Hamburg: „Tatort“-Star spricht über schwierige Zeit in der Kindheit – „Ich war noch so jung“

Martin Brambach steht für den Dresdner „Tatort“ zusammen mit Karin Hanczewski (l.) und Cornelia Gröschel vor der Kamera
Martin Brambach steht für den Dresdner „Tatort“ zusammen mit Karin Hanczewski (l.) und Cornelia Gröschel vor der Kamera
Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Daniela Incoronato

„Tatort“-Star Martin Brambach (52) wuchs in Ost-Berlin auf, als Jugendlicher kam er nach Hamburg. Von der DDR in den Westen – ein bemerkenswerter Schritt.

Mit MOIN.DE hat Brambach darüber gesprochen, was er damals in Hamburg erlebt hat. Im Interview mit ihm und seiner Frau, der Schauspielerin Christine Sommer (50, „Wilsberg“), ging es außerdem um eine ziemlich krasse aktuelle Tierschutzkampagne, die die beiden unterstützen (mehr dazu unten).

Hamburg ist die Lieblingsstadt von Sommer und Brambach

Beide kommen sehr sympathisch und freundlich rüber. Doch sie können auch ganz anders. Für die Aktion der Organisation „Peta“ hat sich das Paar nackt und blutig in Folie „abpacken“ lassen. Nichts fürs schwache Nerven.

Hier kommt das Gespräch:

MOIN.DE: Martin Brambach, Sie haben mal in Hamburg gelebt. Sie sind damals Ihrer Mutter gefolgt, die sich nach einem Ausreiseantrag niederließ. Wie erinnern Sie diese Zeit?

Martin Brambach: Es war 1984. Da bin ich als 17-Jähriger aus der DDR gekommen. Damals hatte keiner geahnt, dass es fünf Jahre später die DDR irgendwann nicht mehr geben wird. Ich fand das wahnsinnig aufregend. Ich träumte davon, mir die Welt zu erschließen. Ans Mittelmeer zu fahren, Frankreich und Italien zu erkunden. Meine Mutter hatte in Hamburg in einer Wohngemeinschaft in Eimsbüttel in der Nähe der Christuskirche gewohnt. Ich bin dort mit eingezogen und auf das Gymnasium Corveystraße in Lokstedt gegangen. In der DDR besuchte ich bereits die 11. Klasse, in Hamburg fing ich die 11. Klasse neu an. Aber das war ein Fehler, weil wir in der DDR im Schulunterricht viel weiter waren.

Wie äußerte sich das?

Brambach: Es war für mich nicht so einfach, sofort Freundschaften zu schließen. Die jungen Leute in Hamburg tickten ganz anders als die jungen Leute im Osten. Es dauerte eine Zeitlang, bis ich angekommen bin, obwohl ich noch so jung war. Ich brauchte meine Zeit, mich einzugewöhnen. Es wurde viel über Mode und über Autos geredet. Das hat mich überhaupt nicht interessiert. Ich wiederum war politisch interessiert. Der Einzige in der Klasse, mit dem ich einen gemeinsamen Tenor hatte, war ein Junge von der Jungen Union. Mit dem konnte ich mich reiben und politische Gespräche führen. Nach einem halben Jahr habe ich die Schule geschmissen.

Wie ging es dann weiter?

Brambach: Ich hatte das große Glück, dass ich aus einer Theaterfamilie komme. Meine Mutter arbeitete am Theater. Ein befreundeter Regisseur arbeitete am Schauspielhaus in Bochum. Er hörte davon, dass ich die Schule geschmissen habe und rief mich an. Er sagte: In 14 Tagen ist Premiere. Morgen früh um 10 Uhr ist Probe. Hast Du Lust? Ich sagte nur: Ja, ich komme sofort. Ich habe mich nach Bochum aufgemacht und hatte mein erstes Engagement. Im Anschluss hatte ich in Köln die nächste Premiere. Danach bin ich mit 18 Jahren in Bochum auf die Schauspielschule gegangen.

