Hamburg: In der Kita ihrer Tochter gibt es einen Corona-Fall – damit beginnt das Drama dieser Alleinerziehenden! „Es ist unglaublich“

Coronavirus: Verdachtsfall? Das musst du jetzt tun!

Du befürchtest, dich mit dem Coronavirus infiziert zu haben? Dann musst du das jetzt tun.

Beschreibung anzeigen

Ihre Tochter hatte Fieber, musste brechen, konnte nichts mehr schmecken. „Jetzt geht es langsam wieder. Das Fieber lässt nach und sie bekommt wieder Appetit“, sagt Mandy Englert aus Hamburg-Farmsen über ihre Tochter Emily. Zum Glück. Denn Emily, vier Jahre alt, hat Corona.

Das stellt die Familie aus Hamburg vor große Herausforderungen. Die Misere begann bereits, bevor Mandy Englert wusste, dass ihre Tochter Corona-positiv ist: an dem Tag, an dem es in der Kita einen Corona-Fall gab.

+++ Hamburg: Die Corona-Regeln einzuhalten ist wichtig, aber nicht alles – wie dieser berührende Fall zeigt +++

Hamburg: „Meine Mutter hat die Lütte dann zum Glück abgeholt“

Am Dienstag, 10. November, erhält die Alleinerziehende eine Mail der Kita: „Es gab einen Corona-Fall, ich soll mein Kind abholen.“ Leichter aufgetragen, als getan. „Ich mache gerade eine Umschulung zur Pflegekraft, ich konnte nicht einfach so weg. Meine Mutter hat die Lütte dann zum Glück abgeholt.“

+++ Hamburg ist keine Weltstadt – mit DIESER Entwicklung muss endlich Schluss sein! +++

Die Vierjährige war Kontaktperson Eins. Dazu zählt gemäß Robert Koch-Institut (RKI), wer sich mindestens 15 Minuten näher als anderthalb Meter um eine nachweislich infizierte Person aufgehalten hat – oder mehr als 30 Minuten in einem schlecht belüfteten Raum mit einer infizierten Person. Für Emily bedeutete das: 14 Tage Quarantäne.

Ihre Mutter und ihr Bruder hingegen mussten nicht in Quarantäne, sie galten beide als Kontaktperson zwei. „Aber wir leben doch zusammen! Natürlich können wir uns da auch anstecken. Es ist unglaublich“, sagt die Mutter.

Sozialbehörde Hamburg: „Überprüfen jeden Einzelfall in Kitas“

Von Seiten der Hamburger Sozialbehörde heißt es auf Anfrage von MOIN.DE: „Die Gesundheitsämter überprüfen jeden Einzelfall in Kitas genau bezüglich des Infektionsrisikos und ordnen, wenn erforderlich, eine Quarantäne an.“ Hamburg richtet sich dabei nach den Empfehlungen des RKI.

+++ Hamburg: Schlechte Nachrichten! Corona-Infektionen fast wieder auf Rekordhoch +++

Die Mutter beschloss: Auch sie und ihr Sohn würden in Quarantäne gehen. Um andere zu schützen. Mandy Englert nimmt Corona ernst. Sie kennt die Gefahren der Infektionskrankheit. „Mein Sohn hat eine Behinderung, er besucht eine Förderschule. Da sind natürlich auch andere Kinder, die zur Risikogruppe gehören.“ Die Schule habe verständnisvoll reagiert, ihr Arbeitgeber auch. Das wisse sie sehr zu schätzen.

Alleinerziehende aus Hamburg: „Ich fühle mich so alleingelassen“

Der Schutz ist das eine, die Betreuung das andere. „Ganz ehrlich: Was hätte ich denn machen sollen? Wenn mein Kind in Quarantäne ist, dann muss ich es doch auch sein. Wer kümmert sich sonst um meine Tochter?“, fragt die Alleinerziehende.

Und so blieben Mutter, Sohn und Tochter zu dritt drinnen. Was nicht einfach ist. „Ich fühle mich so alleingelassen“, sagt die 30-Jährige. Sie habe zwar wieder einen Partner, der lebe und arbeite aber in einem anderen Bundesland. „Ich bitte ungern darum, aber ich brauche Hilfe“, schrieb sie in einer Facebook-Gruppe von und für Hamburger. Sie fragte, ob jemand für sie und ihre Kinder einkaufen gehen und das Essen vor die Tür stellen könne.

