Hamburg: Prostitution nach Corona – Kiez-Legende spricht Klartext! „Das Problem ist...“

Hamburg: Kiez-Legende Carsten Marek spricht offen und ehrlich über die Zukunft der Prostitution.
Hamburg: Kiez-Legende Carsten Marek spricht offen und ehrlich über die Zukunft der Prostitution.
Foto: imago/Winfried Rothermel & MOIN.DE

Diese Nachricht hatte viele erstaunt: „Hamburgs größtes Bordell wird zum Beachclub“ titelten mehrere Tageszeitungen. Im „Babylon“ an der Süderstraße in Hamburg arbeiteten auf 3.500 Quadratmetern zeitweilig 60 Damen in 34 Freudenzimmern. Wegen Corona wurden sie arbeitslos. Doch seit dem 15. September ist das Sex-Verbot von den Behörden aufgehoben. Wird der Beachclub nun wieder zum Bordell?

MOIN.DE traf den Betreiber Carsten Marek (60). Die Rotlichtgröße ist auch Chef der legendären Box-Kneipe „Ritze“ auf dem Kiez und weit über die Grenzen von Hamburg hinaus berühmt-berüchtigt.

MOIN.DE: Geht es im Babylon jetzt wieder richtig zur Sache?

Carsten Marek: Nein, ich könnte theoretisch wieder die Bordelltüren öffnen, aber ich will erst einmal abwarten und lasse die Prostitution ruhen. In der Herbertstraße oder auf dem Straßenstrich macht es eher Sinn, dem Gewerbe nachzugehen.

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Hier rechnet es sich noch nicht. Ich möchte lieber Alkohol ausschenken. Zum Festpreis von 45 Euro gibt es alle Softgetränke „All you can drink“. Dafür kann man den Garten mit Brunnen und Liegen sowie den Innenbereich nutzen und ist wetterunabhängig. Ein Cocktail kostet ab 8,50 Euro.

MOIN.DE: Wie unterscheidet sich das alte vom neuen Babylon?

Marek: Zuvor war das Babylon ein Etablissement, in dem die Damen selbständig gearbeitet haben. Für die Nutzung der Anlage zahlten sie 105 Euro am Tag. Gäste zahlten 65 Euro Eintritt. Dafür nutzten sie die ganze Anlage mit Sauna, Schwimmbad, Pornokino, Bar. Speisen und Getränke waren inklusive.

Was die Damen mit den Herren untereinander abgemacht hatten, war deren Sache. Der Preis für Dienstleistungen lag bei 60 Euro für eine halbe Stunde. Beim Lockdown schloss ich. Nach den Lockerungen hatte ich aus dem Babylon einen Beach- und Wellness-Club mit Massagen gemacht.

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Aber keine Massagen mit Happy End, sondern Wohlfühlmassagen. Es lief sehr gut. Plötzlich kam ein ganz anderes Publikum. Aber dann schlug das Wetter um. Es wurde kühl und regnerisch. Die Gäste dachten, im Beachclub sitzt man nur draußen und blieben fern.

MOIN.DE: Das wollen Sie jetzt ändern?

Marek: Ja, ich bin gerade dabei, mit meinen Mitarbeitern das neues Konzept zu bewerben. Wir haben ein ausgefeiltes Hygienekonzept. Jeder muss beim Eingang Desinfektionsmittel benutzen und vorgegebene Wege einhalten.

Durch unsere Größe können wir alle Sofas auf reichlich Abstand stellen. Und die Öffnungszeiten ändern sich. Wir öffnen Donnerstag, Freitag und Samstag ab 14 Uhr bis nach Mitternacht. Eintritt ist ab 18 Jahren, damit keine Schüler oder Familien mit kleinen Kindern kommen.

MOIN.DE: Wo sind denn die ganzen Damen abgeblieben, die hier früher gearbeitet haben?

Marek: Einige sind nach der Corona-bedingten Schließung zurückgekommen und haben Wellness-Massagen gemacht. Die meisten sind ins Ausland gegangen, wo Prostitution viel lockerer gehandhabt wird. Zum Beispiel in Österreich, Holland und in der Schweiz.

