Flughafen Hamburg: Horror-Szenario ist eingetreten – „Das ist kein gutes Zeichen“

Bittere Nachricht für viele Menschen am Flughafen in Hamburg.
Bittere Nachricht für viele Menschen am Flughafen in Hamburg.
Foto: imago/Chris Emil Janßen

Wie in Ordnung doch die Welt im letzten Jahr noch vor dem Coronavirus war. Massenhaft Menschen nutzten den Flughafen Helmut Schmidt in Hamburg, um den Globus zu umfliegen. Statussymbol Reisen – viele gönnten sich das, wo es nur ging.

Junge Travel-Menschen mit dem Smartphone und der Selbstinszenierungs-App Instagram sowie routinierte Ferienflieger und Geschäftsreisende machten sich unbekümmert vom Flughafen in Hamburg-Fuhlsbüttel in die Welt hinaus und wieder zurück. Davon profitierte lange auch die Lufthansa.

Flughafen Hamburg und die Lufthansa

Denn Flugzeuge hoben bis zum Lockdown im März zuhauf ab und mussten entsprechend gewartet werden. Das ist die Aufgabe der Lufthansa Technik, die am Flughafen in Hamburg in den Hangars stark vertreten ist und viele Menschen einstellte und beschäftigt. Noch.

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Hamburg ist bislang das größte deutsche Zentrum der zivilen Luftfahrindustrie. Neben Toulouse das wichtigste Europas und das drittgrößte der Welt.

Insgesamt tragen 41.200 Beschäftigte in rund 300 Unternehmen und Institutionen zur Hamburger Luftfahrt bei. Mit über 8.500 Mitarbeitern ist Hamburg Firmensitz, Kompetenzzentrum und Steuerzentrale der Lufthansa-Technik.

Hamburg bleibt nicht verschont

Und mit dem Aufkommen des Coronavirus und der massiven Krise wurde immer klarer: Auch der Standort Hamburg wird nicht verschont bleiben.

Erst war von 10.000 Menschen die Rede, die bei der gesamten Lufthansa ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. „Vermutlich werden es noch mehr“, schrieb MOIN.DE schon Anfang Juni.

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26.000 Entlassungen möglich

„Lufthansa Technik steckt – wie praktisch die gesamte Luftfahrtbranche auf der Welt, mitten in einer tiefen, die Existenz des Unternehmens bedrohenden Krise“, sagte Unternehmenssprecher Dr. Jens Krüger uns.

Mittlerweile ist wieder etwas Zeit vergangen. Verdi-Gewerkschaftssekretär Domenico Perroni spricht auf Nachfrage von 26.000 Entlassungen im gesamten Lufthansa-Konzern, die nun genannt werden.

Alle Leiharbeiter längst entlassen

Im März waren laut Sprecher Jens Krüger bereits alle Leiharbeiter entlassen worden. Es sei eine Sache von Jahren, bis die Lufthansa wieder zur Normalität zurückkehre, sagte er.

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Mitarbeiter hatten zuvor Protestplakate an einem verlassenen Lufthansa-Gebäude am Flughafen in Hamburg angebracht. „Keine Entlassungen, keine Lohnkürzungen“, hieß es in den Fenstern des Gebäudes. Die Bosse ließen die Plakate umgehend entfernen.

Die Nervosität am Standort war schon lange spürbar. Je nach Bereich waren bis zu 80 Prozent der Arbeit weggefallen, fast alle Mitarbeiter in Kurzarbeit. Man konnte sich schon ausmalen, was da auf einige Beschäftigte zukommen wird. Und auch, wen es wohl zuerst treffen wird.

9 Milliarden – und für manche doch keine Rettung

Am Wochenende noch schmissen die Briefträger vielen Lufthansa-Aktionären die Einladung zur außerordentlichen Jahreshauptversammlung in die Briefkästen.

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Ein Volumen von 9 Milliarden Euro habe das „Stabilisierungspaket“, das man mit der „Bundesrepublik Deutschland“ ausgehandelt habe, heißt es in dem Schreiben des Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr. Am 25. Juni können die Aktionäre auf der Online-Versammlung darüber abstimmen.

300 Menschen verlieren Jobs

Laut der Gewerkschaft Verdi deutet alles darauf hin, dass das Milliarden-Paket 300 Menschen am Standort Hamburg wohl nicht mehr retten wird und das befürchtete Horror-Szenario eintritt: Die Lufthansa Technik will 300 Mitarbeiter entlassen. Das habe die Unternehmensführung laut Verdi beim Betriebsrat beantragt.

Die meisten Flieger stehen still und müssen nicht gewartet werden. Die Arbeit fehlt somit und der Konzern verdient kaum Geld, sondern muss vom Staat gerettet werden. Dass da beim Personal gespart werden muss, klingt bittererweise nur allzu logisch.

SPD mahnt Lufthansa

Die SPD im Bundestag mahnte dennoch bei der Lufthansa Verantwortung für die Mitarbeiter an. „Staatsgeld bedeutet Sozialverantwortung“, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Barol. „Die Beschäftigten sind das Rückgrat der Erneuerung des Konzerns. Daher sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um Kündigungen zu vermeiden.“

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Ein Hoffnungsschimmer? Ungewiss. Verdi-Gewerkschaftssekretär Domenico Perroni geht davon aus, dass die Kündigungen relativ kurzfristig kommen, weil Beschäftigte auf Probezeit betroffen seien. Und für Menschen, die in Probezeit sind, könne man arbeitsrechtlich nichts tun, so der Gewerkschafter.

Ist es mit 300 Entlassungen getan?

„Ich finde es schwierig von der Bundesregierung Geld zu bekommen um den Konzern zu retten und dann sofort die Leute zu entlassen, die vor Monaten noch händeringend gesucht wurden“, sagt Perroni zu MOIN.DE.

Die große Frage für viele Lufthansa-Arbeiter: Ist es mit den 300 Entlassungen getan? Dazu Perroni: „Insgesamt spricht die Lufthansa ja von 26.000 Beschäftigten, da gehört sicherlich auch die Lufthansa Technik dazu. Aber das ist genau der Punkt: Wir sind in Verhandlungen, wie das gestaltet wird. Und Entlassungen, während verhandelt wird, sind kein gutes Zeichen.“

Das Ganze lässt zum aktuellen Zeitpunkt noch viel Raum für Spekulationen, wie heftig Hamburg schlussendlich wirklich getroffen wird. Nicht nur in der Technik.

Wieder mehr Betrieb am Flughafen in Hamburg

Derweil ist die Reisewarnung für mehrere Länder aufgehoben. Der Betrieb am Flughafen in Hamburg nimmt langsam wieder mehr Fahrt auf.

Die Lufthansa jedoch wird noch viele Jahre mit der Coronakrise kämpfen. Genau wie die streik- und kampferprobte Mitarbeiterschaft um Jobs kämpfen wird. (rg)