Hamburg: Heftige Vorwürfe an die Polizei! Doch die will davon nichts wissen

Robin Grützmacher
Eine Demonstration an der Hafenstraße in Hamburg im Juli 2020.
Eine Demonstration an der Hafenstraße in Hamburg im Juli 2020.
Foto: imago images/Jannis Große

Es sind harte Vorwürfe und wieder einmal stehen die zwei Seiten sich gegenüber. Am 10. April gab es an der Hafentreppe in Hamburg eine polizeikritische Kundgebung. Auch die Adressaten der Kritik waren anwesend und beobachteten die Szenerie.

Die Hafentreppe ist ein prekärer Ort, der seit Jahren im Fokus steht. Weil es im Umfeld Drogengeschäfte gab und später auch Drogenverstecke gefunden worden sind, fährt die Polizei aus Hamburg massenweise Einsätze gegen die Menschen hier, sogar eine „Task Force“ wurde gegründet.

Hamburg: Immer wieder Razzien

Razzien sind keine Seltenheit, immer wieder gibt es Kontrollen, auch anlasslos. Polizisten, die in kleinen Gruppen oder sogar nur zu zweit an der Hafenstraße entlanggehen und von Jugendlichen, die auf einem Geländer sitzen und abhängen, plötzlich die Ausweise sehen wollen, sind hier fast schon Normalität.

+++ Hamburg: Schädlingsbefall in Flüchtlingsheim – „Die Situation ist sehr belastend“ +++

Ein Teil der Anwohner läuft Sturm gegen die ständigen Kontrollen, solidarisiert sich mit den jungen Menschen, bei denen es sich oft um Geflüchtete und/oder Schwarze handelt. Auch die bringen ihre deutliche Kritik zum Ausdruck, immer wieder von der Polizei verdächtig zu werden. Der Vorwurf: „Racial Profiling“ – die Polizei kontrolliere hier alles, was dunklere Hautfarbe habe und sehe hier in jedem einen Drogendealer.

Auf der Kundgebung am besagten 10. April kritisierte der 15-jährige Asad F. die Beamten: „Ich muss in Angst leben, weil ich schwarz bin. Es ist sehr traurig, aber der Grund, warum ich mich auf der Straße umgucke und paranoid bin, seid ihr“, sagte er in ein Mikrofon an die Polizisten gerichtet, wie die „tageszeitung (taz)“ berichtet. Seine Wut auf die Beamten und die Geschehnisse in dem Areal, die ist ziemlich groß.

Hamburg: Jugendliche werden kontrolliert

Laut des Berichts stand auf der Vorderseite des Pullovers von Asad F. bei der Kundgebung, in Anlehnung an den von einem Polizisten getöteten Schwarzen George Floyd: „I can't breathe“. Und auf der Rückseite: ACAB – „All Cops are Bastards“.

Wie die „tageszeitung“ weiter schreibt, habe der 15-Jährige mit seinem ebenfalls schwarzen 16-jährigen Bruder Musa F. und einem weißen Freund die Kundgebung verlassen. Dann seien auf der Reeperbahn mehrere Polizisten auf die drei zugestürmt.

+++ Hamburg: Senat wirft schwer kranke Menschen aus der Stadt – und scheut dafür keine Kosten +++

Der 16-Jährige Bruder wollte das Ganze filmen, ihm sei das Handy aus der Hand gerissen und er von den Polizisten fixiert worden. „Ich habe nur die Knie an meinem Körper gespürt“, sagte Musa F. der Zeitung. Die Polizisten hätten sie aufgefordert, ihre Jacken auszuziehen. Asad F. vermutete deswegen, die Polizisten suchten seinen ACAB-Pullover.

Hamburg: Ärger wegen ACAB-Pullover?

Der Ausdruck mag Polizisten stören, das Bundesverfassungsgericht urteilte jedoch einst, dass er nicht automatisch eine strafbare Beamtenbeleidigung darstelle und von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. ACAB ist ein beliebter Aufdruck, oft auch auf Szene-Kleidung, sogar Polizisten selbst wurden in Einzelfällen in ihrer Freizeit schon mit solcher Kleidung gesehen.

