Aida-Mitarbeiter verlässt die Flotte, doch an einen Moment wird er noch lange denken – „Sehr komisch“

Der ehemalige Aida-Mitarbeiter Stefan Frey (unten links) bei einem Landausflug.
Der ehemalige Aida-Mitarbeiter Stefan Frey (unten links) bei einem Landausflug.
Foto: Stefan Frey

Insgesamt sechs Jahre lang war Stefan Frey auf der Kussmund-Flotte tätig. „Es war nie angedacht, dass ich überhaupt so lange dort bleibe“, erzählt der ehemalige Aida-Mitarbeiter im Gespräch mit MOIN.DE.

Einst begann er als Fitness-Trainer auf der Aida. Später arbeitete sich Stefan Frey sich zum Activity Manger hoch. Mit den Schiffen bereiste er die ganze Welt – und sammelte viele Erinnerungen. Trotzdem hat er sich nun entschieden, seinen Job aufzugeben.

Aida-Mitarbeiter verabschiedet sich

„Manchmal muss man zurückgehen und wieder von vorn anfangen“, steht in seiner Botschaft. Damit schließt sich eine bedeutendes Kapitel in Stefans Leben. Die Reise mit der Aida begann, nachdem er das Buch „The Big Five for Life“ gelesen hatte.

Darin geht es um fünf große Ziele, die man im Leben erreichen will. „Quasi die fünf größten Dinge, die zu im Leben gemacht haben willst“, erklärt Stefan im Gespräch mit MOIN.DE. Das Buch änderte seine Sichtweise auf das eigene Leben und er dachte viel über seine persönlichen Ziele nach.

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Eines davon: „Reisen und dabei Geld verdienen, andere Länder und Leute kennenlernen.“ Die Stellenausschreibung von Aida passte perfekt. Zwischen dem Bewerbungsgespräch und der ersten Reise vergingen gerade einmal sieben Wochen.

Erste Kreuzfahrt mit der Aida

Es war seine erste Kreuzfahrt. „Ich bin erwartungslos rangegangen“, erinnert er sich. „Und bin positiv überrascht worden.“ Von Anfang an war er beeindruckt, „wie viele Nationen und Religionen dort zusammenkommen und sich gegenseitig respektieren.“

Die erste Tour ging in den Orient, dann stand Indien auf dem Plan. Insgesamt sechs Monate war er gleich am Anfang unterwegs. Als Fitnesstrainer hat er Sportkurse und Personal Trainings an Bord gegeben, teilweise auch Saunaaufgüsse zubereitet. „Alles tun zum Wohle des Gastes“, fasst er zusammen.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • Nach der Wende beschloss das Unternehmen, Kreuzfahrtschiffe nach amerikanischem Vorbild zu bauen
  • Damit sollte das Prinzip eines Cluburlaubs auf die Kreuzfahrtreise übertragen werden
  • 1996 ging das erste Aida-Clubschiff auf Reise, derzeit (Stand 2019) besteht die Flotte aus 14 Schiffen
  • 15.000 Menschen aus 50 Ländern arbeiten für Aida, davon 13.500 an Bord der Schiffe
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg
  • Die Schiffe fahren unter italienischer Flagge, Aida gehört zum italienischen Unternehmen Costa Crociere
  • Das Merkmal der Aida-Schiffe ist der Kussmund am Bug

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Dann wechselte er zu den Bikern, also denjenigen Mitarbeitern, die mit den Passagieren Landausflügen mit Fahrrädern unternehmen. „Ich habe gemerkt, dass die viel mehr rauskommen und viel mehr sehen“, lacht Stefan. Von da an hat er sich zum Activity Manager hochgearbeitet.

Aida-Gäste für die Reiseziele begeistern

Er kümmerte sich um die Kosten und Ausgaben und begleitete die aktiven Landausflüge. So konnte er nicht nur selbst jede Menge Länder entdecken, sondern auch den Gästen „die Schönheit der Destinationen nahebringen.“

Mit dem Fahrrad komme man außerdem wunderbar an Orte, die man mit dem Bus oder Auto niemals erreicht hätte. Die Dankbarkeit der Gäste zu spüren, habe ihn immer wieder bestärkt in seinem Job.

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Stefan Frey war meist monatelang von Zuhause weg und arbeitete an Bord pausenlos durch. „Du hattest immer was zu tun“, erzählt er. Das störte ihn jedoch nicht. „Wir wussten ja, worauf wir uns eingelassen haben“, fügt er hinzu.

Corona legt Aida-Flotte lahm

Was jedoch keiner wusste, war dass sich das Coronavirus sich zu einer globalen Pandemie entwickeln würde, die die Kreuzfahrt-Branche seither weitestgehend lahmgelegt hat. Eine Situation, mit der auch Frey niemals gerechnet hätte. Als der Lockdown ausgerufen wurde, war er gerade auf der Aida Perla.

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Die Passagiere mussten das Schiff verlassen, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden ihnen damals Flüge zugeteilt. „Wir haben sie dann noch am Flughafen verabschiedet“, erinnert sich der ehemalige Aida-Mitarbeiter.

Aida-Mitarbeiter sitzen fest

„Das war schon sehr, sehr komisch“, beschreibt er die Situation. In der Hoffnung, dass es bald wieder losgeht, bleib die Crew noch vier Wochen an Bord. „Eine skurrile Situation“, sagt er im Nachhinein.

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Die vielen Reisen und die „Sonnenaufgänge und Untergänge jeden Tag an einem anderen Ort zu sehen“ werden Stefan fehlen. Trotzdem hat er sich jetzt gegen die Aida-Flotte entschieden.

Aida-Mitarbeiter nun an Land

Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Zertifikate, die er für den Job regelmäßig erneuern muss, laufen bald wieder aus. „Ich wollte sie ohnehin nicht verlängern“, erklärt er.

Stattdessen wollte „wieder etwas Bodenständiges an Land“ machen. Nun managt er einen Golf-Club und ist auch mit der neuen Arbeit ist er sehr zufrieden. Der Kreuzfahrt wird er trotzdem nicht den Rücken kehren.

„Als Gast werde ich auf jeden Fall wiederkommen“, kündigt er an. Und als Mitarbeiter? „Man soll ja niemals nie sagen“, lacht er.