„Maybrit Illner“ (ZDF): Corona-Zoff! Rostocker OB kontert Karl Lauterbach – „Sind kein Land der Schließer und Henker“

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) warnte in der Pandemie vor Experimenten.
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) warnte in der Pandemie vor Experimenten.
Foto: ZDF

Corona-Zoff bei „Maybrit Illner“!

Nach der Rücknahme der Osterruhe und der Entschuldigung der Kanzlerin Angela Merkel ist die Unzufriedenheit im Land fast greifbar geworden. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte bei „Maybrit Illner“ (ZDF) Kritik. Denn mit den Corona-Mutanten stehe man vor einer völlig neuen Herausforderung, die andere Methoden brauchen würde.

Doch da macht der Oberbürgermeister von Rostock nicht mit – und kontert Karl Lauterbach!

„Maybrit Illner“: Lauterbach mit düsterer Prognose für 40 bis 70-Jährige

Lauterbach entschuldigte sich zunächst für die Corona-Beschlüsse. Es hätte ihm „leidgetan“, dass man „nicht zu besseren Beschlüssen gekommen“ sei. Wenn man bei den Mutationen noch eine Chance gegen das Virus haben wolle, gehe an einer Ausgangssperre kein Weg vorbei. Dies wäre sicher eine sehr „unbequeme Arznei“ gewesen, am Ende aber zumindest ein Erfolg.

Der SPD-Politiker warnte davor, dass in den nächsten Wochen vor allem Menschen in den mittleren Lebensphasen schwer erkranken und versterben würden. In den nächsten Monaten träfe das vor allem die Altersgruppen zwischen 40 und 70 Jahren, die „überhaupt nicht damit rechnen jetzt zu sterben oder chronisch krank zu werden, aber das wird passieren.“ Neben Ausgangssperren müssten zudem die Arbeitgeber zu Testungen verpflichtet werden: „Wir können nicht ständig die Betriebe schonen.“

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Die Gäste bei „Maybrit Illner“:

  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
  • Düzen Tekkal, Journalistin
  • Claus Ruhe Madsen (parteilos), Oberbürgermeister von Rostock
  • Margot Käßmann, Theologin
  • Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin
  • Smudo, Musiker und Rapper „Die Fantastischen Vier“

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Noch am Mittwoch hatte sich Karl Lauterbach bei „Markus Lanz“ mit Autor Heribert Prantl mächtig in die Wolle bekommen. Bei „Maybrit Illner“ übernahm den Gegenpart zu Lanz der parteilose Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen. Auch wenn beide wesentlich respektvoller miteinander umgingen und der Austausch deutlich stärker auf Inhalte fokussiert war als das am Mittwoch der Fall war. Rostock hat als Modellstadt bereits Geschäfte geöffnet, sogar einige Zuschauer zu Fußballspielen zugelassen.

„Brauchen hier nicht wie bei Jugend-Forscht auszuprobieren“

Madsen warb dafür: „Halten Sie eine Kerze hoch und geben sie den Leuten Hoffnung. Pusten Sie nicht die Kerze aus. Und in dieser Woche ist mir die Kerze ausgepustet worden.“

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Lauterbach kommt die Diskussion um mögliche Modellregionen jedoch wesentlich zu früh. „Wir brauchen hier nicht wie bei Jugend forscht auszuprobieren.“ Die Idee, allein durch viel Testen die dritte Welle beherrschen zu können, „das geht natürlich nicht“. An einem Lockdown führe kein Weg vorbei.

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Auch der Zeitpunkt, über Modellprojekte zu sprechen, sei unpassend. Er erwarte in den kommenden Wochen Fallzahlen von bis zu 50.000 Neuinfektionen am Tag. „Es trifft sehr viele Kinder, es trifft sehr viele jüngere Leute“, rund zehn Prozent von ihnen hätten im Anschluss mit Langzeitfolgen zu kämpfen. „Daher wird die Welle hart sein“, mahne Lauterbach.

Kinder könnten unter Corona-Langzeitfolgen leiden

Man dürfe sich „auf keinen Fall“ der „Illusion hingeben“, dass die Mutation genauso zu bekämpfen sei, wie das Coronavirus aus dem vergangenen Jahr: „Kinder werden sehr viel härter rangenommen, auch die mittleren Altersgruppen.“

Lockerungen und Modellprojekte kämen zu früh, erst einmal müsse man die aktuelle Situation unter Kontrolle bekommen: „Wenn ich das Signal jetzt gebe, wir machen überall Modelle und Lockern, dann kriege ich die Leute nicht zu der Vorsicht, die jetzt dringend notwendig ist“ Der Epidemiologie warnte vor einem „sehr schweren letzten Gefecht“, machte aber auch Hoffnung: „Aber dann sind wir auch durch.“

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„Das Land der Schließer und Henker“

„Menschen sind wie Wasser, sie suchen sich ihren Weg“, war Madsen überzeugt, als es um Schlupflöcher im Lockdown ging. Wenn die Zoos oder Kinos geschlossen seien, würden die Menschen sich halt zu ihren Nachbarn setzen. Ihm sei es „zu einseitig zu sagen: Die Antwort ist ein Lockdown“. „Wir sind doch Land der Denker und Lenker und jetzt auf einmal der Schließer und Henker“, so Madsen weiter.

„Ich stimme zu, dass wir Menschen zu wenig zutrauen, komme aber zu einem umgekehrten Schluss“, entgegnete Lauterbach. Die Menschen seien „nicht so dumm“, zu Hause zu feiern, wenn die Restaurants dicht sind: „Die Leute verstehen, aber sie wollen auch Sicherheit, dass es dann auch wirkt.“ Auch wenn es viel Kritik an den Maßnahmen – auch von ihm selbst – gebe, so hätten Modellrechnungen gezeigt, dass die Entbehrungen der letzten Monate nicht umsonst gewesen seien.

Lauterbach wirft Mallorca Zahlen-Trickserei vor

Europaweit hätten die Lockdowns „Millionen Menschen das Leben gerettet“, allein in Deutschland seien es den Modellierungen zufolge rund 500.000 gewesen. Einig sind sich Madsen und Lauterbach aber beim Thema Mallorca.

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„Das ist nicht nachvollziehbar“, sagte Madsen sichtlich verärgert. Und Lauterbach setzte sogar einen drauf: Er glaubte, dass die Zahlen aus Mallorca gefälscht seien, um Tourismus zu ermöglichen. Mallorca habe bestritten, dass die brasilianische Mutation P1 auf der Insel aufgetreten sei. „Um das klar zu machen: Ich glaube das übrigens nicht. Ich glaube, dass es dort P1 gibt.“

„Das heißt, da wird auch noch getrickst“, sagte Lauterbach wütend und ergänzte: „Das kann ich niemandem erklären, dass in Mallorca möglicherweise gefeiert wird, mit einer möglicherweise nicht zutreffenden Inzidenz und hier können die Leute nicht weg.“

Die gesamte Folge „Maybrit Illner“ kannst du hier in der ZDF-Mediathek anschauen.