„Markus Lanz“ (ZDF): Moderator nicht zu bremsen – SIE werden komplett vorgeführt

Das ist Markus Lanz

Das ist Markus Lanz

Beschreibung anzeigen

Nachdem am Dienstag bereits Armin Laschen bei „Markus Lanz“ ordentlich gegrillt wurde, geriet am Mittwoch der nächste CDU-Politiker in die Kneifzange: Für Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble wurde es äußerst ungemütlich.

Doch er war nicht die einzige Person aus dem Polit-Geschäft, für die es bei „Markus Lanz“ unangenehm würde. Auch die Linken-Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow wurde von Lanz regelrecht vorgeführt.

„Markus Lanz“ provoziert Wolfgang Schäuble – „Jetzt übertreiben sie“

Nach den deutlichen Worten der Kanzlerin bei „Anne Will“ an den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet schlug der am Dienstagabend bei „Markus Lanz“ zurück. Neben dem innerparteilichen Streit belasten auch die Masken-Affäre und die ungeklärte Kanzlerfrage die Union. Doch Wolfgang Schäuble gab sich trotz dieser Probleme gelassen. Zu gelassen für Moderator Markus Lanz.

Schäuble argumentiere „fast schon an der Grenze der Langeweile“, warf ihm Lanz vor. Er kaufte ihm diese Gelassenheit jedoch nicht ab: „So wie ich sie erlebe würde ich sagen: Die Lage ist ernst.“ Schäuble wollte das nicht auf sich sitzen lassen. „Mit allem Respekt, jetzt übertreiben sie es aber schon ein bisschen, Herr Lenz“, schleuderte er ihm entgegen. Der Tenor für das Gespräch der beiden war gesetzt.

-------------------------

Die Gäste bei „Markus Lanz“:

  • Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages (CDU)
  • Cerstin Gammelin, „Süddeutsche Zeitung“-Redakteurin
  • Susanne Hennig-Wellsow, Co-Vorsitzende der Linkspartei
  • Stephan Grünewald, Psychologe

-------------------------

Er sprach über den Wahlkampf, der nun einmal eine besondere Situation sei, die es so noch nicht gegebene habe. Der zukünftige Kandidat müsse neben der Kanzlerin agieren, brauche aber auch eigenes Profil. Das sorge für Spannungen. Laschet und Merkel müssten nun eine „Balance schaffen“. „Die Kanzlerin muss in ihrer Autorität uneingeschränkt wirken können“ und andererseits müsse Laschet zeigen, dass „er der Mann ist, den die CDU gewählt hat“. Das sei „keine einfache Lage“.

Schäuble im Laschet-Lager? Antworten lassen tief blicken

Von einer Balance wollte Lanz bislang aber wenig gemerkt haben. „Auf offenerer Bühne kann man das nicht austragen“, sagte er mit Blick auf die beiden TV-Auftritte von Merkel und Laschet. Schäuble versuchte zu relativieren, es gebe vielleicht Differenzen in Corona-Fragen, es sei aber „kein fundamentaler Streit“ zwischen beiden.

+++ Boris Palmer knöpft sich Lauterbach vor – wegen düsterer Tübingen-Prognose +++

Lanz unterbrach Schäuble erneut: „Entschuldigung, sie versuchen wieder betont gelassen zu wirken.“ Schäuble versicherte, er sei bei den Personalfragen innerhalb der CDU „wirklich gelassen“, „Herr Lanz, es tut mir leid für sie“.

Lanz lockte Schäuble weiter aus der Reserve. Man habe dem bisherigen Auftritt von Schäuble entnommen, „dass sie eigentlich auf der Seite von Armin Laschet sind“. Direkt fragt er den Bundestagspräsidenten: „Wer ist denn eigentlich wichtiger aktuell in der Partei. Der Vorsitzende oder die Kanzlerin?“ Der überrascht mit einer deutlichen Antwort.

Überraschende Erklärungen für langsamen Impf-Start

„In der Partei ist der Vorsitzende derjenige, der gewählt worden ist“, so die eindeutige Positionierung für Laschet. Fast schon in einem Halbsatz fügt er am Ende seiner Ausführungen noch hinzu: „Für das Land ist die Kanzlerin die entscheidende Figur.“ Auf die Frage, ob er den Corona-Kurs von Laschet auch besser finde als den der Kanzlerin, weicht Schäuble allerdings aus: „Das habe ich ja nicht gesagt.“ Angesichts seines bisherigen Auftritts dürften daran allerdings kaum Zweifel bestehen.

Kurios wird es dann noch einmal, als Schäuble den langsamen Impf-Start verteidigt. Er berichtet von einer Begegnung bei seinem Hausarzt, wo ihm von jemanden aus den USA erzählt wurde, dass dort lediglich die Frage gestellt werde, ob man geimpft werden wolle und man danach umgehend die Impfung erhalte. In Deutschland wolle man hingegen mehr aufklären und die Menschen für das Konzept gewinnen. Man sei da ein bisschen „anspruchsvoller“ – auch Lanz kann da nur ein fast entgeistertes „Und wir haben keinen Impfstoff“ einwerfen.

Schäuble wirft Lanz am Ende des Gesprächs sogar vor, „wenn Sie so provozieren“ und „die Dinge zusammenziehen, die nicht so zusammenpassen“, sei es verständlich, dass es zu einem Streit in seiner Sendung komme.

Lanz führt Linken-Chefin vor

Schäuble blieb an diesem Abend nicht der einzige Politiker, den Lanz ziemlich aufs Glatteis führte. Für Linken-Co-Chefin Susanne Hennig-Wellsow wurde es dabei sogar noch unangenehmer als für Schäuble. Lanz nagelte Hennig-Wellsow bei den Themen Steuerreform, Nato-Austritten und Bundeswehreinsätzen so auf ihre Worte fest, dass der Linken-Chefin fast schwindelig wurde. Mehrfach wirkte sie überfordert, fast konzeptlos.

