Hamburg: Selbstversuch – in diesem Fitnessstudio darf trotz Lockdown Fitness gemacht werden!

Hamburg: Ich habe mir das Fitnessstudio in der Hafencity angesehen, welches trotz bundesweitem Lockdown öffnen darf.
Hamburg: Ich habe mir das Fitnessstudio in der Hafencity angesehen, welches trotz bundesweitem Lockdown öffnen darf.
Foto: privat

Hamburg. Es war eine Nachricht, die viele überrascht hat: In Hamburg darf, trotz Lockdown, ein Fitnessstudio öffnen. Und das völlig legal (MOIN.DE berichtete).

Doch wie kann das funktionieren? Ich habe es ausprobiert.

Hamburg: Schon zu Trainingsbeginn fällt etwas auf

Das Studio heißt „Prime Time Fitness“ und befindet sich in der Hafencity. Was sich von einem normalen Besuch sofort unterscheidet: Ich muss in Trainingsmontur erscheinen, denn umziehen kann man sich hier nicht.

Empfangen werde ich von der Personal-Trainerin Sarah, die mir gleich alles zeigt. Vor dem Gebäude des Studios sind vier kleine Zelte aufgebaut, drei mal drei Meter groß. Hier stehen je ein bis zwei Trainingsgeräte für das Cardio-Training bereit.

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Es seien die gleichen Geräte, die sonst im Studio stehen, erklärt mir Sarah. Pro Zelt darf nur ein Haushalt trainieren – ein Trainer oder eine Trainerin kann dennoch dabei sein. Denn laut Corona-Verordnung darf sich ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen.

Hamburg: Mein Training beginnt

Und dann geht das Training auch schon los. Als Erstes steige ich auf den Cross-Trainer, danach geht es an die Rudermaschine. Während der Übungen darf ich sogar den Mund-Nasen-Schutz abnehmen, weil Sarah genügend Abstand hält.

Während meiner Trainingspause erfahre ich, dass „Prime Time Fitness“ seinen Kunden das Outdoor-Angebot schon seit November zur Verfügung stellt. „Es musste ja irgendwie weitergehen“, sagt Sarah. „Also haben wir nach Lösungen gesucht, wie wir unsere Leistung weiter anbieten können.“

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Nachdem man im ersten Lockdown lediglich Online-Training anbieten konnte, habe man überlegt, wie man das bereits vorhandene Hygienekonzept draußen umsetzen kann. „Gesundheit braucht Fitness und Fitness braucht Gesundheit“, sagt Nils Kuprat, Betreiber des „Prime Time Fitness“ im Gespräch mit MOIN.DE.

Hamburg: Fitnessstudio stellte großes Zelt auf

Also baute er Anfang November ein sechs mal 12 Meter großes Zelt vor seinem Studio auf und stellte die Geräte nach draußen. Denn in Hamburg ist laut Verordnung Sport im Freien erlaubt. „Dann kam ein Polizist und sagte: 'Du darfst das nicht'“, erzählt Kuprat. Denn die Fläche gleiche einem Fitnessstudio.

Weil er aber nicht alle Mitarbeiter nach Hause und in Kurzarbeit schicken wollte, suchte Kuprat nach einer neuen Idee. Er rief seinen Anwalt an und reichte einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein.

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Nach langem Hin und Her durfte er seinen „Zeltbetrieb“ dann doch fortführen – „natürlich alles unter Einhaltung des Hygienekonzeptes und einem Mindestabstand von 2,5 Metern“, sagt Kuprat.

Hamburg: Gesundheitsamt verbietet „Zeltbetrieb“

Anfang Januar meldete sich dann das Gesundheitsamt bei ihm. Das Problem: Auf der Fläche, sowohl im Zelt vor dem Studio als auch auf der Dachterasse, trainierten auch mal vier Leute gleichzeitig – und das sei nicht erlaubt.

