Lübeck: Tierheim-Mitarbeiterin bekommt Anruf von einer Frau, dann macht sie eine grausame Entdeckung

Im Oktober vergangenen Jahres erhielt die Leiterin des Tierheims in Lübeck einen mysteriösen Anruf (Symbolbild)
Im Oktober vergangenen Jahres erhielt die Leiterin des Tierheims in Lübeck einen mysteriösen Anruf (Symbolbild)
Foto: Tierheim Lübeck & privat

Im Oktober vergangenen Jahres erhielt Elena, Leiterin des Tierheims in Lübeck einen Anruf. Es war gegen 18.30 Uhr – und eigentlich Zufall, dass sie zu dieser Zeit noch im Büro war. Dennoch ging sie ran.

Am anderen Ende meldete sich eine Frau aus Lübeck, die gerade einen Welpen gekauft hatte. Sie glaube, da stimme etwas nicht, habe sie gesagt. Es sollte der Anfang einer schlimmen Geschichte werden. Bei MOIN.DE spricht Elena über das Erlebte.

Lübeck: Anruferin bittet Tierheim um Hilfe

„Sie machte mich darauf aufmerksam, dass irgendetwas in der Wohnung nicht in Ordnung war“, erzählt Elena. Und sie bat um Hilfe.

Anderthalb Stunden später hatte die Anruferin nämlich einen weiteren Termin mit der Frau vereinbart, bei der sie den Welpen gekauft hatte. Unter dem Vorwand, dass eine Freundin ebenfalls einen Hund kaufen möchte, war sie um 20 Uhr erneut mit der Verkäuferin verabredet.

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Sofort informierte Elena das Veterinäramt. „Wir hatten nicht viel Zeit, weil der Termin ja schon vereinbart war“, erinnert sie sich im Gespräch mit MOIN.DE.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Stellvertretend für die Freundin der Anruferin sei sie dann gemeinsam mit einer Kollegin aus dem Tierheim sowie einer Mitarbeiterin vom Veterinäramt zu der Verkäuferin gefahren – noch ohne Polizei.

Lübeck: Elena trifft sich mit der Verkäuferin

„Wir haben dann gesagt, wir sind wegen dem Welpen da und haben um den Pass des Hundes gebeten“, erzählt Elena. „Wir haben dann festgestellt, dass die Papiere nicht in Ordnung sind, dass der Welpe illegal nach Deutschland gebracht wurden.“

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Wie sich herausstellte, stammte die junge Englische Bulldogge aus Polen und hätte laut Seuchenverordnung eigentlich in Quarantäne gemusst. „Die wurde nicht eingehalten und der Impfpass war weder gültig noch stimmig“. Daraufhin gab man sich zu erkennen und nahm den Hund mit.

Aber das war noch nicht alles: „Zu dem Zeitpunkt sind plötzlich zwei Welpen verschwunden“, erzählt Elena. Denn eigentlich hatte ihr die Anruferin gesagt, dass sich noch drei Hunde in der Wohnung befinden würden. „In der Nacht haben wir die anderen beiden auch nicht gefunden.“

Lübeck: Insgesamt sechs Welpen werden sichergestellt

Erst, als sie am nächsten Tag noch einmal mit der Polizei in der Wohnung der Händlerin gewesen seien, waren die anderen beiden Welpen wieder da. Zwei weitere der insgesamt sechs Welpen wurden bei einem späteren Einsatz sichergestellt.

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Anschließend nahm das Tierheim Lübeck die Tiere zur Behandlung auf. „Sie waren alle extrem krank. Sie hatten multiple Darmparasiten, Demodex-Milben, die zu Juckreiz und entzündlichen Stellen auf der Haut und an den Augen führen können.“

Und: Einer der Welpen ist sogar wenige Tage später verstorben – „er war von Anfang an der Schwächste und hat es leider nicht geschafft“, sagt Elena. Die anderen seien soweit ganz gut durchgekommen.