+++ Hamburg: Olivia Jones macht sich nackig – und enthüllt traurige Details aus ihrem Leben +++

Musa F., wurde von den Polizisten nach den Geschehnissen auf der Reeperbahn auf die Davidwache gebracht und soll dort auch im Intimbereich abgetastet worden sein. Die Mutter der beiden wurde laut des „taz“-Berichts dort von den Polizisten angesprochen, ob sie wisse, was ihr Sohn da für einen Pullover trage. „Klar weiß ich das“, habe Angelika F. gesagt. „All colours are beautiful.“

Zu Hause habe Musa F. Schmerzen am ganzen Körper verspürt. Die Ärzte behielten ihn im Krankenhaus und stellten ein stumpfes Bauchtrauma sowie Prellungen an Kopf, Hüfte und Rippen fest.

Polizei in Hamburg wehrt sich gegen Vorwürfe

War das Ganze also Polizeigewalt gegen dunkelhäutige Minderjährige durch Beamte, die sich womöglich durch kritische Worte und einen Pullover, der keine strafbare Handlung darstellt, provoziert fühlten? MOIN.DE hat bei der Polizei nachgefragt.

„Wir schätzen die Sache deutlich anders ein, als von den beiden Jungs dargestellt“, erklärt ein Sprecher. Es gebe Videomaterial, das „einen Großteil der Kontrolle“ zeige und daraus wäre „nicht erklärbar“, dass daraus eine Verletzung entstanden sein soll.

-----------------

Mehr News aus Hamburg:

„Großstadtrevier“: Neue Folge macht die Fans wütend! „Muss ich mir nicht antun“

Linda Zervakis: Emotionale Szene mit der Nachrichtensprecherin! „Die traurigste Nachricht des Tages“

„DAS!“: Diese Frau erkrankte an Corona – jetzt kann sie nicht mehr tun, was sie ihr ganzes Leben am liebsten gemacht hat

Hamburg: Grundschullehrer hortet Kinderpornografie auf seinem Laptop – nur durch diesen Zufall flog er auf

-----------------

Das Video zeige insbesondere die Situation um den 16-Jährigen. Die Polizisten wüssten, dass es zum ACAB-Ausdruck ein Gerichtsurteil gebe. Es stehe eine Beleidigung im Raum, doch es gehe nicht nur um den Pullover. Der Sprecher spricht etwas mysteriös von „anderen Details" im Verfahren. Die könne er allerdings nicht nennen.

Hamburg: 16-Jährigem wurde Handy abgenommen

Ein Polizist habe dem 16-Jährigen Musa F. das Smartphone beim Filmen abgenommen, da es eine Straftat sei „das nicht-öffentliche Wort aufzuzeichnen", so der Sprecher. Das habe dieser aber nicht eingesehen. In dem Moment soll auch die Videoaufzeichnung der Polizei beginnen.

Der Sprecher gibt zu, dass Musa F. bei dem Ganzen „kurz ins Straucheln" gekommen sei und dann von „Kollegen aufgefangen“ worden sei, damit er nicht hinfalle. Das Ganze sei verhältnismäßig gewesen, so seine Einschätzung.

+++ Hamburg: Flüchtling fragt – „Wie soll man sich da dann richtig integrieren?“ +++

Mehrfach widerspricht der Sprecher vehement, daraus habe eine Verletzung entstehen können und antwortet ein wenig einschüchternd und mit einer Unterstellung auf unsere Anfrage: „Wenn sie einen Einsatz der Polizei skandalisieren wollen, kann ich ihnen nur einen Tipp geben, suchen sie sich einen anderen aus. Dieser ist nicht geeignet.“

Hamburg: Einsatz verhältnismäßig oder nicht?

Die Polizei wolle mit den Minderjährigen nochmal Kontakt aufnehmen, ein Vernehmungsangebot machen und auf das „Beweismaterial“ hinweisen und gucken, ob die beiden bei ihrer Darstellung blieben. Auch das klingt wenig versöhnend.

Offen bleibt, welche beleidigenden „Details" zulasten von Asad F. die Polizei meint, die schließlich zur Kontrolle führten und ob diese und das Abnehmen des Smartphones inklusive des „ins Straucheln geraten“ tatsächlich verhältnismäßig gewesen sind. Woher stammten die von den Ärzten festgestellten Verletzungen, wenn der Vorfall tatsächlich so harmlos ablief?

Ob die besagten nicht-genannten „Details“ wirklich ausreichend gewesen sind und was nun tatsächlich verhältnismäßig gewesen ist, könnte in letzter Instanz wohl nur ein Gericht entscheiden.

Im letzten Jahr sorgten Polizisten aus Hamburg bundesweit für Aufsehen, als sie einen ebenfalls Minderjährigen zu Boden brachten. Auch dort sprachen sie von Verhältnismäßigkeit. Mehr dazu >>> hier.