+++ Hamburg: Carlota bekommt erst Brustkrebs, dann kommt Corona – doch es trifft sie noch härter +++

Nach dem Corona-Fall in der Kita sei ein Corona-Test für Emily vorgesehen gewesen, für sie und ihren Sohn nicht, sagt Mandy Englert. Sie ließ dennoch alle drei testen. Nach einem Tag sei das Ergebnis für sie und Liam da gewesen: negativ. Für Emily: kein Ergebnis. „Ausgerechnet sie! Der Arzt hatte ein leeres Röhrchen eingereicht. Wir mussten also nochmals zum Test.“ Inzwischen war es Samstag. Das Ergebnis kam einen Tag später: positiv.

Da hatte die Vierjährige bereits angefangen, erste Symptome zu zeigen, Husten und Fieber. Mit dem positiven Testergebnis der Tochter wurden ihre Mutter und ihr Bruder zu Kontaktpersonen eins. Jetzt mussten auch sie ganz offiziell zu Hause bleiben. Ein entsprechendes Schreiben vom Gesundheitsamt habe sie allerdings bis heute nicht erhalten, sagt Mandy Englert. Einzig einen Anruf vom Gesundheitsamt Wandsbek.

Hamburg: Verzögerungen wegen hoher Fallzahlen

Zum konkreten Fall der Familie kann sich die Sozialbehörde Hamburg nicht äußern. Sie lässt jedoch wissen: „Die Anordnung einer häuslichen Quarantäne wird im ersten Schritt mündlich ausgesprochen und ist bereits zu diesem Zeitpunkt rechtlich verbindlich.“ Die Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt erfolge in der Regel am Tag des positiven Testergebnisses oder bei sehr spät eingegangenen Meldungen am Folgetag.

Die angeordnete Quarantäne werde im zweiten Schritt noch einmal schriftlich bestätigt.

+++ Hamburg: Frau wundert sich über seltsamen Aufkleber an ihrer Tür – hättest DU gewusst, was er bedeutet? +++

„Hier kann es aufgrund der hohen Fallzahlen aktuell zu Verzögerungen kommen.“ Die Stadt reagiert auf diese Engpässe: Eine „Zentrale Unterstützung Kontaktnachverfolgung“ habe die Arbeit aufgenommen, weiteres zusätzliches Personal werde laufend eingestellt.

Hamburg: „Zwei Wochen lang nicht mehr kuscheln“

Beim Amt habe man ihr gesagt, dass sie und ihr Sohn versuchen sollten, auf Abstand zu Emily zu gehen, sagt Mandy Englert MOIN.DE. „Wir sollten uns von ihr isolieren. Sie in einem extra Zimmer unterbringen. Das ist Wahnsinn. Das geht doch nicht. Sie braucht Essen und Hilfe, wenn sie aufs Klo muss. Es ist sehr schwierig, den eigenen Kindern zu erklären, dass man zwei Wochen lang nicht mehr kuscheln darf.“

+++ Schleswig-Holstein: SPD-Politiker mit knallhartem Vorschlag – diesen Leuten will er das „Sorgerecht entziehen“ +++

Sie empfinde die jetzige Situation schlimmer als den Lockdown im Frühjahr. Damals sei alles organisierter gewesen. Es habe zum Beispiel Hilfen für einen Mittagstisch gegeben. Finanziell seien auch Masken und Desinfektionsmittel für sie eine Herausforderung.

Bis Donnerstag nächste Woche dauert die Quarantäne der Familie an. Bislang zeigen Mutter und Sohn keine Symptome: „Ich hoffe natürlich, dass Liam und ich gesund bleiben. Und dass Emily dann auch wieder ganz gesund ist.“

----------------------

Weitere News aus Hamburg:

----------------------

Was die Alleinerziehende freut: Auf ihren Aufruf bei Facebook hin sind etliche Hilfsangebote und Kommentare eingangen. Sie habe viel Solidarität erfahren. „Dafür bin ich sehr dankbar.“