Hamburg: Ausgerechnet diese beliebte Ecke der Stadt wird bald völlig anders aussehen – Anwohnern schmeckt das überhaupt nicht

Die Rindermarkthalle in Hamburg vom Bunker aus fotografiert. Unten die U-Bahn Station Feldstraße, oben die Kreuzung Neuer Pferdemarkt.
Die Rindermarkthalle in Hamburg vom Bunker aus fotografiert. Unten die U-Bahn Station Feldstraße, oben die Kreuzung Neuer Pferdemarkt.
Foto: imago stock&people

Hamburg. Es ist eines der soziokulturellen Herzen der Stadt, doch es wird im wahrsten Sinne des Wortes immer schattiger hier. Das Gebiet um die U-Bahn-Station Feldstraße mit dem Karoviertel, dem Bunker und dem neuen Pferdemarkt wird nach jetzigem Stand bald ganz anders aussehen. Die Stadt Hamburg krempelt das Gebiet um – und vielen Anwohnern schmeckt das überhaupt nicht.

Wer die Ecke neben dem Millerntor-Stadion schon länger kennt, wird sich noch an den großen alten Real-Markt erinnern. Vor ungefähr zehn Jahren machte der Discounter das schmuddelige Gebäude mit dem weißen Wellblech dicht. Eine heftige Veränderung. Die Stadt Hamburg hatte nach einem Architekten-Wettbewerb Ideen für das extrem gut gelegene Gelände – vielleicht ein Kino, eine Musikhalle?

Hamburg: Versorgungs-Tempel an der Feldstraße

Aber nein. Letztlich wurde daraus nichts, Anwohner verhinderten die Musik-Idee. Mit der sanierten Rindermarkthalle steht dort heute ein Versorgungs-Konsumtempel mit diversen Geschäften und einem Zero-Waste-Beachclub. Aber auch mit Räumen für Initiativen wie „GoBanyo- der Duschbus für Obdachlose“.

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Direkt neben der Rindermarkthalle befindet sich unter anderem das indische Restaurant Maharaja (früher Feuerstein).

Klein wirkt das Gebäude mit den hübschen roten Markisen an der vielbefahrenen Kreuzung neben dem Konsumtempel.

Beliebter Treffpunkt in Hamburg

Hier verläuft die große Kreuzung Richtung Sternschanze, Holstenstraße und Reeperbahn, gegenüber beginnt die beliebte „Corner-Ecke“ Wohlwillstraße mit diversen kleinen Bars, Restaurants, Geschäften, Kiosken, Tattoostudio und Frisör. Bei gutem Wetter treffen sich hier abends Hunderte Menschen auf der Straße.

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Die Besitzerin des Maharajas und die Stadt Hamburg sind seit längerer Zeit Stammgäste vor Gericht. Die Stadt versuchte eine Sonderkündigungsklausel zu ziehen, um das Gelände frühzeitig Investoren für einen neuen Bürokomplex zur Verfügung zu stellen.

Die Besitzerin des kleinen Restaurants wehrte sich zunächst erfolgreich vor Gericht, die Auseinandersetzung hält an.

Hamburg: Mietvertrag läuft bis Ende 2021

Der Mietvertrag läuft bis Ende 2021. Möglicherweise ist dann der Weg frei für das „Paulihaus" – einem sechsstöckigen Bürohaus, gegen das Anwohner und Initiativen wie „St. Pauli Code JETZT!“ Sturm laufen und welches das Bild der Ecke einmal auf's Neue deutlich verändern würde. Die Initiative bemängelt die aus ihrer Sicht mangelnde Beteiligung der Anwohner, 10.000 Unterschriften gegen das Projekt wurden gesammelt.

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„Viele Anwohner*innen sind entsetzt über den Büroriegel, der mit St. Pauli wirklich gar nichts zu tun hat“, heißt es von „St. Pauli Code JETZT!“. Bäume müssten gefällt werden, das Maharaja und seine Mitarbeiter stehen wieder einmal vor einer ungewissen Zukunft, nachdem sie schon mal einen Ort auf St. Pauli räumen mussten.