Lübeck: Welpen sind schwer geschädigt

„Was sie natürlich haben, sind extreme orthopädische Schäden wie subluxierte Hüften, schwere Hüftgelenksdysplasie, diverse Keilwirbel, Ellenbogenprobleme, Atemprobleme und nach wie vor dermatologische Auffälligkeiten.“ Aktuell sind die Junghunde alle noch in Behandlung.

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Auch der Welpe, den die eingangs erwähnte Anruferin gekauft hat, lebt inzwischen im Tierheim. Zwischenzeitlich sollte „Bommel“ – so hatte die Familie der Frau ihn genannt – dort ein Zuhause finden.

Doch ein schwerer Schicksalsschlag zum Jahresübergang führte dazu, dass er nun in der Obhut von Elena ist.

Lübeck: Nicht nur illegaler Welpenhandel ist ein Problem

Sie mache das gerne und es sei natürlich auch ihre Aufgabe, sagt die Leiterin des Tierheims Lübeck. Aber: „Der nicht legale Welpenhandel in Deutschland ist ein allgegenwärtiges Problem. Selbst das, was wir als ‚legalen Welpenhandel‘ bezeichnen, ist für mich in vielen Fällen tierschutzwidrig.“

Inzwischen hat sie mit mehreren Kolleginnen eine Vereinigung gegen Welpenhandel gegründet. Mit der „Anti Puppy Milling Mafia“ (ein Bündnis gegen illegalen Welpenhandel, angelehnt an die „Welpenmafia“) ist Elena seit Oktober Hunderten Anzeigen nachgegangen.

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„Natürlich gibt es auch viele, bei denen es sich nicht um illegale Welpenhändler handelt, aber sehr oft hätte ich einen Hund einfach mitnehmen können, obwohl ich weder meinen Namen noch irgendwelche Daten von mir genannt habe.“ Das ist für sie unverständlich.

„Wenn die Tiere wie die letzte Ware behandelt werden, kann dabei nichts Gutes rauskommen“ – auch wenn es in dem Fall dann legal sei. Denn oftmals werde weder über die Rasse aufgeklärt, noch geschaut, wo die Tiere eigentlich hinkommen. „Da passiert gar nichts“, fasst Elena zusammen.

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Lübeck: So erkennst du, ob beim Welpenkauf etwas nicht stimmt

Wer sich dennoch einen Welpen über die gängigen Online-Plattformen beschaffen möchte, der sollte zumindest auf ein paar Kleinigkeiten achten. „Es muss immer ein Muttertier vor Ort ein“, sagt Elena. Es gebe keinen Grund, warum Welpen zu diesem Zeitpunkt nicht bei ihrer Mutter sein sollten.

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Außerdem sollte man sich die Pässe der Welpen genau ansehen. Sind es deutsche Pässe? Wenn nicht, sollte man auf das Alter der Tiere achten. „Sie müssen mindestens 12 Wochen und 21 Tage sein“, erklärt Elena im Gespräch mit MOIN.DE.

Außerdem muss eine Tollwut-Impfung vorhanden sein. Und dann sollte man sich auch den Hund mal genauer anschauen – in die Ohren gucken, an dem Welpen riechen. „Die meisten Hunde, die wir sicherstellen konnten, haben unangenehm gerochen.“

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Lübeck: Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

All das seien Zeichen, dass hier etwas nicht stimme. Im Notfall könne man sich außerdem immer an den örtlichen Tierschutzverein werden. „Wir gehen jedem Fall nach und kümmern uns drum“, sagt Elena aus dem Tierheim Lübeck.

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Wichtig sei es, solchen Händlern nicht weiter „Geld in den Rachen zu schmeißen“ – auch aus Mitleid nicht. Denn so lange so viele Hunde „illegal“ gekauft werden und die Nachfrage da ist, wird es auch niemals aufhören.