Hamburg: Traditionsbäcker am Abgrund – auch diese Maßnahmen konnten nicht helfen

Ein Traditionsbäcker aus Hamburg steht vor dem Aus.
Ein Traditionsbäcker aus Hamburg steht vor dem Aus.
Foto: imago images/Westend61& imago images/teamwork

Hamburg. Eine Traditionsbäckerei aus Hamburg muss sich verabschieden.

Die größte Bäckerei aus Hamburg ist jetzt beinahe pleite! Dabei hat sich das Unternehmen bis zuletzt immer wieder neue Maßnahmen und Ideen überlegt, wie man Kunden in die Filialen locken könnte – doch leider ohne Erfolg.

Hamburg: Kult-Bäcker hatte große Pläne

Die Rede ist von dem Bäcker Dat Backhus. In der Hafencity von Hamburg hatte die Bäckerei große Pläne: Dort eröffnete das Unternehmen unter dem Namen „Lieblingsplatz“ eine ganz besondere Filiale.

Die Bäckerei-Kette präsentierte sich dort nämlich als modernes Café mit Fenstern bis zum Boden, edlen Lampenschirmen aus Metall und Postkarten an der Wand.

Als dann jedoch die Corona-Krise kam, musste das Geschäft zwangsläufig schließen. Nur wenige Wochen später, am 24. April, meldete Dat Backhus überraschenderweise Insolvenz an. Dabei hatte das Unternehmen zuvor noch regelmäßig neue Filialen eröffnet.

20 Läden in Hamburg müssen schließen

An eine Expansion kann der Bäcker im Moment wohl kaum denken. Ganz im Gegenteil: Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus, Anwalt der Großkanzlei BRL, hat einen Plan vorgelegt, wie er das Unternehmen vor dem Abgrund retten will.

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Daten und Fakten zu Dat Backhus:

  • Dat Backhus ist eine Hamburger Traditionsbäckerei
  • Im Jahre 1936 gegründet
  • 119 Filialen gibt es in Hamburg
  • Alle Backwaren werden in Hamburg Rothenburgsort hergestellt
  • Das Unternehmen beliefert auch Hotels, Kantinen oder Pflegeheime

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„Wir werden 20 Geschäfte abgeben“, sagt Denkhaus der „Zeit“. In Hamburg gibt es derzeit 119 Filialen. Jede sechste muss nun geschlossen werden. Auch der „Lieblingsplatz“ gehört dazu. Es lohne sich nicht mehr, die Filiale zu halten.

Zu hohe Mieten in Hamburg

„Es wurden Geschäfte aufgemacht, die viel zu hohe Mieten hatten", erklärt Denkhaus diesen Schritt der „Zeit“.

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In der Hafencity kostet der Quadratmeter Miete weit mehr als 200 Euro. Das moderne Café umfasst eine Fläche von rund 250 Quadratmetern. Dat Backhus muss für diese Filiale demnach eine Wahnsinnsmiete von 50.000 Euro bezahlen.

Mieten der Filialen in Hamburg müssen sinken, ansonsten...

Momentan seien Verhandlungen mit Vermietern von elf weiteren Geschäften in Gange. Sollten die Mieten nicht sinken, so werden auch diese Filialen verkauft oder geschlossen.

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Das macht ein besonderes Insolvenzrecht möglich. Denn normalerweise beträgt die Kündigungsfrist an vielen Standorten des Traditionsbäckers zwischen fünf und sechs Jahren. Im Insolvenzfall ist es aber möglich, Mietverträge innerhalb von drei Monaten zu kündigen.

Viele Mitarbeiter aus Hamburg verlieren ihren Job

Denkhaus plane auch den Abbau von Stellen. Schon seit Ende April sinkt die Zahl der Mitarbeiter. Während im April noch 1.300 Menschen bei dem Unternehmen angestellt waren, sind es mittlerweile 1.200.

Gekündigt wurde den Mitarbeitern dabei nicht. Stattdessen wurden Verträge nicht verlängert. Das werde auch in Zukunft so gehandhabt, berichtet Denkhaus der „Zeit“. „Wir werden voraussichtlich ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen“, sagt er.

Corona als Grund für die Schließung des Traditionsbäckers?

Als Grund für die Insolvenz wird die Corona-Krise genannt. Wegen dem Lockdown seien die Erlöse bis Ende April um 40 Prozent eingebrochen, berichtet die „Zeit“. Dabei sei Corona jedoch lediglich ein Beschleunigen gewesen, denn kein Unternehmen mit finanziellen Rücklagen gehe so schnell pleite.

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Einige Konkurrenten des Bäckers glauben, dass die Corona-Krise dem Unternehmen ganz recht kam: „Die Krise ist für Dat Backhus eine willkommene Gelegenheit, um sich von Standorten und Mitarbeitern zu trennen", sagt ein Hamburger Bäcker der „Zeit“.

Das kommt jetzt auf den Bäcker aus Hamburg zu

Ein neues Sortiment soll neue Kunden jetzt wieder in die Filialen locken. So sollen beliebte Brötchen zurück in die Läden kommen. „Dazu gehören auch unsere Klassiker wie die Backsemmel oder unsere Spitzwecke“, sagt Svend Wöhr. Er ist der Geschäftsführer von „Dat Backhus“.

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Insolvenzverwalter Denkhaus sucht jetzt Käufer für die 20 verlustreichsten Läden. Einige Anfragen habe er bereits bekommen, sagt er. (kf)