Hamburg: Frau lebt seit 40 Jahren im Hochhaus-Ghetto – sie hat schon vor langem eine heftige Entscheidung getroffen

Maria Meier-Hjertqvist aus Hamburg lebt seit 40 Jahren im Osdorfer Born
Maria Meier-Hjertqvist aus Hamburg lebt seit 40 Jahren im Osdorfer Born
Foto: Imago/MOIN.DE

Hamburg. Geht es nach dem Ruf, den der Osdorfer Born bei vielen Menschen aus Hamburg hat, dann sollte hier niemand freiwillig wohnen. Das Problem: Die meisten Hamburger waren noch nie selbst hier und kennen das Viertel nur vom Hörensagen.

Die Leute in Hamburg kennen die Bilder der mächtigen, grauen Hochhäuser, sie haben Geschichten von Armut und Kriminalität gehört. Was davon wirklich stimmt und wie es hier tatsächlich ist, kann aber nur jemand sagen, der schon lange hier lebt jemand wie Maria Meier-Hjertqvist.

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Hamburg: Wie ist es wirklich im Osdorfer Born?

Sie kam vor rund 40 Jahren hierher. Die heute 71-Jährige lebt nicht in einem der massiven Hochhäuser, die es hier tatsächlich gibt – aber eben nicht nur. „Ich habe eine schöne und preiswerte Wohnung. 76 Quadratmeter, dafür zahle ich 430 Euro.“

„Hier waren damals Menschen aus den verschiedensten Richtungen zusammengeschmissen worden“, sagt sie, „zum Beispiel auch Leute aus Wilhelmsburg, die bei der Sturmflut ihr Zuhause verloren hatten“.

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Maria Meier-Hjertqvist war in Eimsbüttel aufgewachsen, dann länger im Ausland. Während der ersten Zeit im Osdorfer Born dachte sie: „Was soll ich hier? Es gab hier einen Kiosk, sonst nichts! Ich hatte ein kleines Kind, und kannte keine Menschenseele.“

Hamburg: Hier kümmert man sich selbst

Dann aber entdeckte sie die Elternschule des Viertels, schloss dort erste Freundschaften und begann seitdem, immer mehr Positives am Osdorfer Born zu entdecken. Und was ihr fehlte, das half sie selbst mit auf die Beine zu stellen.

Daher traf die Frau bewusst eine Entscheidung, die viele heftig und nicht nachvollziehbar finden würden: Sie bleibt hier!

Um ihre Kinder machte sie sich niemals Sorgen. „Die Schlägereien, von denen man gehört hat, kamen alle von außen. Da kamen Jugendliche aus Eidelstedt oder Lurup, um Ärger zu machen.“ Ihre beiden Jungs seien im Viertel glücklich aufgewachsen, im Innenhof ihres Hauses hätte es einen großen Spielplatz gegeben.

Osdorfer Born in Hamburg: Überraschend idyllisch

Meier-Hjertqvist erzählt die Geschichte, wie einer ihrer Söhne beim Einschulungstest ein Haus malen sollte. Erwartet wurde natürlich ein typisches Kinderbild, ein kleines Quadrat mit Tür, Fenstern und darauf ein spitzes Dach. Doch der Junge malte ein Hochhaus. Bevor Kritik daran aufkommen konnte, sagte sie dem Schularzt: „Ja, gucken Sie doch mal raus!“

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Die beiden Söhne hätten bis heute noch Kontakt zu ihren Jugendfreunden aus dem Osdorfer Born, obwohl alle ganz unterschiedliche Berufe hätten und teils in ganz Deutschland verstreut wohnten. „Kinder gab's hier immer mehr als genug“, sagt die 71-Jährige lachend.

Stadtteil in Hamburg sei "ein großes Dorf"

Sie sagt, der Osdorfer Born sei ein wenig wie „ein riesengroßes Dorf“, in dem alle aufeinander Acht geben. Man kennt sich, man hilft sich. Die Stadt und der Bezirk seien zwar engagiert, aber wenn etwas klappen soll, kümmert man sich hier lieber selbst drum.

Nur in Sachen Nahverkehr tut sich leider wenig. Seit Jahrzehnten wurde von U-, S- oder Stadtbahnverbindungen zwischen Innenstadt und Osdorfer Born gesprochen, doch nie wurde etwas daraus. „Auf die U-Bahn warten wir seit 50 Jahren“, scherzt Maria Meier-Hjertqvist.

Hier in Hamburg ist Nahverkehr ein Problem

So sind die Menschen hier auf Busse angewiesen. Der einzige, der sie einigermaßen schnell in die Stadt bringt, ist der X3 und der war eine Idee der Osdorfer, für die sich Politiker später feierten. „Das verkaufen die heute als den großen Knaller“, sagt Meier-Hjertqvist achselzuckend.

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Längst Teil des Viertels ist hingegen das Bürgerhaus, in dem neben Unterstützungsangeboten auch Raum für eigene Ideen, Kulturtreffs und Ähnliches ist. Einen Bürgergarten gibt es, in dem Anwohner eine eigene Parzelle bekommen können, ein Café mit Sonnenterrasse und vieles mehr. Niemand muss hier allein bleiben, niemand muss sich langweilen egal, wo er herkommt oder wieviel Geld er hat.

Hamburg: Hochhäuser treffen auf Natur

Maria Meier-Hjertqvist engagiert sich seit Jahren selbst, organisiert nebenher einen Strickclub gemeinsam mit der Volkshochschule und der Bücherhalle und ist wegen ihres unermüdlichen Einsatzes seit 2017 erste inoffizielle „Ehrenbürgerin“ des Osdorfer Borns. „Ich will hier nicht mehr weg“, sagt sie.

Schuld daran sei neben der tollen Gemeinschaft und den vielen engagierten Anwohnern auch die Natur: „Ein paar Metern hinter den Häusern liegt die wunderbare Feldmark. Hier sind Eulen, Rehe und Hasen unterwegs. Und hören Sie mal es ist still hier, oder? In der Innenstadt bin ich von dem Lärm manchmal richtig erschlagen!“