Hamburg: Hagenbeck-Tierpfleger denken an den schrecklichsten Moment im Zoo zurück – „Nie gerne gemacht“

Hinter den Kulissen im Tierpark Hagenbeck geht es nicht immer harmonisch zu.
Hinter den Kulissen im Tierpark Hagenbeck geht es nicht immer harmonisch zu.
Foto: imago images/Chris Emil Janßen & privat

Auch der Tierpark Hagenbeck hat wegen der Corona-Pandemie schon wochenlang geschlossen. Dort, wo normalerweise Unterhaltsame Schaufütterungen sowie Tiervorstellungen und viele Attraktionen für Kinder auf die Besucher warten, ist Ruhe eingekehrt.

Doch was passiert hinter den Kulissen von Hagenbeck? Zwei ehemalige Tierpfleger geben Einblick in ihren Arbeitsalltag, der oft alles andere als harmonisch verläuft.

Hamburg: Hagenbeck-Tierpfleger berichten über ihre Erfahrungen

Hinter den Kulissen des Tierpark Hagenbeck: Im Interview mit MOIN.DE verraten uns zwei ehemalige Tierpfleger von ihren Erfahrungen ihrer Ausbildung.

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Thorben (24) und Lasse Leppin (24) machten ihre Ausbildung im Tierpark Hagenbeck zum Tierpfleger. Und wie es viele bestimmt schon geahnt haben, sind die beiden Brüder – und zwar Zwillinge. Bei der Berufswahl waren sich beide einig und fingen die Ausbildung als Tierpfleger im August 2016 zeitgleich an.

Dabei stellte der Tierpfleger bei den Zwillingen indirekt einen Kindheitstraum dar. Sie wollten auf jeden Fall was mit Natur und Tieren machen und so entschieden sich beide für den Tierpark Hagenbeck in Hamburg.

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Formal ist die Ausbildung natürlich wie jede andere Berufsausbildung auch: Sie dauert drei Jahre, einmal die Woche gibt es theoretischen Unterricht. Von was sich die Ausbildung eines Tierpflegers allerdings abhebt, ist die Praxis.

Hamburg: „Der Geruch ist sehr übel“

Die Fütterung von Tieren, Reinigung der Gehege und Obduktion von Tieren sind dabei noch gar nichts neben den Herausforderungen, mit denen die Zwillinge teilweise konfrontiert wurden.

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Negativ in Erinnerung blieb den beiden Schleswig-Holsteinern der gewöhnungsbedürftige Geruch. Besonders eklig sei es im Sommer nach der Fleischfütterung. Bei den Fleischresten, die entsorgt werden mussten hingen schon nach kürzester Zeit viele Fliegen und Larven.

Aber was alles toppt seien die Tiere, die sich ausschließlich von Fisch ernähren: „Der Geruch bei Fischfressern ist sehr übel“, stellen die Zwillinge fest.„Aber man gewöhnt sich an alles.“, so der 24-Jährige Thorben.

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Besonders gefreut hätte es allerdings den Eltern der beiden: „Die freuten sich meistens über die Wäsche“, verrieten die beiden mit einem schelmischen Lächeln.

Hamburg: Gefährliche Situationen für Tierpfleger

Außerdem kann man als Tierpfleger in so manche gefährliche Situation geraten. Da steigt das Adrenalin. Zum Klauen schneiden werden die Mähnenspringer einmal im Jahr eingefangen. Dazu tritt dann eine ganze Mannschaft an Tierpflegern an.

Einzeln werden die Tiere dann im Gehege gefangen und festgehalten, damit der Tierarzt die Hygieneprozedur erledigen kann. Was ist aber nun die Gefahr?

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„Mähnenspringer sind Bergziegen, die exzellente Springer sind und sich sehr gut an den steilen Wänden halten können. Da kann es schon mal passieren, dass ein Tier ohne Rücksicht auf Verluste über deinen Kopf springt um dem Einfangen zu Entkommen.“, berichtet der 24-Jährige Thorben.

„Um einen männlichen Mähnenspringer am Boden zu halten sind fünf erwachsene Männer notwendig.“, ergänzt sein Bruder Lasse. „Wenn die mit voller Wucht gegen einen springen tut das mehr als weh.“

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Für die meisten Tierpfleger sei diese Aktion der reinste Adrenalinkick, aber die Zwillinge finden das Einfangen auf jeden Fall besser als narkotisieren. Bei einer Narkose stehen die Tiere ja vermeintlich mehr unter Stress, was negativ zur Gesundheit des Tieres beiträgt.