-------------------------

Das ist Martin Brambach:

  • Martin Brambach wurde 1967 in Dresden geboren
  • 1984 folgte er seiner Mutter nach Hamburg
  • Als 18-Jähriger bekam er seine erste Rolle. Seither spielt der Stiefbruder von Jan Josef Liefers in unzähligen TV- und Kinofilmen mit
  • Er hat einen Sohn (25) aus einer früheren Beziehung
  • Seit 8 Jahren ist der mit der Schauspielerin Christine Sommer verheiratet. Sie wurde 1970 in Wien geboren. Die Österreicherin hat 2 Töchter (21 und 23) aus einer früheren Ehe
  • Brambach und Sommer haben zusammen einen Sohn (Anton, 10). Das Paar lebt mit ihm in Recklinghausen.

-------------------------

Christine Sommer: Hamburg hat für uns eine große Bedeutung. Sie ist unsere Lieblingsstadt, aber leider sehr teuer, um da zu leben. Wir kommen aber gern mal nur für eine Übernachtung zu Besuch. Wir haben 2012 auf einer Barkasse auf der Elbe geheiratet.

++ Sylvie Meis packt vor Hochzeit aus: SO lief das erste Treffen mit ihren zukünftigen Schwiegereltern – „Mein Schwiegervater meinte...“ ++

Brambach: Es war herrlich. Der Standesbeamte Herr Westermann hat sich mit seiner tollen Rede überschlagen und den Zusammenhang zwischen Seefahrt und Ehe hergestellt. Die Ehe ist wie das Meer, hat er gesagt. Es war sehr schön. All unsere Kinder waren dabei. Die Großen haben uns geschenkt, dass wir am Abend schön ausgehen und am nächsten Morgen ausschlafen können.

Sie unterstützen gerade zusammen eine „Peta“-Kampagne. Wie sind Sie auf so ein heftiges Motiv gekommen?

Sommer: Mein Anliegen ist seit Jahren die Massentierhaltung. Ich habe in NRW auch schon an Demonstrationen teilgenommen. Gegen die Schlachtvorgänge und die schrecklichen Arbeitsbedingungen. Bei Gesprächen mit dem Landrat, diese Situation zu verbessern, kam nie etwas heraus. Ich trug mein Anliegen der Tierschutzorganisation Peta vor, für die ich mich schon länger engagiere. Gemeinsam haben wir dieses Motiv entwickelt. Ich musste Martin nicht lange überzeugen, dass wir es zusammen umsetzen.

Brambach: Ich fand das sofort eine super Idee. Denn ich finde den schockierenden Effekt dieses Fotos richtig gut. Man sieht ja oft in der Werbung abgepackte Billigfleisch-Pakete für 1,90 Euro. Deshalb ist unser Motiv sehr konsequent, es mal umzudrehen. Ich kann Ihnen versichern, das Fotoshooting war nicht bequem. Es soll auch schon beim Zugucken wehtun.

Wie lange sind Sie schon Vegetarier?

Sommer: Ich seit etwa 35 Jahren. Seither esse ich kein Fleisch, wenn mir nicht etwas untergejubelt wurde (lacht).

Brambach: Seit ungefähr fünf, sechs Jahren. Ich dachte mir, ich probiere es mal ohne Fleisch. Ich stellte fest, dass es mir sehr guttat. Deshalb bin ich dabei geblieben, auf Fleisch ganz zu verzichten.

Was hat Sie letztendlich dazu bewogen?

Brambach: Ich war früher ein leidenschaftlicher Fleischesser. Ich war immer der Meinung, ich brauche das zu einer guten Ernährung. Aber das stimmt ja überhaupt nicht. Das meiste Fleisch, das ich bekam, war kein gutes Lebensmittel. Zum Beispiel beim Filmcatering. Die Caterer können noch so gut sein, aber sie haben ja nur ein begrenztes Budget von ca. 12 Euro pro Person zur Verfügung. Da ist es unmöglich, ein hochwertiges, teures Fleisch zu verarbeiten. Mal völlig abgesehen von dem großen Tierleid.

Wäre vegane Ernährung der nächste Schritt?

Brambach: Das haben wir zwischendurch mal für zwei, drei Monate probiert und auf alle tierischen Produkte verzichtet. Keine Milch, kein Käse. Aber ich muss gestehen, ich esse wahnsinnig gern Käse. Deshalb habe ich diese Konsequenz dann doch nicht.

