Hamburg: Musiker hat wegen Corona einzigartige Idee – was er jetzt macht, bewegt zahlreiche Menschen

Die Reeperbahn in Hamburg ist menschenleer - Musiker Denis Durant hat da eine Idee
Die Reeperbahn in Hamburg ist menschenleer - Musiker Denis Durant hat da eine Idee
Foto: IMAGO / Hanno Bode / Denis Durant

Hamburg. Dennis Durant aus Hamburg ist seit über 30 Jahren hauptberuflicher Musiker. Er schreibt seine eigenen Lieder, produziert eigene Platten und tritt mit seiner Band auf. „Es läuft ganz gut eigentlich“, sagt er – wenn da nicht Corona wäre.

Auch in Hamburg leidet die Musik- und Veranstaltungsbranche enorm unter den Folgen der Pandemie. Clubs und Eventlocations sind geschlossen, Konzerte und Festivals bis auf Weiteres undenkbar. Deshalb hat Dennis Durant sich eine einzigartige Alternative überlegt.

Hamburg: Künstler liefert Musik an die Haustür

Der 50-Jährige tourt aktuell mit seinem „Soul Bus“ durch die Stadt. Das Konzept ist angelehnt an einen Foodtruck. „Wie in einer Pizzeria“, erklärt Durant im Gespräch mit MOIN.DE.

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Statt einer Speisekarte gibt es bei ihm eine Hörkarte. Sein Angebot reicht von deutscher Küche über Vegan bis hin zu Soulfood. „Wer mich bucht, kann sich ein Menü aus fünf bis zehn Liedern zusammenstellen“, so der Songwriter.

Seine Idee ging durch die Decke! Vor gerade einmal vier Wochen hat der Musiker den „Soul Bus“ ins Leben gerufen. Inzwischen kann er sich vor Buchungen kaum noch retten. Täglich erreichen ihn Anfragen.

Menschen in Hamburg „ausgehungert“

Sein Konzept funktioniert. „Die Leute sind ausgehungert“, schlussfolgert Durant. „Man hat das Gefühl, sie haben fast schon darauf gewartet.“

Im ersten Lockdown ist der 50-Jährige – wie zahlreiche weitere Künstler – per Livestream in seinem Wohnzimmer aufgetreten. Jeden Donnerstag hat er eine Stunde für seine Fans gespielt.

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Wer wollte, konnte spenden. „So habe ich die Zeit finanziell gut überstanden“, erzählt er.

Doch viel wichtiger war ihm das Feedback seiner Fans. „Ich habe viele emotionale Kommentare aus aller Welt erhalten“, erinnert sich Durant. Daran knüpfte er im zweiten Lockdown an und versorgte seine Fans erneut mittels Livestream mit Musik.

Einzigartige Idee in Hamburg

Währenddessen kam in ihm der Wunsch auf, etwas Neues auf die Beine zu stellen, etwas Unmittelbares und Persönliches – die Idee zum „Soul Bus“ war geboren.

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Was dem Musiker besonders gut gefällt: „Man ist trotz Corona nah an den Leuten dran und sieht die Emotionen, die man bei ihnen auslöst.“ Besonders bewegt hat ihn ein Auftritt in Barmbek Anfang Februar.

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Der Musiker trat in einem Hinterhof auf, an den zahlreiche Mietshäuser grenzten. Kaum hatte er zu singen begonnen, kamen nach und nach alle Anwohner aus den Gebäuden in den Garten oder auf ihre Balkone. Sie klatschten Beifall, bewegten sich im Takt oder zündeten Wunderkerzen an.

Hamburg: „Wir Künstler haben auch eine Verantwortung“

„Sie haben die Musik richtig eingesaugt“, erzählt Durant MOIN.DE. Das hat dem 50-Jährigen noch einmal vor Augen geführt, wie bedeutend Musik sei und wie wichtig es für die Zuhörer sei, den Künstler zu sehen. „Man unterschätzt das“, sagt der Songwriter.

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„Wir Künstler haben auch eine Verantwortung“, betont Durant. Er sieht die Aufgabe seiner Branche darin, in Zeiten von Verunsicherung und Ungewissheit „den Leuten Sonne ins Herz zu pusten.“

Als singender Künstler sei es aktuell umso wichtiger, die Menschen an der Kunst teilhaben zu lassen. Wer sich die Reaktionen auf seine Konzerte ansieht, dem wir klar: Das ist dem Musiker gelungen.

Zukunft für den „Soul Bus“ ungewiss

Ob er nach dem Lockdown immer noch mit dem „Soul Bus“ durch die Hansestadt touren wird, ist noch nicht klar. „Ich habe bereits jetzt zahlreiche Anfragen für Konzerte“, sagt Durant. Ob dann noch Zeit für seinen Musik-Truck bleibt, kann er jetzt noch nicht sagen.

Der Musiker kann es kaum abwarten, wieder vor größerem Publikum zu spielen. Das erste Live-Konzert nach dem ersten Lockdown wird ihm noch ewig im Gedächtnis bleiben.

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Damals ist er in einem Hotel aufgetreten. „Ich war so gerührt, dass mir nach zwei Songs die Tränen runterliefen“, erzählt Durant. Doch bist es wieder soweit ist, hofft er, mit dem „Soul Truck“ noch viel Musik und emotionale Momente „ausliefern“ zu können.