Hamburg: Kiez-Gastronom schäumt vor Wut – „Es geht ums nackte Überleben“

Hamburg: Thomas Stutzki betreibt unter anderem das „Hooters“ auf dem Kiez.
Hamburg: Thomas Stutzki betreibt unter anderem das „Hooters“ auf dem Kiez.
Foto: IMAGO / Hanno Bode & privat

Seine Stimme hat auf St. Pauli Gewicht. Seit rund 30 Jahren betreibt Thomas Stutzki (54) mehrere erfolgreiche Gastronomien in Hamburg.

Aktuell ist er fürs „Hooters“ und „Ahoi“ an der Reeperbahn verantwortlich und kümmert sich um das Marketing für das „Schweinske“. Bisher hat der umtriebige Geschäftsmann aus Hamburg alles hingenommen, was ihm und den anderen Kiez-Gastronomen aufgrund von Corona verboten wurde. Doch nun ist Stutzki der Kragen geplatzt.

Hamburg: Kiez-Gastronom wendet sich an Bürgermeister Tschentscher

Für die erneuten Öffnungsverbote, die gerade von der Politik mit der Konsequenz der wegfallenden Oster-Einnahmen beschlossen wurden, fehlt ihm jedes Verständnis.

Auf Facebook postete er eine Packung mit einem Spucktest und will seine Gäste gratis testen. Dazu schreibt er, adressiert an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD): „Bürgermeister Sowieso… Was soll’n wir noch tun?“ Gegenüber MOIN.DE macht er seiner Enttäuschung über die Politik Luft.

Herr Stutzki, warum ist Ihnen jetzt der Kragen geplatzt?

Wenn es neue Maßnahmen gäbe, dann würden wir mitziehen. Aber es sind immer wieder dieselben Maßnahmen. Nämlich Öffnungsverbote. Es ist unerträglich, dieser Hilflosigkeit zuzuschauen und dass der Politik immer nur das Gleiche einfällt, anstatt Alternativen.

+++ Kiel: Chaos in der Landeshauptstadt – „Kaum zu glauben, dass das wirklich echt ist“ +++

Es kann doch nicht sein, dass in Rostock Bürgermeister Claus Ruhe Madsen, der eigentlich aus Dänemark kommt, mit neuen, innovativen Ideen gegen die Pandemie erfolgreich ist und in Hamburg wird immer nur gegen die gleiche Wand gefahren. Ich würde von Herrn Tschentscher erwarten, dass er nicht alles umsetzt, was Frau Merkel ihm vorgibt, sondern dass er eigene Konzepte für Hamburg entwickelt. Er ist ja nicht mal in ihrer Partei.

-----------

Das ist Thomas Stutzki:

  • Thomas Stutzki wurde 1966 in Hamburg geboren.
  • Er ist gelernter Bankkaufmann, Wertpapierhändler und Immobilienfachwirt.
  • Als Gastronom machte er sich das erste Mal selbständig, als er für das legendäre Café Keese den Quatsch Comedy Club nach Hamburg holte.
  • Anschließend betrieb er mit früheren Schulfreunden das „Dollhouse“ an der Großen Freiheit.
  • Später eröffnete er mit Geschäftspartnern das Schweinske, Hooters und Ahoi mit insgesamt 1000 Plätzen.
  • Er ist liiert mit Julie Groß (31) und wohnt in Winterhude.

-----------

Haben Sie ihn je kennengelernt?

Nein, er kümmert sich nicht um den Kiez. Ein Gesichtsloser. Fürs Fernsehen sortiert er Röhrchen, reine Show. Ich würde mir wünschen, dass ein Bürgermeister für die Bürger da ist und mit uns Betroffenen spricht, damit wir gemeinsam Konzepte erörtern. Er hatte jetzt ein Jahr Zeit, sich uns Kiez-Gastronomen mal zu öffnen.

+++ Ina Müller und Tim Mälzer geben alles – für SIE +++

Stattdessen werden Honorare an Berater gezahlt, die uns gar nicht kennen. Viel bessere Erfahrungen habe ich mit Falko Droßmann gemacht, dem Bezirksamtsleiter Mitte. Der hat unsere Gastronomie persönlich überprüft und interessiert sich wirklich für unsere Nöte.

Was konkret sollte die Politik jetzt tun?

Sie soll uns Gastronomen erlauben, mit guten Hygiene-Konzepten sofort zu öffnen und uns zutrauen, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen. Wir sind zu allem bereit: Daten festhalten, Spucktests durchführen, Abstände markieren, Termine abmachen. Das hat während der Öffnungen wunderbar funktioniert.

Aber der wirtschaftliche Schaden durch die ständigen Schließungen darf nicht weiter ignoriert werden. Denn St. Pauli lebt sehr vom Tourismus, wenn’s mal irgendwann wieder losgeht. Viele Kollegen haben aber inzwischen aufgegeben.

+++ Linda Zervakis sagt DAS viel zu oft – „Ist ja schrecklich“ +++

Was unterscheidet den Kiez von anderen Stadtteilen?

Wenn ein Stadtteil-Italiener wieder öffnet, dann gehen die Anwohner hin, und er fährt wieder 100 Prozent Umsatz ein. Bei uns sind es maximal 60 Prozent, weil die Touristen noch nicht kommen dürfen. Es geht bei uns Kiez-Gastronomen nicht darum, verlorenen Umsatz wieder einzuholen, sondern ums nackte Überleben. Und ich möchte betonen, dass ich kein Corona-Leugner bin. Meine Freundin Julie hatte Corona mit einem schweren Verlauf.

Was bedeuten die ständigen Öffnungsverbote für Sie persönlich?

Vor Corona hatte ich um die 50 Mitarbeiter. Jetzt sind’s 15 Festangestellte, die ich durchs Kurzarbeitergeld irgendwie zu halten versuche. Man wird abgestumpft und antriebslos.

----------------

Mehr Promi-News aus Hamburg:

----------------

Es ist zermürbend. Seit Jahrzehnten gehe ich als selbständiger Gastronom ins wirtschaftliche Risiko. Das habe ich immer gern gemacht. Denn ich habe mir diesen Beruf aus Leidenschaft ausgesucht und mit viel Liebe ausgeführt. Auf meiner Visitenkarte steht: Kümmerer. Und das mache ich als Gastgeber eben auch gern. Die Politik soll mich und meine Gastro-Kollegen nur endlich wieder lassen.