++ Nina Bott zeigt aus Versehen zu viel auf Foto! Fans achten nur auf dieses PIKANTE Detail ++

Sommer: Wir haben jedoch tierische Produkte sehr, sehr reduziert. Statt Kaffeesahne gibt’s Hafermilch. Wir haben aber auch schon bei einer Ayurveda-Kur ein verlängertes veganes Wochenende gemacht und die leckersten Sachen zu essen bekommen. Es wäre der nächste Schritt, aber ich möchte mir nicht militärisch etwas aufzwingen.

Wie geht es Ihnen denn gesundheitlich, seitdem Sie Vegetarier sind?

Brambach: Beim Drehen habe ich öfter einen 10- bis 12-Stunden-Tag. Da ist das Mittagessen sehr wichtig. Fleisch liegt schwerer im Magen. Ich fühle mich leichter, wenn ich vegetarisch gegessen habe. Seither habe ich glänzende Werte. Es ist besser für meinen Kreislauf, mein Herz und meinen Blutdruck. Mein gesamtes Wohlbefinden hat sich deutlich verbessert. Ich fühle mich viel fitter.

++ Hund in Hamburg: Frau für grausame Tat festgenommen! Das sollte anderen eine Warnung sein ++

Steht die bewusste Ernährung oder das Verhindern von Tierleid an erster Stelle?

Brambach: Das hält sich die Waage. Aber ich tue Dinge nicht nur aus Idealismus oder weil ich sie politisch richtig finde. Ich bin schon ein Genussmensch. Das eigene Wohlbefinden ist sehr wichtig. Und wenn man Fleisch isst, dann hat man doch automatisch das Tierleid im Kopf.

-------------------------------

Mehr News aus Hamburg:

-------------------------------

Sommer: Ärzte geben zum Beispiel bei Rheuma- oder Krebspatienten oft den Rat, Fleischkonsum zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Zum Beispiel bei Darmkrebs, da weiß man, dass Leute, die viel Fleisch essen, besonders gefährdet sind.

Wie haben Sie denn Ihren Jungen erzogen?

Brambach: Wir zwingen ihn zu gar nichts. Aber wir zeigen ihm die Alternativen auf. Wenn wir unterwegs sind, und er Hunger oder Appetit auf ein Steak oder ein Würstchen hat, dann bekommt er das.

-----------------------------------

MOIN.DE ist das Newsportal für Hamburg und den Norden.

Wer wir sind und was wir vorhaben – hier weiterlesen >>

Wie findest du MOIN.DE? Schreib uns deine Meinung – klipp & klar an moin@moin.de!

Hier findest du uns bei Facebook >>

Und hier auf Instagram >>

Und wie du den Gruß „Moin“ richtig benutzt, erfährst du hier >>

-----------------------------------

Sommer: Zu Hause bekommt unser Sohn nämlich kein Fleisch. So habe ich das damals mit meinen Töchtern auch gehandhabt. Auch mein Ex-Mann ist Vegetarier. Wir haben unseren Kindern nie Fleisch verboten. Zu Kindergeburtstagen gab’s mal Wiener Würstchen. Aber Kinder haben oft überhaupt kein Problem mit zum Beispiel Veggiewurst.

++ Hamburg: Erwischt! Ronald Schill ist gerade heimlich in der Stadt – er bleibt, bis er DAS gefunden hat ++

Brambach: Ich finde, dass man niemandem vorschreiben darf, was er zu essen hat. Man erreicht viel mehr, wenn man Leuten ein alternatives Angebot macht als wenn man sie kritisiert.

Christine, Sie sind bei den Grünen. Wie engagieren Sie sich dort?

Sommer: Ich habe schon immer grün gedacht. 2019 bin ich eingetreten. Hier in Recklinghausen sind die Politiker nahbar, man trifft sie auf der Straße. Ich gehe mit ihnen mal Kaffee trinken, bin auch in der Baumschutzgruppe aktiv. Meiner Meinung nach darf man nicht immer nur mosern. Ich habe ein Wahlprogramm und den ersten Listenplatz in meinem Viertel. Wenn ich am 13. September bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen für mein Viertel bekomme, dann habe ich ein Mandat und würde in den Rat einziehen. Ich finde das einen schönen Ausgleich zu meinem Beruf.

Martin, sind Sie auch bei den Grünen?

Brambach: Nein, ich bin bei keiner Partei und möchte auch bei keiner Partei sein.