„Markus Lanz“ (ZDF): Philosoph Precht knöpft sich Querdenker vor – und hat kuriosen Vorschlag für Rentner

Das ist Markus Lanz

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Die Bilder der Querdenker-Demo aus Kassel haben in Deutschland für viel Wirbel gesorgt. Bis zu 20.000 Menschen protestierten ohne Maske und Abstand gegen eine angebliche Corona-Diktatur. Bei „Markus Lanz“ (ZDF) hat der Philosoph Richard David Precht versucht, das erschreckende Phänomen der Querdenker zu entschlüsseln.

Mit deutlichen Worten rechnete er mit der Bewegung bei „Markus Lanz“ ab. Und präsentierte während auch einen kuriosen Vorschlag für Rentner.

„Markus Lanz“: Kritik an Modellregion Saarland

Bevor es um die Querdenker ging, sprachen die Gäste bei „Markus Lanz“ jedoch zunächst über die Corona-Politik und das Chaos nach der vergangenen Ministerpräsidentenkonferenz. Dabei verteidigte Precht sogar die Politik. In der Corona-Pandemie könne man schließlich nur auf Sicht fahren, eine langfristige Strategie sei mitunter „eine Woche später nichts mehr Wert“. „Wir irren vorwärts“, sagte Precht, der glaubt, dass ein unsouveräner Eindruck sich dabei schlicht nicht vermeiden ließe.

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Die Gäste bei „Markus Lanz“

  • Politiker Andreas Bovenschulte
  • Journalistin Eva Quadbeck
  • Philosoph Richard David Precht
  • Pharmazeut Prof. Thorsten Lehr
  • Soziologe Gerald Knaus

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Mitten im Zuge des Corona-Chaos und der Entschuldigung der Kanzlerin hatte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) überraschend angekündigt, das Saarland zur Testregion erklären zu wollen. Das führt vor allem bei Pharmazeut Thorsten Lehr zu Kritik. Er hätte sich eine deutlich kleinere Modellregion gewünscht.

Auch wenn er zum Expertenteam gehört, dass den Ministerpräsidenten berate, sei er „in dieser Sache nicht gefragt worden“. Er hat auch einen Verdacht, warum: „Ich glaube er [Hans, Anm. d. Red.] hätte gewusst, welche Antwort er von uns bekommen hätte.“ Mit Sorge blicke er bundesweit nun auf die Ostertage. Schon die Weihnachtstage und Neujahr hätten gezeigt, dass nach den privaten Treffen die Zahlen anstiegen. Auch Journalistin Eva Quadbeck nannte den Vorstoß des Saarlands ein „riskantes Manöver“.

Precht: Querdenker nur „lautstarke Minderheit“

Dann schlug die große Stunde des Richard David Precht bei „Markus Lanz“. Fast ungestört konnte er einen Monolog über die Beziehung zwischen Staat und Bürger halten, selbst Moderator Markus Lanz war dabei überraschend schweigsam. Prechts erste These: Die Vertrauenskrise in den Staat liege vor allem an der schlechten Impfkampagne. Dort agiere man zum Teil wie ein „Drittwelt-Land“.

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Als Lanz wissen will, ob sich Prechts Aussage („Das Vertrauen in den liberaldemokratischen Staat ist gestiegen“) in dessen Buch auch mit Blick auf die Querdenker halten lasse, knöpfte sich der Philosoph die Gruppe direkt einmal vor. Es sei eine „relativ kleine, aber sehr lautstarke Minderheit“ aus Linken, Rechten, Esoterikern und „notorischen Kindsköpfen“.

Wenn der Staat in der Pandemie nichts tue, würde das Grundrecht auf Leben gefährdet. Deswegen müsse der Staat andere Grundrechte einschränken, um das Leben zu schützen. „Das ist ein Gedankengang, den macht ein Teil dieser Leute schonmal gar nicht mit, das ist klar“, so Precht mit Blick auf die Querdenker.

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Er könne nicht verstehen, wieso einige zu der Überzeugung gekommen seien, die Politik würde mit Freude einschränken: „Dass Frau Merkel Spaß daran hat irgendwas zu verbieten, die Ministerpräsidenten Spaß daran haben, das ist eine völlig abwegige Vorstellung.“ Er will dabei ein strukturelles Problem erkannt haben.

Precht will Soziales Jahr für Rentner

„Es gibt Menschen, die haben die eigenartige Vorstellung, der Staat ist dafür da, ihnen Rechte zu garantieren, ihnen aber dafür nichts abzuverlangen“, meinte der 56-Jährige. Sie säßen dem Irrglauben auf, dass man vom Staat nur Leistungen erwarte: „Sie benehmen sich nicht wie Staatsbürgern, sondern wie Kunden“ und würden ihm gegenüber die gleiche Haltung einnehmen, wie dem Handyanbieter. Nach seinem Exkurs geht es dann aber wieder zurück zu den Querdenker-Demonstrationen.

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„Coronaleugner arbeiten ganz selten auf Intensivstationen. Menschen, die sich sehr für andere einsetzen, finden sich ganz selten auf Querdenker-Demos. Je mehr man fürs Gemeinwohl tut, je mehr man sich einbringt“ desto weniger sei man für solche Ideen offen. Deswegen warb Precht auch für die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres. Und das nicht nur nach der Schulzeit – sondern auch beim Eintritt ins Rentenalter. Das könnte sinnstiftend wirken.

Erschreckende Einblicke in „Kaviar-Diplomatie“

In den letzten 20 Minuten bei „Markus Lanz“ wird dann noch einmal das Thema gewechselt. Es geht um hohe Bestechungsgelder, die von Aserbaidschan an Mitglieder des Europäischen Parlaments gezahlt wurden. Gerald Knaus und sein Team hatten diese sogenannte „Kaviar-Diplomatie“ aufgedeckt.

Seine Schilderungen sind erschreckend. Systematisch seien neue Abgeordnete nach Aserbaidschan eingeladen worden, hätten vor Ort Geschenke und später Geldtransfers erhalten: „Dass das so leicht ging, das hat meine Kollegen und mich 2012 sehr geschockt.“

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An den Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Luca Volonte, seien über Firmen rund 2,4 Millionen Euro geflossen. Im Gegenzug habe man bei Abstimmungen Aserbaidschan verteidigt oder als privater Wahlbeobachter ein gutes Zeugnis ausgestellt. „Zu sehen, wie leicht diese Institutionen unterwandert werden können, hat uns und meine Kollegen schockiert“, so die bittere Analyse von Knaus.