Lost Places in Bremen: Dieses Kino hat seit 30 Jahren keine Besucher gesehen – spektakuläre Bilder aus der Ruine

Im Projektor liegt bis heute die eine Filmrolle.
Im Projektor liegt bis heute die eine Filmrolle.
Foto: Marc Krug

Im Norden von Bremen, zwischen einer Kneipe und einem Schlüsseldienst, befindet sich der unscheinbare Eingang zu einem einzigartigen Lost Place: Dem „Scala“-Kino.

Für Besucher hat das Kino in Bremen bereits seit 30 Jahren seine Türen geschlossen und den Filmbetrieb komplett eingestellt. Doch noch immer sieht der Lost Place genauso aus, wie an an dem Tag, als zum letzten Mal ein Film dort gezeigt wurde.

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Lost Places in Bremen: Stockdunkles Geister-Kino

Inzwischen hat das Geister-Kino zahlreiche Fans von Lost Places in seinen Bann gezogen. Hobbyfotograf Marc Krug ist einer von ihnen. Als gebürtiger Bremer war er früher selbst als Zuschauer im „Scala“.

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Im Eingangsbereich hängen zahlreiche Kinoplakate aus der damaligen Zeit. „Es war stockdunkel“, erinnert sich Marc Krug. Mit einer Taschenlampe leuchtete er damals den Raum aus.

„Man fühlt sich wie in einer Zeitkapsel – einfach genial“, schwärmt der Bremer. Während viele Lost Place-Fotografen illegal in verlassene Orte eindringen, war Marc Krug im Frühjahr 2019 für eine Reportage ganz offiziell im „Scala“.

Lost Place in Bremen „wie eine Zeitreise“

Ähnlich ging es Nils Z. Nachdem er Kontakt mit dem Pächter aufgenommen hatte, durfte auch er das Lichtspielhaus fotografieren. „Es war wie eine Zeitreise“, berichtet der Lost Place-Fan.

Im Büro des Kinos hängt noch ein Kalender mit den letzten Terminen vor der Schließung. Eröffnet wurde das Lichtspielhaus vor rund hundert Jahren.

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In den 50er-Jahren ist das Kino auf 1.000 Sitzplätze erweitert worden und galt als eines der Größten in ganz Deutschland. Im Laufe der Zeit kamen immer weniger Zuschauer ins „Scala“.

Lost Places in Bremen: Zigaretten im Kinosaal

Deshalb baute man in den 80er-Jahren den größeren der beiden Säle zu einer Diskothek um. Ein letzter Rettungsversuch, der ohne Erfolg blieb. Ein Jahr später macht der Betreiber die Schotten dicht.

Im kleineren Saal stehen die Sessel immer noch ordentlich aneinandergereiht. Die Leinwand ist inzwischen eingerissen. Auf dem Boden liegen Kinotickets und Zigarettenstummel.

„Früher durfte man in dem Kino rauchen“, erklärt Marc Krug im Gespräch mit MOIN.DE. Zu sehen, dass sich die Kippen selbst nach 30 Jahren nicht ansatzweise aufgelöst haben, hat den Hobbyfotografen schockiert.

Lost Places in Bremen: Spuren von Eindringlingen

Auch die Diskothek ist weitestgehend erhalten geblieben. „Der Saal ist sehr bunt gestaltet“, beschreibt Nils. Sowohl die Möbel als auch der Bartresen stehen noch an Ort und Stelle. Sogar ein Flügel steht in dem Raum.

„Auf der Theke stehen verstaube Wein- und Biergläser“, fügt Marc Krug hinzu. Allerdings kann er nicht mit Sicherheit sagen, ob diese zum Inventar der Diskothek gehörten oder im Lauf der Zeit von von Eindringlingen mitgebracht worden sind.

Lost Places in Bremen: Filmrolle im Projektor

Dass inzwischen vermehrt in den Lost Place eingebrochen worden ist, sei deutlich zu sehen. Alkoholflaschen, Pizzakartons und erste Spuren von Vandalismus zeugen davon.

Für beide Hobbyfotografen war der Vorführungsraum das absolute Highlight des „Scala“-Kinos. Im Projektor liegt noch die Filmrolle des letzten Streifens, der im Lichtspielhaus gezeigt wurde: Die Komödie „Go Trabi Go“. „Da läuft einem schon mal ein Schauer über den Rücken“, so Marc Krug.

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„An der Wand hängt auch noch das Kinoprogramm von damals“, erzählt Nils MOIN.DE. So könne man die letzten Tage im „Scala“ noch einmal Revue passieren lassen.

Nachdem sich der Fotograf bei seinem Besuch im Geisterkino an die Dunkelheit gewöhnt hatte, empfand er die Atmosphäre als angenehm warm.

Lost Places in Bremen: Aus Kino soll Wohnraum werden

Anders geht es dem Eigentümer des Kinos. Ende 2016 hat die Immobilienfirma „M Projekt“ das „Scala“ gekauft. Auf Anfrage von MOIN.DE beschreibt eine Sprecherin des Unternehmens das verlassene Lichtspielhaus als „bedrückend“.

Langfristig soll das Kino einem Wohnbauvorhaben weichen. Doch bis es soweit ist, bleibt das ehemalige Lichtspielhaus ein nostalgischer Lost Place.