Hamburg: Gastronomen sollen künftig Ausweise ihrer Gäste kontrollieren – das sagen Szene-Größen wie Tim Mälzer und Olivia Jones dazu

Nachdem vermehrt falschen Kontaktdaten – wie in der „Katze“ in Hamburg – angegeben wurden, sollen Gastronomen künftig Kontrollen durchführen.
Nachdem vermehrt falschen Kontaktdaten – wie in der „Katze“ in Hamburg – angegeben wurden, sollen Gastronomen künftig Kontrollen durchführen.
Foto: imago images/xim.gs & Stephan Wallocha & Chris Emil Janßen

Hamburg. Gastronomen sollen die Ausweise ihrer Gäste kontrollieren. Das hat in dieser Woche der Bund-Länder-Gipfel mit Kanzlerin Merkel vereinbart. Die Wirte – nicht nur in Hamburg – sollen sicherstellen, dass ihre Kundschaft keine Fake-Namen mehr wie „Micky Mouse“ oder „Darth Vader“ in ihre Corona-Besucherlisten eintragen.

Gastronomen als Hilfssheriffs? Wenn falsche Namen auftauchen, dann droht den Wirten ein hohes Bußgeld von bis zu 1000 Euro je nach Bundesland. „Wer nicht hören will, muss zahlen“, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Maßnahmen gerechtfertigt. Doch das verunsichert die Kneipen- und Restaurantbetreiber.

MOIN.DE hat sich unter der Gastro-Elite in Hamburg umgehört. Auf große Gegenliebe stößt die Idee aus Berlin scheinbar nicht.

Hamburg: Tim Mälzer hat eine „No-compromise-Politik“ eingeführt

TV-Koch Tim Mälzer (49, „Die Bullerei“, TV-Show „Kitchen Impossible“): „Ich finde es zwar angemessen, dass wir bei Verdacht der Falschgabe von Daten kontrollieren sollten, aber in meinen Betrieben lassen wir uns keine Ausweise vorlegen. Dass wir überhaupt unsere Lokale trotz Corona öffnen dürfen, ist ein Geschenk.“

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Das ist Tim Mälzer:

  • Tim Mälzer wurde am 22. Januar 1971 in Elmshorn geboren
  • Tim Mälzer ist nicht nur Koch, sondern auch Fernsehmoderator, Unternehmer, Kochbuchautor und Entertainer
  • Seine Karriere begann Tim Mälzer als Koch in einem Hamburger Hotel
  • Das bekannteste Restaurant von Tim Mälzer ist die „Bullerei“ im Schanzenviertel in Hamburg
  • Seit 2014 ist Tim Mälzer in der Kochduell-Show „Kitchen Impossible“ zu sehen

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„Der Gast möchte ja auch, dass wir geöffnet haben. Um das zu beschützen, dazu gehört ein Miteinander. Wenn der Gast aber seine korrekten Daten nicht angeben möchte, dann bitten wir ihn höflich, lieber zu gehen. So sehr ich meine Gäste schätze, kann ich da nicht tolerant sein. “

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„Ich habe eine No-compromise-Politik eingeführt. Die setzen wir konsequent durch. Wer im Hotel eincheckt, muss ja auch seine Daten angeben. Aber wir zwingen niemanden dazu.“

Hamburg: Christian Schumacher hält die Regelung für „absurd“

Restaurant-Betreiber Christian Schumacher (59, Alsterschiff „Galatea“): „Wir sind Gastronomen und kommen nicht von der Stasi. Ausweiskontrolle beim Nudeln essen. Das ist absurd und sogar eine unverdeckte Aufforderung zu einer Straftat. Die Politiker in Berlin sollten sich mal das Grundgesetz durchlesen.“

„Normale Bürger, also auch wir Gastronomen, haben keine Befugnis nach Ausweisen zu fragen. Wir müssten die Polizei holen oder einen anderen Staatsvertreter. Wirte müssen sogenannte Plausibilitätskontrollen machen. Bekommt man dafür eine Schulung?“

„Zwick“-Kneipier Uli Salm aus Hamburg hält nichts von der Regelung

Musiker und Kneipier Uli Salm (72, Musikkneipe „Zwick“ am Mittelweg und „Zwick St. Pauli“): „Davon halte ich gar nichts. Ich bin echt geplättet. Aber es war zu erwarten, dass sich die Politiker in Berlin wieder mal was Neues einfallen lassen.“

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„Um überhaupt überleben zu können und nicht ganz zu schließen, muss ich sowieso ständig zusetzen. Eine derart strenge Kontrolle ist nicht machbar, ohne Personal aufzustocken. Das würde sich dann gar nicht mehr rechnen.“

Hotelier Marc Ciunis aus Hamburg hält die Entscheidung für den falschen Weg

Hotelier und Restaurant-Betreiber Marc Ciunis (55, u.a. Hotel Tortue, „Petite Tortue“, Cocktailbar „Bar Noir“): „Ausweiskontrolle ist der falsche Weg. Das ist nicht umsetzbar. Wir Gastronomen sind alle sowieso schon gebeutelt und haben hohe Umsatzeinbußen. Wenn wir jeden Gast überprüfen sollen, dann muss dafür extra Personal eingestellt werden.“

