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Helgoland: Seuche richtet unzählige Tiere hin – die Konsequenzen werden über Jahre spürbar sein

Nordsee:

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Auf Helgoland lassen sich aktuell schlimme Beobachtungen machen. Dort wo eigentlich viele tausende Vögel nisten und brüten sollten herrscht Stille.

Eine Seuche ist über die Insel Helgoland hergezogen. Jetzt wird das ganze Ausmaß deutlich.

Helgoland: Vogelgrippe rafft Vögel dahin

Die Vogelgrippe hat in diesem Sommer in den Seevogelkolonien an der Nordsee zu großen Verlusten geführt. Insbesondere Brandseeschwalben und Basstölpel sind nach Angaben von Experten von dem Ausbruch betroffen.

Auf Minsener Oog, wo sich die größte Brandseeschwalbenkolonie im niedersächsischen Wattenmeer befindet, wurden etwa 3000 tote ausgewachsene Brandseeschwalben erfasst, sagte Elias Engel vor der Naturschutz- und Forschungsgemeinschaf Mellumrat. Dies sei in etwa die Hälfte des Brutbestandes. „Da auf benachbarten Inseln und am Festland, wo keine Brandseeschwalbenkolonien sind, auch viele tote Brandseeschwalben gefunden worden sind, liegt der tatsächliche Anteil wohl noch höher.“


Das ist Helgoland:

  • Helgoland ist eine Nordsee-Insel in der deutschen Bucht. Sie liegt im Bundesland Schleswig-Holstein und gehört zum Landkreis Pinneberg.
  • Helgoland besteht eigentlich aus zwei Inseln. Im Jahre 1721 brach die Masse auseinander. Seitdem unterteilt sich Helgoland in die Hauptinsel und die als Düne bezeichnete Nebeninsel.
  • Wegen ihrer Lage auf offener See wird Helgoland häufig als „einzige Hochseeinsel Deutschlands“ bezeichnet, obwohl sie geografisch gesehen nicht auf der Hohen See liegt.
  • Wahrzeichen der Insel ist die „Lange Anna“, ein 47 Meter hoher Felsen aus rotem Sandstein.
  • Neben der rötlichen Steilküste ist Helgoland auch aufgrund seiner Tierwelt bekannt: Im Winter bringen Kegelrobben auf der Düne ihre Jungen zur Welt. Im Sommer kann man beim „Lummensprung“ beobachten, wie sich unzählige Küken der Trottellummen für ihren ersten Flug in die Tiefe stürzen.

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Zudem wurden gut 2800 tote Brandseeschwalbenküken gezählt. Es gebe dieses Jahr tatsächlich keinen Nachwuchs, der die Brutsaison überlebt habe, sagte Engel, der derzeit Naturschutzwart auf Minsener Oog ist.

„Ob die Jungvögel auch an der Vogelgrippe verendet sind oder ob sie schlicht verhungert sind, weil erkrankte Altvögel nicht mehr gefüttert haben, können wir leider nicht sagen.“ Die Brandseeschwalben werden auf der Roten Liste in Deutschland als vom Aussterben bedrohte Art geführt.

Helgoland: Einzige Basstölpel-Kolonie in Deutschland betroffen

Auch die Basstölpelkolonie auf Helgoland – die einzige in Deutschland – ist durch den Vogelgrippe-Ausbruch betroffen. Wie schwer genau könne noch nicht gesagt werden, sagte der Leiter der Vogelwarte Helgoland, Jochen Dierschke. „Aber insgesamt sind etwa drei Viertel der Nester verlassen, der größte Teil sicherlich wegen durch Vogelgrippe verstorbener Alt- und/oder Jungvögel.“

Wie groß das Ausmaß des Verlustes ist, sei noch nicht absehbar. Man wisse nicht, ob bei den verlassenen Nestern die Altvögel immer gestorben seien oder aber ob einige auch rechtzeitig die Brut abgebrochen hätten. „Das können wir erst nächstes Jahr nach Abschluss der Brutvogelkartierung sagen.“

Helgoland
Basstölpel brüten auf Helgoland. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Dieter Moebus

Allein in der Helgoländer Basstölpel-Kolonie gehe es aber mit Sicherheit um mehrere 100 Altvögel, die gestorben seien. Insgesamt gab es in dieser Saison auf Helgoland 1485 Brutpaare.

Sowohl Brandseeschwalben als auch Basstölpel sind langlebige Arten mit niedrigen Populationsraten, wie beide Experten sagen. Daher sei grundsätzlich der Verlust der Altvögel als besonders problematisch für die gesamte Wattenmeer-Population zu betrachten, sagte Engel. Da das Brüten bei den Brandseeschwalben nicht jedes Jahr erfolgreich klappt – zum Beispiel auf Grund von Extremwetterereignissen oder Hochwasser – sei es wichtig, dass es eine hohe Zahl an Altvögeln gebe.

Helgoland
Lange Anna auf Helgoland – hier brütet jedes Jahr die Basstölpel. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Dieter Moebus

Der Schaden sei anhaltend für den Gesamtbestand der Tiere, da ein Altvogel noch 10-20 Jahre brüten und damit Nachwuchs produzieren sollte, sagte auch Dierschke mit Blick auf die Basstölpel.


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Das Friedrich-Loeffler-Institut warnte bereits im Juli vor existenziell bedrohlichen Auswirkungen der Vogelgrippe auf den Bestand der koloniebrütenden Seevögel.

„An Vogelgrippe erkrankten Vögeln, egal welcher Art, können wir nicht mehr helfen“, sagte Engel. Es gelte, Abstand halten und die Tiere in Ruhe sterben lassen, ohne sie zusätzlichem Stress auszusetzen. Erkrankte oder tote Vögel könnten über die Portale ornitho.de oder beachexplorer.org melden, um Naturschutzverbände und Behörden zu helfen, den Überblick über die Lage zu behalten. (kl/dpa)