Hamburg: „Haben es beide nie gerne gemacht“

Aber was sich die beiden vor der Ausbildung niemals für möglich gehalten hätten: sie mussten selbst Tiere schlachten. „Auf Nummer 1 der ‚to do‘-Liste stand das natürlich nicht.“, so Thorben.

Es ist aber ein Pflichtbestandteil der Ausbildung lebende Tiere wie Huhn, Meerschweinchen und Kaninchen für die Raubtierfütterung zu töten: „Wir haben es beide nie gerne gemacht, es gehört eben dazu“, sagt Lasse.

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Dies sei notwendig, da es laut Tierschutzgesetz verboten ist lebende Tiere zu verfüttern. Außerdem sei die Verfütterung von Tieren mit Innereien, Fell und Knochen artgerechter und besser für die Verdauung bei den Raubtieren. Trotzdem ziemlich kontrovers, wenn man als Tierfreund, plötzlich selbst Hand anlegen muss.

Aber natürlich gibt es neben den beschriebenen Herausforderungen auch positive Momente, die die Zwillinge nie mehr vergessen werden. Immer ein echtes Erlebnis seien die Schaufütterungen gewesen, die viele Besucher locken und begeistern.

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Das sind die Lieblingstiere der Zwillinge:

  • Walross
  • Orang-Utan
  • Elefant
  • Kamel
  • Tapir

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Lampenfieber bleibt da natürlich nicht aus: „Vor jeder ‚Show‘ ist man schon ziemlich aufgeregt und man hat Angst, dass man sich mal verhaspelt.“, erzählt der 24-Jährige Lasse. Aber die Belohnung war jedenfalls jegliche Aufregung wert: Wer kann schon sagen von einem Walross einen feuchten Knutscher draufgedrückt bekommen zu haben?

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Apropos Walross. Der Tierpark Hagenbeck ist übrigens der einzige Zoo in Europa, der selbst erfolgreich Walrosse züchtet.

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Daten und Fakten zu Hagenbeck:

  • Insgesamt mehr als 1.850 Tiere leben in den Gehegen und der Parkanlage im Tierpark Hagenbeck
  • Im Tropen-Aquarium leben auf 8.000 Quadratmetern mehr als 14.300 weitere Tiere
  • 29 bedrohte und seltene Tierarten leben im Tierpark Hagenbeck
  • Hagenbeck ist der einzige in Familienhand befindliche Tierpark Deutschlands
  • 41.000 Euro Gesamtkosten müssen pro Tag gedeckt werden

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Und dass Walrossbabies die totalen Besuchermagneten sind, können die zwei aus eigener Erfahrung bestätigen. Lasse selbst durfte kurz nach der Geburt vom Walrossbaby „Fiete“ mit dem kleinen Racker spielen: „Süßer als ein Hundewelpe“, so der 24-Jährige.

Hamburg: Keine Übernahme im Tierpark

Die beiden wurden nach ihrem Ausbildungsabschluss 2019 nicht übernommen, da bereits zu viele Tierpfleger angestellt waren. Allerdings betrieben die beiden ihr ganz persönliches „Gap Year“ im Tierpark in Hamburg.

Dort wo sonst nur Mädels als „Kinderaufsetzer“ beim Ponyreiten fungierten, fingen die beiden Zwillinge als Minijobber an. Neben den Ponymädels gab es dann also auch die ersten Ponyjungs in Hagenbeck.

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Schlussendlich kehrten beide aber dem Tierpark Hagenbeck im August 2020 den Rücken. Und können sich auch ein wenig Kritik nicht verkneifen: „Hagenbeck ist wirklich ein toller Tierpark, aber im puncto Artenschutz und Aufklärung in dem Bereich, können sie im Vergleich zu anderen Zoos nicht mithalten.“

Als Zookenner können sich es die beiden natürlich nicht nehmen auch ihre Reisen fast immer mit einem Zoobesuch zu verbinden. Vor allem in Neuseeland soll es die schönsten Zoos geben.

Zwillinge aus Hamburg einfach unzertrennlich

Aktuell machen die beiden übrigens eine Ausbildung zum Erzieher und das auch noch in derselben Kita! Ihr Ziel für die Zukunft: „Selbst eine Kindertagesstätte mit Tieren aufzumachen. Neben dem therapeutisch-pädagogischen Hintergrund, sollen die Kinder auch den richtigen Umgang mit Tieren von Anfang an lernen.“

MOIN.DE wünscht dabei auf jeden Fall viel Erfolg!