergang beim Abendbrot vor ihrem gemieteten Schlafstrandkorb an der Ostsee. Das Übernachten am Strand mit Meeresrauschen im Ohr und dem Sternenhimmel im Blick wird immer beliebter.
Wiltrud Sadlowski (r) und Marion Schleevoight sitzen im Sonnenuntergang beim Abendbrot vor ihrem gemieteten Schlafstrandkorb an der Ostsee. Das Übernachten am Strand mit Meeresrauschen im Ohr und dem Sternenhimmel im Blick wird immer beliebter.
Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Camping an der Nordsee: Immer nur eine Übernachtung möglich

Auf der Nordseeinsel Föhr beispielsweise gibt es derzeit fünf dieser besonderen Körbe. „Einer steht am Strand von Wyk und jeweils zwei (stehen) in Nieblum und Utersum“, sagt Heike Link von der Föhr Tourismus GmbH. „Die Nachfrage ist an allen Standorten sehr gut, auch wenn das immer ein bisschen vom Wetter abhängt“, sagt sie. Die Körbe würden grundsätzlich immer nur für eine Übernachtung vermietet, so Link. „Es soll keine Konkurrenz zu der Ferienvermietung sein.“

Auch für den Vorsitzenden des Verbandes der Strandkorbvermieter Schleswig-Holstein, Marcus Bade, ist der Schlafstrandkorb eine gute Erfindung. „Die Nachfrage war von Anfang an groß“, sagt Bade, der selbst einen Schlafstrandkorb vermietet. Die meisten Nutzer seien so zwischen 30 und Mitte 50, schätzt er.

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Auch an der niedersächsischen Nordseeküste kann man in Schlafstrandkörben übernachten. Seit einigen Jahren gibt es an mehreren Urlaubsorten solche Angebote – unter anderem in Wangerland, Dangast, Bensersiel und auf Norderney. „Im Juli und August sind unsere Schlafstrandkörbe jeden Tag ausgebucht“, sagt ein Mitarbeiter der Wangerland-Touristik. Eine Nacht zu zweit am Strand sei auch ein beliebtes Hochzeitsgeschenk.

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Mit dem Schlafstrandkorb ist Camping an der Nordsee und Ostsee erlaubt.
Mit dem Schlafstrandkorb ist Camping an der Nordsee und Ostsee erlaubt.
Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Camping an der Nordsee: „Ein echtes Erlebnis“

Insgesamt gibt es nach Angaben der TASH in Niedersachsen 24 Schlafstrandkörbe, in Mecklenburg-Vorpommern sind es zwei. Die Preise liegen zwischen 50 und knapp 100 Euro pro Nacht und Korb, in dem maximal zwei Menschen schlafen können. In einigen Orten ist Bettwäsche im Preis eingeschlossen, in anderen müssen Gäste Schlafsäcke oder eigenes Bettzeug mitbringen.

Sadlowski und ihre Freundin sind sich jedenfalls sicher: „Das ist ein echtes Erlebnis. Wir kommen wieder, um im Schlafstrandkorb zu übernachten“, sagen die Göttingerinnen. (kl/dpa)