MV: Dieser Mann ist richtig wütend – „Wie stellen die sich denn sowas vor?“

Marco Scheel, Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern (MV), kann es nicht fassen.
Marco Scheel, Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern (MV), kann es nicht fassen.
Foto: Screenshot NDR

Marco Scheel ist sauer. In Mecklenburg-Vorpommern (MV) produziert der Unternehmer Bio-Kleidung aus der Wolle von Pommernschafen. Dabei stößt der gebürtige Rüganer immer wieder auf Widerstand bei den Behörden.

Jetzt ist ihm ordentlich der Kragen geplatzt. Ein Ausschnitt seiner Wutrede ist in den vergangenen Tagen in den sozialen Netzwerken Tagen viral gegangen, wurde tausendfach geteilt und gesehen. Die Szenen sind vor den Kameras eines NDR-Teams entstanden, das Scheel für eine Nordreportage aus MV begleitete.

MV: Bio-Unternehmen hat Ärger mit den Ämtern

Weil die Immobilien in seiner Heimat Rügen mittlerweile zu horrenden Preisen angeboten werden, hat sich der Unternehmer mit der Produktionsstätte seiner Firma „Nordwolle“ auf einem alten Hof in der Nähe von Wismar niedergelassen.

Für die Produktion benötigt Scheel allerdings dringend mehr Platz. Eigentlich ist dieser auf dem Bauernhof reichlich vorhanden. Zwei alte Kuhställe etwa sind derzeit noch ungenutzt, Scheel würde sie gerne sanieren und umbauen.

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Doch dabei hat er die Rechnung ohne die zuständigen Behörden gemacht. Denn die legen dem Unternehmer dabei jede Menge Steine in den Weg. Aufgeregt erzählt er von den Problemen mit den zuständigen Ämtern, Bauanträgen und Flächennutzungsplänen.

„Und die ganzen Planer, die sich darüber freuen, die bezahle ich. Kann ich aber nicht. Ich hab ja keinen Dukatenesel, der Geld scheißt”, so Scheel. „Der politische Wille ist nicht da, dass ich hier produzieren kann.“

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Daten und Fakten zu Mecklenburg-Vorpommern (MV):

  • Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte deutsche Bundesland
  • 1,6 Millionen Menschen leben in Mecklenburg-Vorpommern
  • Mecklenburg-Vorpommern zählt insgesamt 337 Kilometer Außenküste
  • Mit Heiligendamm hat Mecklenburg-Vorpommern den ältesten Seebadeort Deutschlands (gegründet 1793)
  • In Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, leben 96.000 Menschen
  • Rostock ist mit über 208.000 Einwohnern die größte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern
  • Rügen, die größte Insel Deutschlands, gehört zu Mecklenburg-Vorpommern

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Man habe Scheel jetzt einen Verwaltungslotsen zur Seite gestellt, um sich durch Anträge und Genehmigungen zu arbeiten. „Wenn ich mit Abitur nicht mehr in der Lage bin, mich durch die Stromschnellen meiner Verwaltung, die ich bezahle, die für mich da ist, durch zu lavieren, dann können wir aufhören, dann können wir es lassen!“, regt sich Scheel auf.

„Ich habe Bock, etwas anzufassen, Bock die Welt zu verbessern, aber irgendwer muss auch mitmachen.“

Wutrede aus MV geht viral

„Die wollen unbedingt, dass die Leute vom Land in die Stadt ziehen“, so Scheel. Man habe ihm angeboten, bei Wismar auf einer grünen Wiese in einem Gewerbegebiet eine Metallhalle zu bauen.

Doch der Unternehmer will auf dem Land bleiben, die alte Immobilie nicht verrotten lassen. „Da hab' ich keinen Bock drauf!“

Fassungslos verlässt Scheel den ausgedienten Kuhstall: „Wir können nicht alle mit 'nem Macbook und einem Chai Latte in Berlin in einem Coworking-Space sitzen und die zehnte Dating-App erfinden. Es gibt auch ein paar Leute, die was anfassen müssen und sich die Hände schmutzig machen. Ansonsten geht's halt nicht.“

„Wir machen halt Realwirtschaft, wir haben mit Produkten, Sachen, Materien zu tun und dafür braucht man nun mal Platz. Das kann man doch verstehen oder nicht? [...] Das scheiß' ich auf Glasfaser. Ich brauche Platz!“

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In den sozialen Medien schlägt der Clip von Marco Scheel große Wellen. Für seinen Aufreger erhält er viel Zuspruch. „Ich würde mich auch gerne mal wieder so aufregen können“, schreibt ein Mann auf Twitter.

Politiker aus MV teilt das Video

„So furchtbar es ist, ich könnte ihm dennoch stundenlang zuhören. Und in mir wächst der Wille, ihm zu helfen. Diesen Schwachsinn kann man echt nicht ertragen“, kommentiert ein weiterer Mann.

Auch Politiker sind auf den Clip aufmerksam geworden: Hagen Reinhold, FDP-Bundestagsabgeordneter aus MV teilte den Beitrag ebenfalls auf Twitter: „Von einer effizienten und modernen Verwaltung kann auch unmöglich die Rede sein“, kommentierte er.

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Die gesamte Nordreportage „Wolle for future – Es wird immer bunter“ könnt ihr >> hier sehen. (mik)