Aida: Experte warnt – Corona wird Kreuzfahrten für immer verändern

Ein Aida-Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen.
Ein Aida-Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen.
Foto: imago images / Chris Emil Janßen

Es war ein holpriger Neustart, den die Kreuzfahrtbranche da nach dem Lockdown hinlegte – aber klar, die Unternehmen wollten mit ihren Schiffen unbedingt wieder ablegen. Die Reederei Hurtigruten, die „Mein Schiff“-Flotte und auch Aida. Doch der Neustart lief durchwachsen. Hurtigruten legte als erste Reederei nach dem Lockdown wieder ab – später gab es Corona-Fälle an Bord und die Reisen wurden wieder gestoppt.

Als zweites fuhr dann Tui Cruises mit „Mein Schiff“ los. Aber auch hier gab es Komplikationen. Vor kurzem gingen Passagiere an Bord und wurden bitter enttäuscht, als sie erst auf dem Schiff erfuhren, dass sie nicht dort hinfahren, wo sie hinfahren wollten. Bei Aida schließlich wurde der Neustart mehrfach verschoben. Fans sind enttäuscht, denn bis zum 30. September dürfen nur wenige Reisen stattfinden. Auch gab es schon positive Corona-Tests beim Personal.

Aida: Es geht um den Ruf der Branche

All diese Unsicherheiten zeigen: Der Neustart der Kreuzfahrtbranche steht aktuell auf ziemlich wackeligen Beinen.

„Die jüngsten Erfahrungen weisen auf die Existenz eines Ausbruch-Restrisikos hin“, sagt Alexis Papathanassis von der Hochschule Bremerhaven. Er ist Professor für „Cruise Tourism Management“ und bezeichnete mögliche neue Corona-Ausbrüche an Bord der Schiffe auch schon als „Branchenselbstmord“.

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Inwiefern das Corona-Risiko zu minimieren sei, oder ob es einfach akzeptiert werden müsse, sollten Gesundheitsexperten, Behörden und letztlich die Kreuzfahrt-Gäste selbst entscheiden, sagt der Experte. „Es geht hier nicht um die eine oder andere Reise oder Reederei, sondern um die Branchen-Reputation und die Signalwirkung auf die Öffentlichkeit.“ Er verweist dabei auf die USA.

Dort haben Reedereien einen anderen Weg eingeschlagen als „Mein Schiff“ oder Aida und kürzlich freiwillig den Betrieb bis Ende Oktober komplett eingestellt. Laut Alexis Papathanassis mit dem Statement, dass das eine schwierige Entscheidung sei, die aber das Engagement der Branche für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit demonstriere.

Für die Kreuzfahrt ist das eine schlechte Nachricht, für den Kampf gegen Corona aber eine gute.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • Nach der Wende beschloss das Unternehmen, Kreuzfahrtschiffe nach amerikanischem Vorbild zu bauen
  • 15.000 Menschen aus 50 Ländern arbeiten für Aida, davon 13.500 an Bord der Schiffe
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg
  • Die Schiffe fahren unter italienischer Flagge, Aida gehört zum italienischen Unternehmen Costa Crociere
  • Das Merkmal der Aida-Schiffe ist der Kussmund am Bug

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Schiff von Aida wurde im Internet angeboten

Gleichzeitig verjüngen die Unternehmen in den stark von der Coronakrise getroffenen USA ihre Flotten und gestalten Prozesse neu. Ob das auch die Konzerne hierzulande trifft, wird spekuliert.

So muss der amerikanische Aida-Mutterkonzern Carnival derzeit Schiffe verkaufen oder verschrotten. Im Internet wurde sogar die „Aida Aura“ zum Verkauf angeboten – allerdings unter ziemlich mysteriösen Umständen. Aida sprach von einem „Fake“.

Muss Aida wirklich Schiffe verkaufen?

Der Stillstand in Amerika hat auch Auswirkungen auf die dortige Wirtschaft. Und die sind laut Alexis Papathanassis heftig: Es entstehe ein Verlust von 100 Millionen Dollar und 800 Arbeitsplätzen – pro Tag!

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Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen selbst. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Kreuzfahrten – in der heutigen Form und zu den heutigen Preisen – mit einer 60-Prozent-Auslastung rentabel sein können", sagt der Experte zu MOIN.DE. Deswegen habe er hinterfragt, ob der Neustart der Branche in Deutschland unter aktuellen Bedingungen die beste Strategie sei.

Sicher dürfte sein: Umso länger es starke Einschränkungen gibt, desto schwieriger wird auch die finanzielle Lage für die Unternehmen. Dann müssten auch die Flotten angepasst werden.

Aida: Timing ist alles

Eines findet der Experte richtig: „Kredite zu nehmen um Zeit zu gewinnen, die Entwicklungen zu beobachten und sich für den ‚Tag danach‘ vorzubereiten, ist ein konservativer Ansatz, den ich als sinnvoll betrachte. Timing ist alles, insbesondere in solchen Krisen."

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Der Aida-Mutterkonzern Carnival beispielweise nahm einen Kredit über drei Milliarden Euro auf. Aida Cruises, das schwer gebeutelte Rostocker Kreuzfahrtunternehmen, bemüht sich ebenfalls aktuell bei Banken um Kapital, nachdem man vom Staat einen Korb bekommen hatte.

Dennoch: Die Begeisterung der Menschen für Kreuzfahrten hält an und ist Grund für Optimismus. „Vertrauen ist für Tourismus das Kapital – und gesellschaftliche Verantwortung ist eine Zukunftsinvestition. Es wird sicherlich an vielen Fronten eine Menge Entwicklungen geben. Ich bleibe optimistisch", sagt Alexis Papathanassis.

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Aida: Verjüngung wäre gut für die Umwelt

Eine Verjüngung der Flotten könne positive Effekte auf die Umwelt haben. Neuere Schiffe seien – technologisch gesehen – energieeffizienter und damit auch umweltfreundlicher als die jetzigen Schiffe, die oft mit Schweröl fahren.

Flüssiggas-Antriebe sollen nach neueren Forschungsergebnissen zwar auch kein Allheilmittel sein, aber immerhin eine Verbesserung.

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Auch Digitalisierung und Automatisierung werden laut des Experten eine große Rolle spielen, zum Beispiel bei der Crew-Zusammensetzung und den Arbeitsbedingungen, die ebenfalls oft in der Kritik stehen.

Die Kreuzfahrt-Welt wird möglicherweise in naher Zukunft eine andere sein. Und das ist wohl auch gut so.

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