„Das Gesundheitsamt hat mir daraufhin einen Arzt für Infektionsschutz vorbeigeschickt, der sich dann mein Zelt ansah“, sagt Kuprat. Und dieser wies ihn noch einmal darauf hin, dass es sich bei seinem Zelt laut Verordnung eben um eine Fläche handle – „und dort darf maximal eine Person trainieren.“

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Weil er sein Studio natürlich nicht nur für zwei Kunden öffnen könne, musste eine neue Lösung her. In Abstimmung mit dem Arzt teilte man die eine große Fläche also mit Hilfe von kleineren Zelten auf einzelne Flächen, um die neuen Vorgaben zu erfüllen.

Auf der Dachterasse treffe ich auf andere Kunden

Aber zurück zu meinem Training: Nach Benutzung der Geräte muss ich diese immer mit Desinfektionsspray und einem Tuch abwischen. Als wir im Cardio-Bereich fertig sind, geht es auf die Dachterrasse des Gebäudes. Hier stehen vier weitere Zelte, eines ist etwas größer als die anderen.

Der Bereich gleicht einem freien Trainingsbereich, wie man ihn aus einem normalen Studio kennt. Dieser existierte schon vor Corona, wird mir erklärt. Seine 280 Quadratmeter große Dachterasse nutzte „Prime Time Fitness“ bereits bei schönem Wetter für Gruppen-Workouts.

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Jetzt findet hier oben das Krafttraining statt. Alle Utensilien, die dafür benötigt werden, können Kunden an der Tür des Studios abholen und später wieder zurückbringen. Erstmals treffe ich hier auch auf andere Kunden, die gerade ihr „Workout“ durchziehen.

Hamburg: Kunden sind flexibler geworden

Sarah hat zwischenzeitlich eine Matte und ein Fitnessband geholt. Als nächstes soll ich ein paar „Sit-ups“ machen. Vorher lege ich noch mein mitgebrachtes Handtuch auf die Matte.

Anschließend mache ich noch ein paar Übungen auf der freien Trainingsfläche und dann bin ich auch schon durch. Weil ich vorher monatelang keinen Sport gemacht habe, bin ich entsprechend platt. Was seine Kollegen zu der Idee eines Outdoor-Trainings sagen, frage ich Kuprat.

Hamburg: Unterschiedliche Regelungen in Bundesländern als Problem

„Ich bekomme Anrufe aus ganz Deutschland“, erzählt er. Einige seien verärgert, weil sie in der Vergangenheit Ähnliches versucht hätten, es ihnen aber verboten wurde. „Die haben eben gleich beim ersten Nein aufgehört“, sagt Kuprat.

Auch seien natürlich die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern ein Problem. „In Bayern zum Beispiel darfst du Outdoor-Training unter einem Zelt machen, aber du darfst darin keine Kurzhantel benutzen, weil sonst es ist eine Sportanlage.“ Und Sportanlagen müssen in Bayern geschlossen bleiben.

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Künftig soll das Outdoor-Training auch an anderen Standorten von „Prime Time Fitness“ ermöglicht werden. So entsteht in Winterhude zum Beispiel gerade ein neues Studio. „Das habe ich nur unter der Voraussetzung angemietet, dass wir einen Outdoor-Trainingsbereich bekommen.“

Hamburg: Fazit zum Outdoor-Training

Aber noch einmal ganz kurz zu meinem absolvierten Training. Mein Fazit: Es hat Spaß gemacht, draußen zu trainieren. In der Pandemie ist das eine echte Alternative.

Zugegeben: Ich hatte an diesem Tag wirklich Glück mit dem Wetter, denn es waren recht milde Temperaturen. Bei eisigem Wind – der jetzt gerade in Hamburg herrscht – sollte man sich auf jeden Fall dick einpacken. Sarah nannte es das „Zwiebelschalenprinzip“.

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Und: Natürlich war es anders, als man es gewohnt ist – aber für Menschen, die regelmäßig ins Fitnessstudio gehen, ist das Outdoor-Angebot eine gute Alternative zum Home Gym.

Hamburg: Das kostet das „Prime Time Fitness“

Was das Ganze kostet? Die Basis-Mitgliedschaft liegt bei 59 Euro pro Monat. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich Personal-Training dazu zu buchen.

Das ist aber – wie in anderen Studios – natürlich wesentlich teurer. Jeder kann sich das nicht leisten.