Hamburg: Todesfall auf der Reeperbahn! Schwere Vorwürfe gegen die Stadt – „Folgen der Verelendung“

Auf der Reeperbahn haben Passanten einen traurigen Fund gemacht.
Auf der Reeperbahn haben Passanten einen traurigen Fund gemacht.

In Hamburg haben Passanten am Freitag einen toten Mann entdeckt. Der Mann lag auf einem Gehweg auf der Reeperbahn, sagte ein Sprecher des Lagedienstes am Samstag. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben.

Bei dem etwa 65 Jahre alten Mann handelt es sich wohl um einen Obdachlosen. Es soll laut des Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“ bereits der fünfte tote Obdachlose in diesem Winter sein. Jetzt gibt es schwere Vorwürfe gegen den Senat in Hamburg.

Hamburg: Winternotprogramm nicht ausreichend

„Diese traurigen Todesmeldungen sind Folgen der Verelendung auf Hamburgs Straßen, auf die große Teile der Hamburger Obdachlosenhilfe seit Monaten hinweisen. Die Stadt stiehlt sich aus der Verantwortung, indem sie behauptet, im Winternotprogramm seien Betten frei“, sagte „Hinz & Kunzt"-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer in der Online-Ausgabe des Magazins.

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Auch der Kältebus des Gesundheitsmobils „Alimaus“ fragte in einem Beitrag auf Facebook: „Sehr geehrte Sozialbehörde, wo genau kann denn jetzt noch der Hemmschuh sein Leben zu retten?“

Aktuell gibt es in Hamburg drei Standorte mit mehr als 1.000 Schlafplätzen für Obdachlose. Doch laut „Hinz & Kunzt“ würden viele Obdachlose nicht in die Unterkünfte gehen, weil sie dort in Mehrbettzimmern schlafen und die Zimmer tagsüber verlassen müssten.

Opposition will Obdachlose in Hotels in Hamburg unterbringen

Aus der CDU-Bürgerschaftsfraktion wird daher jetzt eine Hotelunterbringung für kältegefährdete Menschen gefordert. Viele Obdachlose fürchteten die Enge in den städtischen Notunterkünften und hätten Sorge vor Gewalt, Diebstahl sowie einer Corona-Ansteckung.

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„In einer so wohlhabenden Stadt wie Hamburg dürfen trotz kalter Tage und Nächte keine Menschen auf den Straßen erfrieren“, erklärte der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Grutzeck.

Er forderte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) auf, eine sichere Hotelunterbringung für besonders gefährdete Obdachlose zu organisieren. Erst am Donnerstag hatte die Linksfraktion die gleiche Forderung erhoben.

Einige Obdachlose können bereits im Hotel wohnen

Die Forderung ist nicht neu. Denn wegen Corona müssen die Obdachlosen nicht nur vor der Kälte geschützt werden, sondern auch vor dem Virus. Und das wäre in Hotels deutlich einfacher (mehr dazu >> hier).

Dank einer Großspende können in Hamburg bereits rund 60 obdachlose Menschen bis April sicher in Hotels untergebracht werden.

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Partner des Projekts sind die Hilfseinrichtung Alimaus, das Straßenmagazin Hinz&Kunzt, die Diakonie Hamburg und die Caritas. Das Hamburger Unternehmen Reemtsma stellte dafür im Dezember wie bereits im Frühjahr vergangenen Jahres 300 000 Euro zur Verfügung.

Noch mehr Schutz für Obdachlose in Hamburg

Zudem bringt ein Bündnis gemeinnütziger Organisationen nach eigenen Angaben 20 Obdachlose bis März in einem Hotel unter, um sie vor dem Coronavirus und der Winterkälte zu schützen.

An der Aktion „Hotels for Homeless“ sind die Initiativen Strassenblues CaFée mit Herz, GoBanyo, Hamburger Gabenzaun, Hanseatic Help, JesusCenter und Pfand beteiligt (MOIN.DE berichtete). Bleibt abzuwarten, ob sich hier in den nächsten Wochen etwas tun wird. (mk mit dpa)