„Mein Schiff“: Dampfer entdeckt Flüchtlinge auf dem Meer – wie Passagiere reagieren, ist entsetzlich

Die „Mein Schiff 2“ bei den Kanarischen Inseln
Die „Mein Schiff 2“ bei den Kanarischen Inseln
Foto: imago images / Future Image

Es war der 26. Dezember, als die „Mein Schiff 2“ vor den Kanarischen Inseln ein Boot entdeckte, das besetzt war mit Flüchtlingen (MOIN.DE berichtete). Längst kein Einzelfall, denn auch der Macher des Branchenportals „Schiffe und Kreuzfahrten“ erzählt von einer ähnlichen Begegnung.

In einem Bericht spricht er von einer „unvorstellbaren Situation“ an Bord des Dampfers und kritisiert einen Teil der Passagiere der „Mein Schiff 2".

„Mein Schiff“: Augenzeuge berichtet von vielen leeren Flüchtingsbooten auf dem Meer

Pascal Wepner beschreibt es wie folgt: An einem normalen Seetag habe es vom Kapitän der „Mein Schiff 2“ geheißen, dass man auf der Strecke, auf welcher der Kreuzfahrtdampfer unterwegs sei, viele Flüchtlingsboote beobachten könne.

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Daten und Fakten zu „Mein Schiff“:

  • Sieben Kreuzfahrtdampfer zählen zur „Mein Schiff“-Flotte der Reederei Tui Cruises
  • Die Flotte fährt unter der Flagge von Malta, daher gibt es auch keine Umsatzsteuer an Bord
  • Die Reederei hat ihren Firmensitz in Hamburg
  • Bis voraussichtlich 2026 sollen drei neue „Mein-Schiff“-Kreuzer gebaut werden
  • Insgesamt ca. 6.980 Besatzungsmitglieder sind an Bord der Schiffe für Tui Cruises im Einsatz

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Diese seien allerdings alle verlassen und trieben unbesetzt auf dem Meer. „Das war schon irgendwie traurig, so etwas zu hören“, sagt der Autor rückblickend. Am Nachmittag sei dann eine erneute Durchsage gekommen, dass man soeben ein bemanntes Boot entdeckt habe.

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„Man sah sehr deutlich, dass über 20 Menschen an Bord waren. Es ging aber allen gut, sie freuten sich auf Hilfe. Sie freuten sich nicht mehr alleine auf dem großen weiten Meer zu sein“, heißt es in dem Bericht von „Schiffe und Kreuzfahrten“.

„Mein Schiff“ informiert Küstenwache

Anschließend informierte das Schiff die Küstenwache. So konnten die Flüchtlinge gerettet und an Land gebracht werden. Doch was sich währenddessen an Bord der „Mein Schiff 2“ abspielte, ist abscheulich.

Tui Cruises, der Inhaber von „Mein Schiff“, bestätigt gegenüber MOIN.DE: Es habe im November 2020 eine Begegnung mit einem Flüchtlingsboot gegeben. Für diese Fälle gebe es ein festgelegtes Prozedere.

Festgelegtes Prozedere bei „Mein Schiff“

„Neben der Selbstverständlichkeit, dass es ein Gebot der Nächstenliebe ist, Hilfe zu leisten, verpflichtet uns auch das internationale Seerecht dazu“, heißt es.

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In dem genannten Fall habe sich der Kapitän davon überzeugt, dass für die Insassen des Bootes keine Gefahr bestehe, er habe das maritime Koordinierungszentrum informiert und gewartet, bis die Küstenwache vor Ort war. Die Gäste an Bord seien über das Prozedere informiert worden.

Tui Cruises: „Wir tolerieren keine Form der Diskriminierung“

Tui sagt: „Grundsätzlich tolerieren wir keine Form der direkten oder indirekten Diskriminierung.“ Zum Verhalten der Gäste im konkreten Fall könne man aber nichts sagen.

Pascal Wepner schon. Zunächst seien die Gäste an die Reling gerannt, „um zu schauen, was vor sich geht“. Und dann vernahm Pascal Wepner etwas, das er selbst als „einfach nur ekelhaft und zum Fremdschämen“ bezeichnet.

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Unter den Gästen seien Aussagen gefallen wie „Oh Gott, hoffentlich lässt man diese Monster nicht an Bord“, „Oh nein, solche Menschen darf man bloß nicht reinholen“, „Das sind doch Wirtschaftsflüchtlinge, denen braucht man nicht helfen“, „Was soll das hier denn? Wieso fahren wir nicht weiter, das ist nicht unser Problem“.

Mein Schiff Augenzeuge Youtube

„Mein Schiff“-Passagiere zeigen DIESE Reaktion

Erschreckend findet der Autor zudem: „Man sah den Menschen, die das ausgesprochen haben, ein solches krankes Gedankengut gar nicht an.“ Er berichtet: „Es gab auch richtig Ärger an Bord deswegen, teilweise zwischen Paaren – unfassbar, wie solche Menschen zusammen finden.“

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Und: „Es gab auch von Dritten klare Ansagen an die Menschen, die sich derart asozial geäußert haben. Das hat mir am Ende den Tag gerettet und die Sicherheit gegeben, dass die Menschheit nicht komplett verdorben ist.“ (mk)