Hamburg: Dieses Buch sollte Kindern Corona erklären – stattdessen löst es einen Skandal aus

Ein Verlag aus Hamburg hat mit einem Corona-Kinderbuch ungeahnte Wellen geschlagen.
Ein Verlag aus Hamburg hat mit einem Corona-Kinderbuch ungeahnte Wellen geschlagen.
Foto: picture alliance/dpa & Carlsen Verlag

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Carlsen-Verlag aus Hamburg ein Buch, dass die komplizierte Corona-Situation für Kinder vereinfachen sollte.

Doch es löste einen internationalen Skandal aus. Der Verlag aus Hamburg nahm nach Rassismus-Vorwürfen das Kinderbuch wieder vom Markt.

Hamburg: Kinderbuch soll Corona erklären

Der Carlsen-Verlag hatte mit seinem Buch „Ein Corona-Regenbogen für Anna und Moritz“ eigenlich nur Kinder darüber aufklären wollen, wie sie mit dem Coronavirus und der einhergehenden Infektionsgefahr umgehen sollten. Dabei soll Moritz den Kindern anschaulich erklären, welche Symptome man haben kann und wie man sich davor schützen kann.

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Allerdings gefällt das der chinesischen Regierung überhaupt nicht und fühlt sich von einem Satz extrem angegriffen, weshalb das Buch jetzt vom Markt genommen und in einer veränderten Fassung wieder veröffentlicht wurde, wie die „Welt“ berichtet.

In dem Buch sagt Moritz: „Das Virus kommt aus China und hat sich von dort aus auf der ganzen Welt ausgebreitet.“ Eigentlich ist der Satz nicht falsch, denn nach derzeitigem Wissensstand ist das Virus zuerst in China aufgetreten. Aber der Satz ist auch nicht ganz richtig. Es könnte nämlich sein, dass das Virus an einem anderen Ort entstanden und erst in China zutage getreten ist.

Hamburg: Generalkonsulat legt Einspruch ein

Auf der einen Seite ist dieser Satz also völlig harmlos, da ihn so wohl jedes Grundschulkind genau so sagen würde. Andererseits ist der Satz auch hochpolitisch, da die chinesische Regierung um Präsident Xi Jinping seit dem Ausbruch der Pandemie daran arbeitet, diesen Verdacht zu zerstreuen.

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Anfang März 2021 meldete sich das chinesische Generalkonsulat in Hamburg in einer Mitteilung und warnte vor einem „latenten Sicherheitsrisiko“ und das von einer „unsachgemäßen Darstellung in einem Kinderbuch“ ausgehe. Daraufhin habe man beim Verlag Einspruch eingelegt, wie die „Welt“ berichtet. Es seien „provokative, diskriminierende und hasserfüllte“ Worte.

Die Mitteilung ist auf Chinesisch verfasst. Sie ist nur auf der chinesischen Website des Generalkonsulats zu finden, nicht aber auf der deutschen.

Hamburg: Verlag nimmt Buch vom Markt

Wenig später, am 5. März, veröffentlichte der Carlsen Verlag auf seiner Homepage eine Entschuldigung. „Die Aussage, die im Buch ein Kind zur Herkunft des Virus traf, entsprach dem damaligen Stand der Berichterstattung, wir würden sie heute so nicht mehr formulieren“, heißt es dort.

Zudem sei die Auslieferung des Kinderbuches sofort gestoppt worden. Die noch vorhandenen Exemplare würden vernichtet und die Korrektur der Nachauflage bereits veranlasst.

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Wie die „Welt“ berichtet, ließ die Reaktion des Hamburger Verlags den Eindruck entstehen, dass man auf Drängen des Generalkonsulats eingelenkt habe. In den sozialen Netzwerken wurde es als Fehler bezeichnet, politischem Druck nachzugeben.

Hamburg: Shitstorm gegen Carlsen

Der Verlag reagiert auf eine Anfrage von der „Welt“ und erklärt keine „direkte Mitteilung“ des Generalkonsulats „wahrgenommen“ zu haben. Zudem betont Carlsen, „zahlreiche Zuschriften“ erhalten zu haben, die sich über die Formulierung beschwert hätten. Heißt im Klartext: Carlsen widerspricht der Aussage des Generalkonsulats – das ja behauptet, sich bei dem Verlag beschwert zu haben.

Und es ist auch unklar, was es mit den zahlreichen Zuschriften auf sich hat. Nach der Veröffentlichung des chinesischen Generalkonsulats begann für Carlsen ein Shitstorm. „Die Global Times“ veröffentlichte einen namenlosen Artikel, der behauptete, dass die chinesische Gemeinde in Deutschland über das Buch verärgert sei.

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Im Artikel werden zahlreiche Chinesen zitiert, allerdings werden die Personen nicht namentlich genannt. Somit lässt es sich nicht überprüfen, ob diese Menschen existieren oder ob die „Global Times“, eines der einflussreichsten chinesischen Propagandamedien, sie einfach erfunden hat. (oa)