+++ Markus Söder: Es klingt wie eine waghalsige Mutprobe, wenn er für AstraZeneca wirbt +++

Das erste Mal stolperte sie bei der Frage, was man im Falle einer Vermögensabgabe alles als Vermögen anrechnen könne. „All das, was man an Vermögen anrechnen kann“, entgegnete Hennig-Wellsow. Als Lanz das Beispiel brachte, dass bei Immobilien ja auch der Wert enorm gestiegen sei und jemand, der vor 50 Jahren für 250.000 Euro ein Haus in München gekauft habe, nun vielleicht auch ein Vermögen von mehr als einer Millionen Euro besitze, wenn man Immobilien anrechne, rudert die Linken-Chefin plötzlich zurück, spricht von „Bestandsschutz“.

Lanz ist überrascht: „Sie haben eben gesagt, Vermögen ist alles.“ Fast schon patzig entgegnet Hennig-Wellsow: „Ich weiß was ich gesagt hab.“ Sie habe gesagt: „Es kann alles sein“. Das sei eine „Verhandlungsgeschichte“ und müsse im Einzelfass geprüft werden. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sie sich darauf beruft, dass etwas erst noch verhandelt werden müsse.

Bei der Erbschaftssteuer folgte der nächste Aussetzer. Lanz will wissen, wie hoch die ausfallen würde, wäre Hennig-Wellsow Finanzministerin. „Das habe ich jetzt nicht einzeln im Kopf“, entgegnet sie, worauf Lanz nur verblüfft entgegnen kann: „Das ist doch ein wichtiger zentraler Baustein.“ Ähnlich unsicher wirkt sie beim Thema Vermögensabgabe. Ab einem Vermögen von zwei Millionen Euro soll sie gelten und bei zehn Prozent liegen. Einmalig müssten demnach 200.000 Euro als Abgabe gezahlt werden. Der Prozentsatz steigt dann mit höherem Vermögen weiter an, bis auf 30 Prozent.

Lanz rechnet mit Linken-Forderung ab: „Das ist etwas, was ich nicht gut finde“

„Bei welchem Vermögen ist das der Fall“, fragt Lanz. „Nicht, dass ich ihr Programm besser kenne als Sie“, scherzt Lanz noch kurz vorher – und man möchte an diesem Abend nicht darauf wetten, dass es nicht vielleicht wirklich so ist. „Ich glaub, ich habe im Kopf 10 Millionen“, so die Linken-Chefin. Drei Millionen müssten als Abgabe dann gezahlt werden. Laschet will wissen, woher man auf einen Schlag drei Millionen nehmen solle, ob man auch ein Haus verkaufen müsse, um zu zahlen. Hennig-Wellsow verweist darauf, dass man sich auch hier den Einzelfall anschauen müsse.

„Wissen Sie, was mich daran stört, und das ist übrigens auch das Thema, mit dem Thema Reiche. Dieser Ton, dieses kriminalisieren von Leuten, die Geld haben. Das ist etwas, was ich nicht gut finde. Weil die, um die es wirklich geht, die sich wirklich vor den Steuern drücken, die sitzen in der Schweiz oder in der Karibik.“ Am Ende habe die gehobene Mittelschicht „den Karren zu ziehen“, wirft Lanz der Politikerin vor. Zum Antworten bleibt ihr keine Zeit, denn Lanz rattert bereits den nächsten Themenbereich ab: Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Hennig-Wellsow wirkt gleich mehrfach planlos

Zuerst spricht Hennig-Wellsow sich klar gegen Auslandseinsätze aus, betont wenig später jedoch, man dürfe vor allem die Einheimischen vor Ort, beispielsweise in Afghanistan, die für die Bundeswehr gearbeitet und sich damit auch selbst in Gefahr gebracht hatten, nicht im Stich lassen.

-------------------------

Mehr News zu „Markus Lanz“

Markus Lanz (ZDF): „Doc Caro“ aus Essen hält Armin Laschet Standpauke – CDU-Chef im Kreuzfeuer

„Markus Lanz“ (ZDF): Philosoph Precht knöpft sich Querdenker vor – und hat kuriosen Vorschlag für Rentner

„Markus Lanz“ (ZDF): Bei IHNEN kracht es schon wieder – Lauterbach stinksauer: „Lassen Sie das einfach“

-------------------------

„Das widerspricht exakt dem, was sie gerade gesagt haben“, sagt Lanz ungläubig. „Nein, habe ich nicht“, entgegnet die Politikerin fast schon entnervt. Es gehe ihr lediglich darum, die Truppen „nicht auf einen Schlag von jetzt auf gleich“ abzuziehen. Auch beim Thema NATO-Austritt wirkt sie von der eigenen Parteilinie fast wenig überzeugt. So forderte ihre Co-Chefin Janine Wissler einen schnellen Austritt Deutschlands aus dem Bündnis. Hennig-Wellsow schlägt da deutlich ruhigere Töne an. Auch hier brauche es Verhandlungen, sie wisse nicht, „ob es ein guter Weg wäre“, wenn Deutschland einfach aus der Nato austrete.

Man muss Moderator Markus Lanz in dieser Woche eine gute Form attestieren: Nachdem er zunächst Laschet aufs Glatteis führte, legte er am Mittwoch noch einmal richtig nach. Für den Donnerstagabend müssen sich seine Gäste – vor allem wohl Michael Kretschmer (CDU) und Wolfgang Kubicki (FDP) – schon einmal warm anziehen.

Die gesamte Folge „Markus Lanz“ siehst du hier in der ZDF-Mediathek.