Maischberger (ARD): Virologe Streeck behauptet, Deutschland hatte bereits 60.000 Neuinfektionen täglich

Löst Empörung mit einem Satz in der ARD-Sendung Maischberger aus: Virologe Hendrik Streeck.
Löst Empörung mit einem Satz in der ARD-Sendung Maischberger aus: Virologe Hendrik Streeck.
Foto: ARD-Mediathek

Mittlerweile gibt es zwei Virologen-Lager in der Bevölkerung: Team Drosten und Team Streeck. Während Christian Drosten zur ständigen Vorsicht mahnt, ordnet Hendrik Streeck die Gefährlichkeit des Coronavirus anders ein. Nun war Streeck in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger zu Gast.

Im Gespräch mit Sandra Maischberger setzte sich Streeck gegen den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zur Wehr. Der saß daheim vorm Fernseher und twitterte seinerseits gegen Streeck.

Maischberger (ARD): Corona-Experte Hendrik Streeck teilt gegen Söder und Lauterbach aus

Zunächst teilte Streeck in der Sendung „Maischberger. Die Woche“ gegen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder aus. Dessen Warnung, es sei nun „5 vor 12" in der Corona-Krise in Deutschland, hält er für kontraproduktiv: „Diese Vergleiche, die bringen nicht viel, sie machen eher ein wenig Angst.“

+++ Zeitgleich zu Maischberger lief auch Markus Lanz: Dort verlor Friedrich Merz kurz die Fassung +++

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Mehr über Virologe Hendrik Streeck:

  • Der 43-jährige ist Professor für Virologie und Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn.
  • Streeck wuchs in Göttingen auf. Seine Eltern sind Psychiater.
  • Sein Forschungsschwerpunkt ist die HIV-Forschung.
  • Im Jahr 2009 erhielt er den Forschungspreis der Deutschen AIDS-Gesellschaft.
  • Der Mediziner lebt mit seinem Ehemann in Bonn.

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Maischberger (ARD): Hatte Deutschland im Frühjahr bereits bis zu 60.000 Coronavirus-Infektionen täglich?

Jedoch sieht auch Streeck die Situation als ernst an. Man werde in Deutschland einen starken Anstieg der Infektionszahlen bekommen, 20.000 Neuinfektionen am Tag seien realistisch. Was für Angela Merkel aber ein Schreckensszenario ist, macht Streeck zunächst keine große Sorge. Der Virologe sagt, dass wir in Deutschland im Frühjahr möglicherweise schon bis zu 60.000 Neuinfektionen täglich gehabt haben – unbemerkt, weil weitaus weniger getestet werden konnte.

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Mehr über Maischberger-Sendungen:

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Maischberger (ARD): Streeck gegen Lauterbach im Fernduell

Als Maischberger Sätze des Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach einspielt, der bei 20.000 Neuinfektionen dann auch mit rund 200 Toten jeden Tag rechnet, weil Studien eine durchschnittliche Sterberate von einem Prozent ergeben hätten, setzt Streeck zur Gegenattacke an: „Da ist ganz viel falsch dran!“

+++ Corona: 6638 Neuinfektionen – so viele neue Fälle gab es noch NIE! +++

Streeck hält die Zahlen von Lauterbach als zu hoch gegriffen. Seine Heinsberg-Studie habe Sterblichkeitsrate von 0,37 Prozent im Verhältnis aller Infektionen ergeben. „Es ist nicht das Killervirus“, von dem man zunächst ausgegangen sei, so Streeck. Das klingt zunächst beruhigend, was Streeck allerdings nicht vorrechnet: Bei beispielsweise 10 Millionen Infizierten im Herbst und Winter würde das annähernd 40.000 Tote bedeuten. Zusätzlich zu den fast 10.000 Corona-Toten, die es in Deutschland schon gibt. Hinzu kommen Zehntausende mit Spätfolgen.

Lauterbach selbst hat sich die Sendung daheim angeschaut und verteidigt seine Zahlen. Er sei da mit Christian Drosten auf einer Linie und die Schätzung von einem Prozent entspreche unter anderem einer Studie der Havard Universität.

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Virologe Streck bei Maischberger (ARD): „Ich finde es müßig über Todesfälle zu reden“

Streeck hat eine andere Sichtweise. Es gelte nun, Schäden aller Art einzudämmen: „Schäden sind nicht nur Corona-Tote, Schäden sind auch verschobene Operationen, Schäden entstehen auch durch verlorene Existenzen. Da gibt es eine ganze Facette an Schäden, die entstehen können.“

Dann fällt ein Satz, der bei vielen Zuschauern für Empörung sorgt. Streeck sagt, er „finde es müßig über Todesfälle zu reden“. Müßig – laut Duden gleichbedeutend mit nicht sinnvoll, überflüssig, zwecklos, unnütz. Damit tut sich der Professor keinen Gefallen.

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Virologe Streeck hält Debatte über Corona-Tote für „müßig“ – empörte Reaktionen auf Twitter:

  • „Ich glaube, diesmal hat es Streeck überzogen. Wenn man als Arzt es müßig findet, über Todesfälle zu reden und Todesfälle gegen 'verlorene Existenzen' aufrechnet, dann hat man in seriösen Medien nichts verloren.“
  • „Er sagt ernsthaft, dass es nicht auf Tote ankommt, sondern Schäden insgesamt (ökonomisch). Vielleicht, aber nur vielleicht, gibt es ja da einen Zusammenhang. Viele Tote = Schlechte Wirtschaft.“
  • „Bei so viel Unmenschlichkeit fehlen mir langsam echt die Worte. (...) Die Würde des Menschen ist unantastbar und jedes Menschenleben ist wichtig! Schämen Sie sich, Herr Streeck!“
  • „Wie wenig Respekt vor dem Leben anderer kann man eigentlich haben?“
  • „Herr Streeck, Sie richten durch Ihre Profilierungssucht Schaden an“
  • „Dieser Mann ist Mediziner! Ich fasse es nicht. Wie redet er über Menschen?“

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Maischberger (ARD): Hendrik Streeck stellt seine Corona-Ampel vor

Zum Abschluss stellt Streeck bei Maischberger erneut sein Konzept für ein Corona-Ampelsystem vor. Dieses besteht nicht allein aus den täglichen Infektionszahlen, sondern berücksichtigt ebenso die Anzahl der Tests und die stationäre und intensivmedizinische Belegung vor Ort, also die Kapazität der freien Betten.

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Aus seiner Sicht sollte man sich weitaus mehr darauf konzentrieren, Risikogruppen in Alters- und Pflegeheimen zu schützen. 150 junge infizierte Raver würden ihn keine Sorgen machen, dafür aber ein großer Ausbruch in einem Heim. Was Streeck aber nicht erwähnt: Millionen Menschen über 60, 70 und 80 Jahre leben nicht in Heimen, sondern daheim und bekommen Besuch von ihren Enkeln und Kindern, die sich möglicherweise zuvor auf einer Party angesteckt haben.