Tönnies: Nach Corona- und Hygiene-Skandal – ausgerechnet dieser Politiker stand als Berater auf der Gehaltsliste

Tönnies: Ein Spitzenpolitiker soll vor kurzem noch für den Schlachtbetrieb gearbeitet haben.
Tönnies: Ein Spitzenpolitiker soll vor kurzem noch für den Schlachtbetrieb gearbeitet haben.
Foto: imago images / Noah Wedel; imago images / Klaus W. Schmidt (Montage: DER WESTEN)

Nach einem heftigen Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies Rheda-Wiedenbrück (NRW) steht das Unternehmen heftig in der Kritik.

Von mehreren Hundert Infizierten im Betrieb war die Rede, in den Kreisen Gütersloh und Warendorf wurden Quarantäne-Zonen eingerichtet. Auch die Unterbringung der ausländischen Arbeitskräfte und deren Werksverträge sorgten zuletzt für reichlich Diskussionen. Und jetzt schlägt bereits die nächste Information hohe Wollen: Ein deutscher Spitzenpolitiker stand noch vor wenigen Wochen auf der Gehaltsliste von Tönnies!

Tönnies: Arbeitete Sigmar Gabriel (SPD) für den Skandal-Schlachtbetrieb?

Wie das ARD-Magazin „Panorama“ am Donnerstag berichtete, geht es um niemand geringeren als den ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel (60). Der frühere Bundeswirtschaftsminister sei seit März 2020 bis mindestens Ende Mai 2020 als Berater für den Konzern tätig gewesen. Die Tätigkeit soll auf zwei Jahre angelegt gewesen sein. Gabriels pauschales Monatsgehalt: mutmaßlich rund 10.000 Euro im Monat.

Auf „Panorama“-Anfrage habe Gabriel mitgeteilt dass seine privatwirtschaftlichen Tätigkeiten keiner Veröffentlichungspflicht unterlägen. Er habe bei Auskünften an Medien immer auch Interessen Dritter zu wahren. Trotzdem bestätigte er, dass er ab 1. März 2020 für Tönnies tätig gewesen sei. Er habe das Unternehmen im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest beraten.

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Gabriel erklärte, er habe seine Arbeit mittlerweile beendet: „Diese Tätigkeit musste ich aufgrund einer schwierigen Erkrankung und einer dadurch für mich notwendig gewordenen komplizierten Operation zum 31. Mai 2020 beenden“. Für ihn sei zum damaligen Zeitpunkt nicht klar gewesen, ob und auch wann er seine beruflichen Tätigkeiten wieder aufnehmen könne.

Gabriel sieht Tätigkeit für Tönnies unproblematisch

Weder er noch seine Geschäftspartner sähen die frühere Beratungstätigkeit für die Firma Tönnies als problematisch an, erklärte der ehemalige Minister. Er habe die „Panorama“-Anfrage „aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses im vorliegenden Fall“ beantwortet.

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Das ist die Tönnies Holding

  • Das Familienunternehmen hat den Sitz in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh
  • Es ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine
  • Eigentümer sind Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies

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Den ARD-Journalisten zufolge hatte sich Firmenchef Clemens Tönnies persönlich um die Personalie Gabriel gekümmert. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die „Panorama“ vorliegen, sollte der ehemalige Minister „seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten“. Dabei sei es insbesondere um den chinesischen Markt gegangen.

Gabriel: Ausbeutung in der Fleischindustrie ist eine „Schande“

Anfang 2015 hatte Sigmar Gabriel - damals noch als Bundeswirtschaftsminister - das System der Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie als „Schande für Deutschland“ bezeichnet. Nach der Kritik verpflichteten sich die sechs großen Fleischkonzerne Deutschlands unter Federführung Gabriels, die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten in Deutschland zu verbessern.

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Gabriel ist seit November 2019 nicht mehr Mitglied des Bundestags. Er war von 2013 bis 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie und bis März 2018 Bundesaußenminister. (at, mit afp)