Hamburg: Übles Video aufgetaucht! Polizei stoppt Jungen auf Scooter – dann eskaliert die Situation völlig

Ein Video aus dem Netz zeigt, wie eine Szene mit Polizisten eskaliert.
Ein Video aus dem Netz zeigt, wie eine Szene mit Polizisten eskaliert.
Foto: imago images und Screenshot

Hamburg. Es ist ein verstörendes Video aus Hamburg.

Es zeigt einen Jugendlichen vor einer Hauswand in Hamburg. Vier Polizisten stehen im Halbkreis um ihn herum. Vier weitere Polizisten kommen hinzu.

Hamburg: Die Szene wird gefilmt

Eine Person filmt die Szene und stellt sie später ins Netz. Es handle sich um einen 15-Jährigen, der in Hamburg auf dem Gehweg Scooter gefahren und nicht schnell genug abgestiegen sei, schreibt sie dazu.

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Der Junge wippt ganz leicht hin und her. Ob von ihm eine Bedrohung ausgeht, ist auf dem Video nicht zu erkennen. Der E-Roller steht einige Meter neben der Szene.

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Hamburg: „Ah, mein Kopf!“

Plötzlich geht einer der Polizisten auf den Jugendlichen los und verpasst ihm einen Schlag ins Gesicht. Auch die anderen Polizisten kommen hinzu. Ein Polizist zieht einen Schlagstock. Die Beamten ringen mit dem Jugendlichen. „Ah, mein Kopf!“, schreit der Jugendliche.

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Die Frauenstimme hinter der Kamera sagt: „Das kann ich mir nicht mitansehen.“ Und wenig später: „Das ist ein Junge. Das kann doch nicht wahr sein“, sagt sie.

Hamburg: Es kommt zu einem Ringen

„Auf den Boden!“, rufen die Polizisten. Und „Geh runter!“. „Leg dich auf den Boden Mann“, schreit einer. Der Jugendliche zögert. Dann zieht er sich sein T-Shirt über den Kopf. Sofort gehen sechs der Beamten wieder auf ihn los. Es kommt wieder zu einem Ringen.

Dann endet das Video nach knapp anderthalb Minuten. Auf der Hauswand, vor der sich die Szene abspielt, steht der Schriftzug: „Please, I can't breathe“. Diese Worte gehörten zu den letzten, die der US-Amerikaner George Floyd sagte, der als Opfer von Polizeigewalt starb.

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Polizei Hamburg nimmt am Nachmittag Stellung

Die Polizei war für eine Stellungnahme am Dienstagmorgen noch nicht zu erreichen. In einem Tweet vom späten Montagabend hatte sie geschrieben: „Aktuell erreicht uns Kritik zu einem Video, das heute durch mehrere Nutzer veröffentlicht wurde und angeblich einen heutigen Einsatz mit Beteiligung mehrerer Kollegen zeigt. Wir prüfen das Video und den Inhalt.“

Am Dienstagnachmittag dann nimmt die Polizei Stellung. Nach derzeitigem Erkenntnisstand habe ein Stadtteilpolizist für den Bereich Hamburg-Neustadt einen Jugendlichen kontrollieren wollen. Dieser sei ihm in den letzten Tagen mehrfach aufgefallen.

Der Jugendliche habe mit einem Elektro-Roller wiederholt regelwidrig den Gehweg benutzt, er sei mehrmals mündlich verwarnt worden. Am Montagmittag sei er der Aufforderung, sich auszuweisen, dann nicht nachgekommen.

Hamburg: Polizisten riefen weitere Beamte hinzu

Weitere Einsatzkräfte seien hinzugezogen worden, die Identifizierung aber weiterhin erfolglos geblieben. „Der Jugendliche sperrte sich beim Ergreifen durch die Einsatzkräfte, schlug mit den Armen um sich, schubste die eingesetzten Beamten von sich weg und ballte teils seine Faust“, schreibt die Polizei in ihrer Mittelung.

Weitere Beamte werden hinzugerufen. Hier setze das Video ein, so die Polizei. Was dann folgt, beschreibt sie so: „Im weiteren Verlauf versuchen die Beamten mit einfacher körperlicher Gewalt gegen den sehr großen und starken Jugendlichen vorzugehen und ihn mit zum Polizeikommissariat zu nehmen.“

Dem Jugendlichen sei dabei mehrfach angedroht worden, dass gegen ihn auch Pfefferspray eingesetzt werde, „was letztlich auch geschah“. Danach sei es gelungen, ihn zu Boden zu führen und zu fesseln. Dem Jugendlichen sei es jederzeit möglich gewesen, zu atmen, heißt es in der Mitteilung.

Hamburg: 15-Jähriger laut Polizei ohne Verletzungen

Es würden keine Verletzungen des 15-Jährigen vorliegen. Ein Strafverfahren wegen Widerstands wurde gegen ihn eingeleitet. Ein Beamter sei leicht verletzt worden.

Grundsätzlich sei die Polizei „in einem ständigen Spannungsfeld, wenn Zwangsmaßnahmen gegen Personen durchgeführt werden, die körperlich sehr groß und stark sowie erkennbar jugendlich sind“, schreibt die Polizei weiter. „Das Video zeigt deutlich, dass die Polizisten gewillt waren, den Widerstand mit einfacher körperlicher Gewalt zu beenden und den Jugendlichen zu Boden zu bringen“.

Zahlreiche Personen kritisieren auf Twitter bereits das Verständnis der Polizei von „einfacher körperliche Gewalt“.

Das Einschreiten der Beamten wird nun vom Dezernat Interne Ermittlungen überprüft. (kbm)