Auch der Name „Paulihaus" ist eher ein Affront gegen Einheimische, denn das wichtige „St.“ fehlt.

Vor Gericht hat die Maharaja-Besitzerin Zeit gewonnen, die Investoren schielen auf das Ende des Mietvertrags. „Wir rechnen mit einem Baustart Anfang 2022 nach dem fristgerechten Auszug des Maharajas zum 31. Dezember 2021“, sagt Regine Jorzick auf Anfrage von MOIN.DE.

Hamburg: Corna änderte nichts an den Plänen

Sie gehört zu „Hamburg Team“, das zusammen mit „Argus“, der „Pahnke Markenmacherei“ und „steg Hamburg“ die Baugemeinschaft bildet.

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Die Corona-Krise ändere nichts an den Plänen, sagt Jorzick. Man will in dem neuen Bau aktuelle Mieter integrieren, kleinteilige Flächen für stadtteilbezogene Nutzungen wie ein öffentliches Café schaffen.

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Nichtsdestotrotz würde der Bau das Gesicht des Stadtteils mal wieder deutlich verändern. Maharaja-Besitzerin Kathrin Guthmann sagte dem „Elbe Wochenblatt“ einst, die ihr angebotene Fläche sei zu klein. Eine Chance das Projekt zu stoppen gebe es laut „St. Pauli Code JETZT!“ möglicherweise noch über die Anhandgabe – Guthmann bewerbe sich in Konkurrenz zu den Investoren offiziell um das Grundstück.

Hamburg: Nicht das einzige Projekt

Gentrifizierung, Kommerzialisierung, Eventisierung. Drei Dinge, gegen die Anwohner und Initiativen kämpfen. Nicht weit entfernt auf der anderen Seite der Rindermarkthalle direkt neben der U-Bahn-Station Feldstraße ist das genauso der Fall. Denn dort wird der Bunker auf dem Heiligengeistfeld aufgestockt.

Auch hier heißt es, man tue etwas für den Stadtteil. Das bisherige Gebäude mit Club, Werbeagenturen und Räumen für soziale Projekte wird um eine Dachterrasse erweitert, dazu kommt eine Sporthalle.

Hamburg: Anwohner klagte

Ein Anwohner aus dem direkt daneben gelegenen Karoviertel zog vor Gericht. Die Aufstockung sei zu hoch, das Karoviertel würde zu sehr verschattet, es müsse einen neuen Bebauungsplan für den Stadtteil geben. Das Gericht sah das anders.

Kläger Mario Bloem sagte NDR 90,3 nach der Verhandlung vor einem guten Monat, er sei mit dem Urteil und Verfahren unzufrieden, weil das Gericht mit der Dampfwalze über seine Argumente hinweggegangen und mehrere Befangenheitsanträge gegen den Richter abgelehnt worden seien.

Den Rückhalt vieler Anwohner und Initiativen hat er. Die Stadt hält hingegen an den Bunker-Plänen fest. Er soll für eine nachhaltige Stadtentwicklung stehen, heißt es.

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Kritik gibt es außerdem, weil auch beim Bunker ein Investor zum Zug kommt und ein Hotel betreiben darf, von denen es auf St. Pauli schon massenweise gibt.

Hamburg: Räume für Stadtteil-Projekte reichen nicht

Sechsstöckiges Paulihaus, ein paar Stockwerke rauf auf den Bunker, Büros und Hotel – es ist eben jene Verschattung und Kommerzialisierung, die das Gesicht der besonderen Ecke an der Feldstraße womöglich schon bald wieder mal ein gutes Stück anders aussehen lassen wird und vielen aufstößt.

Da scheint es nicht auszureichen, dass bei den Großprojekten auch Räume für Stadtteil-Projekte geschaffen werden.