Hamburg: Ikea und andere öffnen wieder, vor dem Eingang bietet sich ein erstaunliches Bild

Alles vorbereitet, aber nichts zu sehen von der Warteschlange beim Ikea in Hamburg.
Alles vorbereitet, aber nichts zu sehen von der Warteschlange beim Ikea in Hamburg.
Foto: MOIN.DE

Mit einem neuen Konzept, dem sogenannten Click & Meet, will der Senat der Stadt Hamburg seinen Bürgern den Einkaufsbummel auch in Corona-Zeiten wieder ermöglichen. Seit Montag dürfen Kunden mit einem festen Termin wieder die Läden betreten.

Doch wie wird die neue Einkaufs-Option überhaupt angenommen? MOIN.DE hat sich in Hamburg umgeschaut und eine große Überraschung erlebt.

Hamburg: Der große Ansturm bleibt aus

Denn von überfüllten Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen fehlt am Montagmittag in Hamburg jede Spur. Rund um den Bahnhof Altona herrscht gemäßigtes Treiben. Auch in der angrenzenden Großen Bergstraße sind nur einige Menschen unterwegs, um einige Besorgungen beim Bäcker oder im Supermarkt zu erledigen. Viele Geschäfte sind auch weiterhin geschlossen.

Ähnlich sieht es aus, wenn man einige Meter die Straße hinunterläuft. Vor der Filiale des Einrichtungshauses Ikea flattert ein rot-weißes Absperrband im Wind, vier Kunden stehen vor der Tür und warten darauf, von der Security, die nahezu mit einem Großaufgebot vor Ort ist, eingelassen zu werden.

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Die Möbelhauskette setzt auf das neue Click & Meet-Konzept. Online können Kunden einen Termin für ihren Besuch vereinbaren. Dazu müssen sie zunächst die Filiale und eine entsprechende Uhrzeit auswählen. Per Mail erhält jeder Besucher im Anschluss einen QR-Code, der beim Betreten sowie Verlassen des Marktes eingescannt wird.

So wissen die Betreiber jederzeit, wie viele Kunden sich auf der Fläche aufhalten. Eine Ampel im Eingangsbereich leuchtet grün und zeigt dabei an, wie viele weitere Menschen den Markt noch betreten dürfen. Dieser Wert orientiert sich an der Quadratmeterzahl des Geschäftes. In Hamburg-Altona dürfen 400 Menschen gleichzeitig den Markt betreten.

Viele Sicherheitsmitarbeiter, wenig Kunden

„Aufgrund der Inzidenzlage müssen sich Kunden vorab ein Zeitfenster für ihren Einkauf reservieren“, teilte Ikea auf Anfrage mit. „Das Konzept mit vorheriger Terminvergabe wird sehr gut angenommen“, heißt es weiter. Tatsächlich reihen sich an diesem Montagmittag aber nur einige wenige Kunden in die Schlange vor dem Einrichtungshaus ein. Auch im Inneren finden sich nicht viele Menschen, sodass die Abstände überall gewahrt werden können. „Die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter steht für Ikea an oberster Stelle. Unser umfangreiches Hygienekonzept ist nach wie vor gültig“, lässt das Einrichtungshaus verlauten.

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Dieser Eindruck bestätigt sich vor Ort: Zahlreiche Sicherheitsmitarbeiter kontrollieren den Eingangs- und Ausgangsbereich. Einkaufswagen werden nach Benutzen desinfiziert und die Restaurantsanlagen sind geschlossen. Damit sich die Kunden nicht stauen, ist das Zeitfenster des Aufenthaltes auf 90 Minuten begrenzt. Das wird allerdings nicht überprüft.

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Die wenigen Kunden jedenfalls freuen sich über die neue Möglichkeit, auch wenn es ihnen noch etwas suspekt erscheint. „Es fühlt sich fast etwas verboten an, den Laden zu betreten“, erzählt Josefina, die gemeinsam mit ihrem Freund Hendrik einige Sachen für die neue gemeinsame Wohnung gekauft hat. Beide haben ihre Mittagspause genutzt und sich vorab einen Termin organisiert. „Wir freuen uns, dass wir die Sachen auch wieder anschauen und anders wahrnehmen können als beim Shoppen im Internet. Das fühlt sich schon anders an“, sagt Josefina.

Auch die Studentin Bente kommt mit vollgepackten Tüten aus dem Markt. Für ihre WG plant sie schon länger eine neue Ausstattung in Bad und Küche. „Online waren viele Artikel gar nicht oder nur mit langen Lieferzeiten erhältlich“, sagt sie. An ihrem ersten Shoppingausflug seit Langem habe sie besonders die Ruhe genossen. „Ich habe den Laden noch nie so leer erlebt, das ist echt ein ganz neues Erlebnis“, berichtet sie. „Ich habe mich sicher gefühlt und kann mir vorstellen, das auch in anderen Geschäften zu nutzen.“

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Citymanagement: „Sehr verhaltene Frequenz"

Einige konnten es jedoch kaum erwarten und reihten sich ohne Termin in die Schlange ein. Doch da hilft auch kein freundliches Bitten. Die Sicherheitsmitarbeiter weisen jeden ab, der keinen QR-Code vorweisen kann. Auch muss jeder einzelne Kunde einen Code vorlegen. Einige Paare und Familien wurden deshalb ebenfalls nicht eingelassen.

Nicht jedes Geschäft ist übrigens so technisch ausgerüstet, in anderen Läden müssen sich Kunden vorab zum Beispiel telefonisch anmelden. Im Geschäft selbst erfolgt die Kontaktverfolgung wie einst in gastronomischen Betrieben per Formular.

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Auch in der Hamburger Innenstadt bietet sich ein ähnliches Bild. In der Europapassage herrscht gähnende Leere. Nur einige wenige Kunden stehen vor großen Märkten wie etwa Saturn oder C&A. „Es ist eine sehr verhaltende Frequenz in der Innenstadt“, sagt Brigitte Engler vom City Management Hamburg. „Es haben natürlich noch nicht alle Läden geöffnet. Der ein oder andere braucht einfach etwas länger, um sich darauf vorzubereiten. Aber es war noch ruhig und wie sind jetzt sehr gespannt, wie es weitergeht.“

„Was natürlich nicht geht ist, dass ein Kunde kommt, klopft und fragt, ob gerade ein Time-Slot zur Verfügung steht. Das ist nicht der Sinn der Verordnung, sondern es muss sich vorher anmelden. Das muss jetzt erst mal trainiert werden.“ Zudem müsse man die Entwicklung im Auge behalten, etwa wie verlässlich das Konzept in Stoßzeiten wie etwa am Wochenende wirke.