Kinderbonus komplett ungerecht? Ausgerechnet bei IHNEN sorgt das Kindergeld-Extra für „Wut und Unverständnis“

Kinderbonus: Nicht alle Eltern erhalten das Kindergeld-Extra. (Symbolbild)
Kinderbonus: Nicht alle Eltern erhalten das Kindergeld-Extra. (Symbolbild)
Foto: imago images / photothek

Um die Doppel-Belastung von Eltern in der Corona-Krise zu würdigen, hat die Regierung den Kinderbonus beschlossen. 300 Euro Kindergeld-Extra pro Kind sollen Familien im Herbst 2020 erhalten.

Doch ist der Kinderbonus eine Mogelpackung? Fest steht: Nicht alle Eltern werden das Kindergeld-Extra behalten dürfen. Und ausgerechnet bei einer ohnehin strukturell benachteiligten Gruppe kommt der Corona-Zuschlag nur teilweise an.

Kinderbonus: NRW-Verband warnt – Kindergeld-Extra sorgt für „Wut“

Die Rede ist von Alleinerziehenden. Die derzeitige Regelung sorgt bei ihnen nach Angaben des Verbands allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) in NRW für „Wut und Unverständnis“.

+++ Kindergeld extra wegen Corona: DIESE Familien bekommen jetzt einen Bonus +++

Der Grund: Zahlt ein Elternteil Unterhalt an das alleinerziehende andere Elternteil, könne der Kinderbonus anteilig abgezogen werden. Denn das Kindergeld-Extra werde nach derzeitiger Gesetzeslage an beide Eltern ausgezahlt, selbst wenn nur ein Elternteil die Kinderbetreuung leistet.

Miriam Hoheisel mahnt jedoch, dass der Kinderbonus dort gebraucht werde, wo das Kind seinen Lebensmittelpunkt habe. Schließlich würden hier die Kosten für das Kind entstehen, etwa weil das Mittagessen in Schule oder Kita wochenlang weggefallen sei, so die Geschäftsführerin des VAMV Bundesverbandes.

Jugendämter durch Kinderbonus extrem überlastet?

Außerdem sei der bürokratische Aufwand der derzeitigen Kinderbonus-Regelung für Jugendämter unverhältnismäßig. Die müssten kontrollieren, ob bei strittigen Unterhalts-Konstellationen die Zahlungen korrekt sind. „Das betrifft circa 600.000 Kinder bundesweit“, warnt Nicola Stroop, NRW-Vorstand des VAMV.

Es drohe ein unverhältnismäßiger bürokratischer Aufwand: „Zahlungseingänge müssen kontrolliert, Pfändungsbeschlüsse geändert und Ansprüche neu berechnet werden. Teilweise entstehen Ansprüche auf Unterhaltsvorschuss – und das alles für nur zwei Monate“, so Stroop.

Der Verband fordert jetzt eine Ausnahmeregelung, damit das Kindergeld-Extra nicht den Unterhaltsanspruch Alleinerziehender berührt.

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Welche Familien den Kinderbonus behalten dürfen – und welche nicht

Kritik am Kinderbonus gibt es auch von der Opposition. Die FDP bezeichnete den Corona-Zuschlag für Eltern unlängst als „Mogelpackung“. Denn Eltern mit höheren Einkommen soll das Geld bei der Steuerabrechnung wieder abgezogen werden.

„Dies betrifft besonders Eltern, die beide Vollzeit arbeiten gehen. Wir finden, das ist ungerecht und eine Irreführung der Eltern“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag, Christian Dürr.

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Das ist der Kinderbonus:

  • Sonderzahlung für Familien nach Corona-Krise
  • 300 Euro pro Kind als zusätzliches Kindergeld 2020
  • Auszahlung für rund 18 Millionen Kinder

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Die Regierung verteidigt den Plan, weil gezielt Familien mit kleinen und mittleren Einkommen unterstützt werden sollen. Verheiratete Eltern mit einem Kind etwa können den gesamten Kinderbonus nur dann erhalten, wenn ihr Jahreseinkommen 67.800 Euro nicht übersteigt. Ab einem Einkommen von 85.900 Euro haben Eltern dann gar nichts mehr davon. (mit dpa)