„Mein Schiff“: Video zeigt Szene auf Brücke – Experte außer sich! „Wenn da was passiert"

Auf einem Video zeigt ein Mann ein nicht ganz ungefährliches Auslaufmanöver der „Mein Schiff 2“.
Auf einem Video zeigt ein Mann ein nicht ganz ungefährliches Auslaufmanöver der „Mein Schiff 2“.
Foto: IMAGO / penofoto

Es sind Einblicke, die man als Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff nur selten bekommt: Aus der Kommandobrücke der „Mein Schiff 2“ hat ein Mann ein Video aufgenommen. Der Dampfer will gerade aus dem Hafen der kanarischen Insel La Gomera auslaufen.

Der Mann steht direkt im Brückennock am Steuerungspult – neben Thomas Roth, Kapitän der „Mein Schiff 2“, dem nautischen Offizier Phillip Lellau und dem Lotsen. Doch die Ausfahrt gestaltet sich schwierig. „Wir haben ungefähr 30 Knoten Wind, die seitlich gegen das Schiff drücken“, heißt es in dem Video.

„Mein Schiff“: Mann überträgt Auslaufen aus dem Hafen von der Brücke

Bis zu 40 Knoten Seitenwind könne das Schiff aushalten, habe ihm der Kapitän erklärt. Gleichzeitig wird in dem Video aber auch gezeigt, dass das Schiff nicht weit von der Felswand der Insel entfernt ist. „Da ist nicht viel Platz“, sagt der Mann und schätzt, dass es rund 200 Meter Entfernung sind.

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Daten und Fakten zu „Mein Schiff“:

  • Insgesamt sieben Kreuzfahrtdampfer zählen zur „Mein Schiff“-Flotte der Reederei Tui Cruises
  • Die gesamte „Mein Schiff“-Flotte fährt unter der Flagge von Malta, daher gibt es auch keine Umsatzsteuer an Bord
  • Die Reederei hat ihren Firmensitz in Hamburg
  • Insgesamt ca. 6.980 Besatzungsmitglieder sind an Bord der Schiffe für Tui Cruises im Einsatz

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Rund 13 Minuten lang übertragt der Mann, der für ein Reisebüro arbeitet, live auf Facebook das Auslaufen aus dem Pier. Dabei schwenkt er immer wieder von einer Seite zur anderen des Schiffes. Außerdem zeigt er „wie rau gerade die See ist“ – um die Windverhältnisse zu verdeutlichen.

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Die Zuschauer feiern in den Kommentaren die Aufnahmen. „Toller Aus- und Einblick“, schreibt zum Beispiel einer. „Wow, irre interessant!“, ein anderer. Die Ausfahrt aus dem Hafen von La Gomero verläuft anschließend problemlos – dennoch ist die Situation nicht ganz ungefährlich.

„Mein Schiff“: Schifffahrtsexperte kritisiert Aufnahmen

„Ich wundere mich, dass der Kapitän da ungehindert filmen und kommentieren lässt“, sagt Peter Geitmann, Nationaler Schiffahrtssekretär der Gewerkschaft Verdi im Gespräch mit MOIN.DE. „Man muss ja immer berechnen, dass es ein Risiko gibt, bei so einem starken Wind auszulaufen.“

Und so wundert er sich, „dass da beim Auslaufen Leute auf der Brücke sein dürfen, die nichts mehr der Arbeit zu tun haben. Das machen eigentlich in der Regel Schiffe nicht.“ Denn seit dem 11. September seien eigentlich Brücken- und Maschinenbereiche für Passagiere tabu.

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Gemeint ist der Terroranschlag auf das World Trade Center in den USA im Jahr 2009. „Seitdem ist es so, dass man gesagt hat, um terroristische Angriffen vorzubeugen, lässt man so etwas nicht mehr zu“, betont Geitmann.

Kritik am Kapitän von „Mein Schiff“

Auch in Hinblick auf versicherungstechnische Dinge sieht Geitmann die Aufnahmen kritisch: „Wenn da was passiert und das wird dann auch noch dokumentiert, da kann kein Kapitän froh drüber sein. Insofern ist das schon eine heftige Nummer.“

Was den Wind angeht, sagt der Schifffahrtsexperte, der selber 20 Jahre zur See gefahren ist, dass 30 Knoten „natürlich heftig“ seien. Von der See her sieht er in diesem Fall jedoch kein Risiko, weil der Wellengang nicht so stark war.

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Dennoch betont Geitmann nochmal: „Gerade bei diesen Manövern, wo es Situationen gibt, die schnelles Handeln erfordern, da brauche ich keine fremden Personen auf der Brücke, die da eventuell Hektik miterleben.“

„Mein Schiff“: Goldene Seemannsregel nicht beachtet

Er selbst habe „schon ewig lange nicht mehr erlebt, dass man fremde Personen da oben hin lässt“. Außerdem kritisiert Geitmann, dass eine goldene Seemannsregel nicht beachtet wurde.

Diese besagt, dass bei solchen Verhältnissen stets gewährleistet sein muss, dass sowohl das Schiff wie auch die Personen „gesichert“ sind – also sich irgendwo festhalten. „Aber der ist da ja hin und her gelaufen und hat sein Handy da hin gehalten und dahin“, so Geitmann.

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Selbst wenn der Mann, der das Video gemacht hat, ein Freund der Kapitäns sei, dürfe er das eigentlich nicht. Geitmann erklärt, dass es noch nicht einmal üblich sei, auf offener See – also wenn das Schiff weit draußen auf dem Ozean ist – betriebsfremde Leute auf die Brücke zu lassen.

„Mein Schiff“: Tui Cruises reagiert auf Aufnahmen

MOIN.DE hat Tui Cruises mit den Aussagen konfrontiert. „Die Sicherheit für Schiff, Gäste und Besatzung hat jederzeit oberste Priorität für unsere Kapitäne“, sagt Godja Sönnichsen, Sprecherin der Reederei. Stärkere Winde seien auf den Kanaren keine Ausnahme.

„Damit kann ein Schiff unserer Größe gut umgehen“ so die Sprecherin. „Das gezeigte Anlaufmanöver war entsprechend zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle. Die Kommentare des Filmers waren wohl eher dazu gedacht, Spannung beim Zuschauer zu erzeugen.“

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Und so kann man wohl froh sein, dass in diesem Fall alles reibungslos verlaufen ist. Es hätte aber auch ganz anders ausgehen können.