Hund in Hamburg: Tierheim-Chef hat Appell an Tierhalter – „Euer Verhalten ist asozial"

Frank Weber, der Leiter der Franziskustierheims, hat ein Bitte an die Menschen
Frank Weber, der Leiter der Franziskustierheims, hat ein Bitte an die Menschen
Foto: MOIN.DE

Hamburg. Es ist ein Satz, den man von einem Tierheim-Chef nicht erwarten würde. Aber Frank Weber vom Franziskustierheim in Hamburg meint ihn sehr ernst. „Es wäre schön, wenn mehr Menschen ihre Tiere bei uns abgeben würden!“ Hund, Katze, Vogel – hier wird alles aufgenommen.

Der 52-Jährige will natürlich nicht, dass Tierhalter grundlos ihre geliebten Vierbeiner weggeben. Aber wer sich beispielsweise von seinem Hund trennen muss, tut das heute oft auf anderen Wegen. Und das ist – schlecht.

Hund und Katze werden in Hamburg oft privat weitervermittelt

„Ich sehe immer mehr, dass Tiere im Internet, bei Ebay Kleinanzeigen und solchen Portalen, angeboten werden. Das ist weder für die Tiere noch für uns Tierheime eine gute Entwicklung“, sagt Weber zu MOIN.DE.

Das hat zwei Gründe: Oft wählen die Besitzer diesen Weg, weil sie glauben, so eine bessere Kontrolle darüber zu haben, wer ihren Hund oder ihre Katze bekommt. „Aber letztlich haben sie von den Menschen nur einen ersten Eindruck, ein paar Infos, die stimmen können oder auch nicht, und in seltenen Fällen gab es vorab mal einen Besuch im neuen Zuhause“, fasst der Tierheimbesitzer zusammen. „Wir hier im Tierheim wählen dagegen wirklich sorgfältig neue Besitzer aus und kontrollieren genau, wer da ein Tier bekommt!“

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Wie viele Tiere sonst bei neuen Haltern landen, die ihre Versprechen gegenüber den Vorbesitzern ganz und gar nicht einhalten, lässt sich nicht sagen.

Das Tierheim ist nicht die letzte Möglichkeit

Der zweite Punkt ist: Wenn Privatleute ihre lieben und gepflegten Tiere aus traurigen, aber pragmatischen Gründen abgeben müssen, kommt ihnen der Weg ins Tierheim oft wie ein letzter Schritt vor, wenn gar nichts anderes geht. Dabei haben Hunde hier Auslauf und Spielzeug in Massen, dazu liebevolle Pfleger und Ehrenamtliche. Katzen sitzen nicht in Käfigen, sondern haben eigene Zimmer, viele mit Auslauf, und werden fürsorglich betreut.

Das Tierheim ist kein schlimmer Ort, im Gegenteil. Und für gut vermittelbare Tiere ist es ohnehin nur eine Zwischenstation. „Aber“, sagt Weber, „wenn uns niemand mehr Tiere bringt, die man problemlos weitervermitteln kann, bleiben uns nur die Problemfälle, die wir zum Beispiel aus behördlichen Sicherstellungen bekommen.“ Für die ist im Franziskustierheim natürlich auch immer Platz.

Aber aggressive, ängstliche oder schwer kranke Tiere werden kaum adoptiert, oftmals ist das auch gar nicht möglich. Doch wenn das Heim nur mit solchen Problemtieren besetzt ist, gibt es für Besucher kaum noch einen Anlass, herzukommen. Die Vermittlung aller Tiere würde darunter leiden. Es braucht also eine gute Mischung aus unproblematischen und schwierigen Fällen.

Keine Verurteilung, aber Ehrlichkeit bitte

Niemand muss Angst haben, wenn er dem Franziskustierheim seinen Vierbeiner bringt. „Wir verurteilen dafür niemanden, im Gegenteil“, sagt Weber. „Allerdings wäre es wichtig, dass wir möglichst viel über die Herkunft und Geschichte des Tiers erfahren.“

Bei allem Verständnis wird er deshalb verärgert, wenn man ihn hinters Licht führen will. Als etwa einmal eine zierliche, ältere Dame mit einem ungestümen Husky zu ihm kam und sagte, das sei ihr Hund, den sie abgeben wolle. Huskys sind eine ungemein aktive Hunderasse, und ein Blick auf das Tier genügte, um Frank Weber klar zu machen: „Das ist nie im Leben Ihr Hund!“

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Daraufhin gestand die Dame, dass er ihrer erwachsenen Tochter gehöre, die draußen im Auto wartete und sich nicht selbst reingetraut hatte. Menschlich nachvollziehbar, aber für das Tierheim mehr als ungünstig, da es zur Weitervermittlung natürlich so viele ehrliche Infos wie möglich braucht.

Bitte des Tierheimchefs an die Menschen

Und so bittet Frank Weber: „Wenn jemand sein Tier nicht behalten kann, aus welchen Gründen auch immer, dann soll er es bitte ins Tierheim bringen. Das ist kein schlimmer Ort, und wir geben uns größte Mühe, das perfekte Zuhause für jedes Tier zu finden. Tiere im Internet weiterzuverscherbeln, das ist einfach asozial!“