Hamburg: Plakate an zwei Kult-Orten sorgen für Ärger – jetzt müssen sie mit den Konsequenzen leben

Hamburg: Die Front des Docks mit den Plakaten.
Hamburg: Die Front des Docks mit den Plakaten.
Foto: picture alliance

Dieses Thema sorgte im letzten Sommer schon für Aufruhr: der beliebte Club „Docks“ mitten auf der Reeperbahn in Hamburg stellte an seiner Fassade Flächen bereit, auf denen Menschen ihre eigenen Plakate mit Botschaften aufhängen konnten.

So weit so gut, doch leider wurden diese auch dafür genutzt, das Coronavirus zu verharmlosen oder andere wilde Forderungen zu verbreiten. Auch ein paar Meter weiter fanden sich ähnliche Plakate an der Fassade der „Großen Freiheit 36“ in Hamburg.

Hamburg: Fragwürdige Botschaften

Mehr als ein Jahr nach dem letzten Konzert von „Neelix“ am 7. März 2020 im Docks ist die Situation angespannt. Der Club: Zugepflastert mit Botschaften. „Grundrechtseinschränkungen“ sollen „ersatzlos aufgehoben“ werden heißt es dort, von einer „Gesundheitsdiktatur“ ist an der Großen Freiheit 36 die Rede.

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Über 70.000 Corona-Tote trotz der vielen Lockdown-Maßnahmen, davon 1.342 in Hamburg – für das Docks und die Große Freiheit scheint das nur ein Nebenaspekt zu sein. Da hilft es auch kaum, dass sich auf einem Plakat ebenfalls von „gewaltbereiten, verfassungswidrigen und extremistrischen Gruppierungen“ inhaltlich abgegrenzt wird.

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Ehrenwert, dass sich beide Clubs für die heftig gebeutelte Veranstaltungs- und Gastronomiebranche einsetzen, die an vielen Ecken seit Ewigkeiten ums Überleben kämpft. Doch die Mittel sind unter Berücksichtigung des Schadens, den das Virus an den Menschen weltweit anrichtet, zweifelhaft.

Hamburg: Vorsitzende letztes Jahr abgesetzt

Das sah im letzten Sommer bereits das „Clubkombinat Hamburg“ so und setzte die Geschäftsführerin vom Docks, Susanne Leonhard, als seine Vorsitzende ab. „Die inhaltliche Aussage und das gewählte Vokabular ist populistischer Natur und wird von den rechten Rändern unserer Gesellschaft in Beschlag genommen. Dieses ist mit den Werten und der Arbeit unseres Verbandes nicht vereinbar“, hieß es damals in der Begründung.

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Jetzt, fast ein Jahr später, werden von anderer Seite weitere, deutliche Konsequenzen gezogen. Und die dürften beide Clubs ziemlich heftig treffen.

Zwölf Veranstalter, darunter Größen wie FKP Scorpio, Karsten Jahnke, das Reeperbahn-Festival und Semmel Concerts, kritisieren die Clubs einem Brief. Sie suchten „anscheinend den Schulterschluss mit Schwurblern, Verschwörern und jenen, die keinen Widerspruch darin sehen, neben Nazis für Demokratie zu demonstrieren“. Unter diesen Bedingungen kämen Veranstaltungen in den beiden Clubs nicht in Frage.

„Den daraus entstehenden Schaden für alle Gäste und den Kulturstandort der weltoffenen Stadt Hamburg werden wir dafür in Kauf nehmen.“

Hamburg: Clubs sollen sich äußern

Sogleich wurden die Betreiber aufgefordert, Stellung zu beziehen. „Wie kam es zu diesen Vorgängen, und kann es eurer Ansicht nach eine Lösung geben, die mehr als ein Lippenbekenntnis ist?“ Von einer Antwort ist aber bislang nichts zu hören.

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Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) kann die Reaktion der Veranstalter gut verstehen, wie er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Um es mit dem Songschreiber und Musiker Danny Dziuk zu sagen: „Man darf in diesem Land beinah alles sagen. Nur muss man aber dann auch das Echo ertragen.“

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Hamburg: Viel Kritik in Sozialen Netzwerken

Auch in Sozialen Netzwerken mussten sich die ehemaligen Musik-Paläste schon einiges anhören: „Ihr Schwurbis fragt doch mal nach, ob der Wendler oder Xavier demnächst bei euch auftreten können, namenhafte Künstler*innen werden euch nach der peinlichen Aktion meiden“, heißt es dort.

Gut möglich, dass die Clubs es nach einem Ende der Corona-Pandemie durchaus schwerer haben könnten, wieder auf die Beine zu kommen. (rg)