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Das ist Carsten Marek:

  • Carsten Marek ist 1960 in Hamburg geboren. Er ist verheiratet und hat eine Tochter (9)
  • Er absolvierte eine Lehre als Klempner und arbeitete kurz in dem Beruf
  • Weil er seit seinem 13. Lebensjahr Kampfsport betreibt, suchte er sich einen Job als Trainer
  • Damit bekam er erste Kontakte zum Milieu und wurde Wirtschafter im Bordell „Eros-Center“
  • Er gründete eine Zuhälter-Organisation, bekannt unter dem Namen „Hamburger Jungs“. Sie „regierten“ mit harter Hand auf dem Kiez
  • Zeitweise schafften 200 Frauen für Marek an
  • 2005 wurde ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet, nachdem er 13 Monate in Untersuchungshaft saß
  • Er wurde u.a. wegen gewerbsmäßigen Menschenhandel zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

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Ich habe mich gerade in der Schweiz umgeschaut, wie das läuft. Da wird dem Gewerbe ohne Maske nachgegangen. Am Eingang trägt man sich mit Namen und Adresse ein. Dann muss man eine Telefonnummer mit dem eigenen Handy und mit Kennung anrufen. Das wird streng kontrolliert. Wer kein Handy dabei hat, darf nicht reinkommen.

MOIN.DE Wie läuft denn das Prostitutionsgewerbe auf dem Kiez zur Zeit?

Marek: Die Herbertstraße wird neu eröffnet. Ein Künstler macht dort eine Ausstellung, und es gibt ein buntes Show-Programm. Dann wird es so wie früher, allerdings mit Terminabsprachen. Einfach an den Schaufenstern, in denen sich die Mädels anbieten, vorbeischlendern und anonym einer Dame einen Besuch abstatten, das geht nicht mehr. Nur noch mit Termin und mit Maske.

MOIN.DE: Terminabsprache? Wie beim Arzt?

Marek: Die Freier sprechen die Dame im Schaufenster an. Sie schaut, ob ein Termin sofort oder später frei ist und trägt seine Daten in eine Liste ein. Erst dann gehen sie aufs Zimmer.

MOIN.DE: Wie viel Prozent Umsatzeinbußen hat die Branche auf dem Kiez zu verzeichnen?

Marek: Ich schätze 80 Prozent. In der Herbertstraße, die Freier nur durch ein Tor erreichen, stehen ca. 20 Häuser. Es gibt mehrere Hausbesitzer, die ihr Haus mit den Schaufenstern an eine Betreiberin zu 8.000 bis 10.000 Euro im Monat verpachten.

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Die Betreiberin vermietet die Zimmer an mehrere Damen zu unterschiedlichen Zeiten. Früher lief das Geschäft gut. Durch die Corona-Auflagen und Hygiene-Bedingungen geht das aber so nicht mehr. Hinzu kommt noch, dass die Prostitution immer billiger geworden ist.

Nach dem Lockdown haben die Vermieter die Füße still gehalten, aber wenn es jetzt wieder losgeht, dann wollen die ihre Pacht haben. Doch der geminderte Umsatz reicht nicht, um die Pacht aufzubringen. Ich selbst habe eines der Häuser, habe aber nicht gedrängelt, dass die Pacht reinkommt.

MOIN.DE: Was bedeutet das für Hamburg? Der Kiez und die Herbertstraße sind Touristenmagnete.

Marek: Das Problem ist, dass Leute in den Behörden Entscheidungen treffen, obwohl sie vom Kiez gar keine Ahnung haben. Im Nachhinein wird das sehr viel Geld kosten. Denn Prostitution wird noch mehr einbrechen. Viele Frauen haben Soforthilfen bekommen.

Dann wurden auch ihre Mieten bezahlt. Einige sind sogar solide geworden und haben ganz mit dem Job aufgehört. Aber sehr viele sind in den Untergrund gegangen und haben heimlich Freier empfangen. Da gingen dem Staat reichlich Steuergelder verloren.

MOIN.DE: Welchen Geschäften gehen Sie derzeit offiziell nach?

Marek: Neben dem Babylon betreibe ich die Ritze und habe eine Firma für Merchandising. Ich verkaufe Bekleidung mit Ritze-Aufdruck.

MOIN.DE: Wenn Sie Bürgermeister von Hamburg wären, welches Gesetz würden Sie erlassen?

Marek: Ich würde die Corona-Bedingungen in der Prostitution noch mehr lockern, aber viel mehr testen. Und zwar nach Corona und Geschlechtskrankheiten. Ich bin in einer Zeit groß geworden, da waren Geschlechtskrankheiten wie Tripper und Syphilis an der Tagesordnung.

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Da mussten sich die Mädels jede Woche untersuchen lassen. Blut abnehmen, Abstrich machen. Jetzt melden sie sich nur beim Gesundheitsamt. Corona-Tests werden freiwillig gemacht. Der Staat müsste das mehr steuern.