„In so einem kleinen Laden wie dem 'Petite Tortue', das wir am Neuen Wall gerade eröffnet haben, rechnet sich das gar nicht. Wenn jetzt einer sagt, er heißt Herr Freitag und hat keinen Ausweis dabei, soll ich ihn dann vor die Tür setzen, weil ich ihm unterstelle, dass er einen Fake-Namen angibt? Da soll sich die Politik was Neues überlegen. Eigenverantwortung ist das Thema.“

Promi-Wirt Dirk Kowalke aus Hamburg sieht Probleme bei der Umsetzung

Promi-Wirt Dirk Kowalke (48, „Fischereihafen Restaurant“): „Das umzusetzen stelle ich mir schwierig vor. Es ist mit zu viel Verwaltungsaufwand verbunden. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass es nicht zu weiteren Corona-Ausbrüchen kommen darf und die Ansteckungskette nachverfolgt werden muss. Aber nicht so.“

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„Das kostet zu viel Zeit. Gerade wenn zu Stoßzeiten die Gäste kommen. Sollen sie dann im eiskalten Winter vor der Tür stehen und frieren, bis wir alle Ausweise geprüft haben? Und ist das rechtlich überhaupt vertretbar, dass wir uns solche persönlichen Dokumente vorlegen lassen? Ich glaube nicht.“

Hamburg: Kiez Wirt Thomas Stutzi befürchtet wütende Gäste

Kiez-Wirt Thomas Stutzki (54, „Shooter’s“, „Ahoi“ und „Schweinske“, alle an der Reeperbahn): „Man hofiert jeden Gast, will keinen verschrecken. Der Kunde ist König. Und plötzlich soll ich ihm unterstellen, dass er lügt, wenn er einen ungewöhnlichen Namen hat. Dann zeigt der mir doch den Mittelfinger.“

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„Ist ja wieder ganz toll, was Frau Merkel auf die Schultern von uns Gastronomen ablädt. Hohes Bußgeld will aber auch keiner bezahlen. Am Ende regiert wieder das Geld und wir sind gezwungen, uns zu fügen. Toll ist das nicht.“

Hamburg: Gastronom Daniel van Cleef geht die Ausweiskontrolle zu weit

Gastronom Daniel van Cleef (46, „Gasthaus Quellenhof“ und „Sky & Sand Beach Club“): „Im heutigen Zeitalter läuft ohnehin alles digital. Deshalb liegen mir bei 90 Prozent Online-Reservierungen vor, womit mir die Daten bekannt sind, bevor der Gast erscheint. Bei den restlichen zehn Prozent gucken wir ganz genau, ob uns etwas komisch vorkommt.“

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„Wenn Dagobert Duck aufläuft, dann muss er halt wieder gehen. Da zieht auch das Argument mit dem Datenschutz nicht. Ich habe in meinen Läden extrem hohe Sicherheitsstandards. Denn ich bin ja auch für meine Mitarbeiter verantwortlich, dass keiner erkrankt.“

„Deshalb erwarte ich von Gästen Entgegenkommen und dass sie uns nicht belügen. Ausweise werden bei uns nicht kontrolliert, das ginge mir zu weit.“

Olivia Jones aus Hamburg ist „verunsichert“

TV-Star und Gastwirtin Olivia Jones (51, „Wilde Jungs“, „Kiez Oase“, „Show Club“, „Olivia Jones Bar“): „Mich verunsichert die neue Ansage aus Berlin. Ich bin doch nicht von der Polizei, dass ich auf einmal Ausweise kontrolliere. Bisher hatte ich in meinen Läden noch keine Probleme, wurde sogar von den Ordnungshütern auf dem Kiez gelobt, dass wir so sorgfältig sind.“

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Das ist Olivia Jones:

  • Olivia Jones wurde am 21. November 1969 als Oliver Knöbel in Springe geboren
  • Schon in der Schulzeit hatte Olivia Jones erste Travestie-Auftritte und wollte unbedingt ins Show-Geschäft
  • 1997 feierte Olivia Jones den internationaler Durchbruch
  • Olivia Jones ist heute Promi-Gastronomin, Touristik-Unternehmerin, Society-Reporterin (u.a. „Christopher Street Day“) sowie St. Pauli „Fremdenführerin“ – und natürlich Drag Queen
  • Im Sommer 2019 eröffnete Olivia Jones in St. Pauli ihr jüngstes Lokal: Die wohl erste Porno-Karaoke-Bar Deutschlands

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„Ich habe extra einen Mitarbeiter abgestellt, der nur die Gästelisten checkt, ob alles deutlich lesbar ausgefüllt wurde. Gekritzel geht gar nicht. Verdächtig kam uns noch niemand vor. Aber manche Leute haben auch komische Namen. Neulich trug sich eine Dame mit Elsa Scheide ein. Die hieß wirklich so.“