Nordsee: SIE haben eine elementare Aufgabe, doch ihre Existenz ist in Gefahr – „Ein trauriges Bild

Idyllisches Bild am Deich: Doch für die Schäfer sieht es nicht immer so sonnig aus.
Idyllisches Bild am Deich: Doch für die Schäfer sieht es nicht immer so sonnig aus.
Foto: imago images/Nordphoto

Sie gehören an die Nordsee wie die Möwen an den Strand: Die norddeutschen Schafherden. Doch in den vergangenen Jahren ist die Zahl der großen Schäfereibetriebe im Norden immer weiter gesunken.

Viele Ängste und Sorgen plagen die Schäfer, deren Arbeit für den Erhalt der Nordsee-Deiche elementar ist.

Nordsee: Große Herausforderungen für Küstenschäfer

„Schafhalter haben wir in Schleswig-Holstein mehr als 1000. Aber große Schäfereibetriebe da sind wir so bei 200“, weiß Karl-Henning Hinz, Vorstand des Landesverbandes Schleswig-Holsteiner Schaf- und Ziegenzüchter. Insgesamt gibt es im nördlichsten Bundesland fast 200.000 Schafe.

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Mit 20,8 Tieren pro 100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche ist Schleswig-Holstein das Land mit der höchsten Schafdichte. In Norddeutschland sind Schäfer und ihre Tiere vor allem für den Erhalt der Deiche und den Küstenschutz von besonderer Bedeutung. Durch ihre Tritte festigen die Schafe das Deichwerk und schützen ihn so vor Erosion. Dennoch entwickelt sich die Zahl der Wolltiere rückläufig.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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„Wir hatten vor zehn Jahren noch drei Millionen Schafe in Deutschland. Heute sind wir bei 1,7 Millionen. Das ist ein trauriges Bild“, sagt Hinz gegenüber MOIN.DE.

Seit einiger Zeit haben Schäfer mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen. Im Jahr 2005 etwa wurde die bis dahin ausgezahlte Muttertierprämie gestrichen. Damals erhielten die Schäfer einen bestimmten Betrag pro Mutterschaf, nun wird ihnen nur ab einer gewissen Größe der bewirtschafteten Fläche Unterstützung ausgezahlt.

Nordsee-Schafe: Wildgänse bereiten Probleme

„Wir kommen gut weg beim Tierwohl, weil die Schafe immerzu draußen sind und wir sie artgerecht halten. Wenn sie im Stall sind, dann nur auf Stroh. Und trotzdem kapitulieren viele, weil die Lammpreise zwei Jahre in Folge sehr schlecht waren und die Wolle fast gar nichts mehr kostet. Hinzu kommen Probleme mit Wildgänsen und Wölfen.“

Vor allem die Wildgänse bereiten den Schäfern große Sorgen. „Die Wildgänse gehen auch im Winter gar nicht mehr weg. Die sind hier auf den Weideflächen und fressen das Gras weg. Gerade im Frühjahr, wenn die Schafe kleine Lämmer haben, hat man nur noch diese stark abgefressenen, verkoteten Flächen. Obwohl die Lämmer gerade das frische Gras brauchen. Das ist wirklich schwierig. Da muss man dann teures Futter zukaufen.“

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Bei Rindern sei das Problem nicht so schlimm, so Hinz. Die könne man ein bis zwei zwei Monate länger im Stall halten und füttern.

„Aber Schafe, die wollen raus in die Freiheit. Das bedeutet auch Stress für sie, wenn man irgendwo Futterplätze einrichtet und sie zufüttern muss, weil sie dann jedes Mal wieder ihre Lämmer suchen müssen.“

Nordsee: Draußen kaum Schutz vor dem Wolf

Auch die Rückkehr des Wolfes sei ein zunehmendes Problem. „Ich selbst hatte noch keine Probleme mit Wölfen. Aber als Landesvorsitzender habe ich natürlich diese Probleme mitbekommen. Die Politik ist da im Moment noch weit weg und meint, wir könnten unsere Tiere selbst schützen.“

Vor allem an der Küste sei es jedoch kaum machbar, die Herden mit Netzen zu schützen. Sturm und Regenfälle würden die Abgrenzungen immer wieder zum Einstürzen bringen, so Hinz. „Wir hatten ständig Sturm dieses Frühjahr. Das Zäunen vor dem Wolf geht hier schlicht und einfach nicht. Man kann die Schafe hier nicht vor Wölfen schützen.“

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Eine Hoffnung gibt es derzeit aber: Kürzlich wurde den Schäfern eine neue Weidetierprämie in Aussicht gestellt. „Bei der letzten Agrarsitzung wurde beschlossen, dass wir ab 2023 wieder eine Tierprämie kriegen. Aber das sind auch noch zwei Jahre hin.“

Bis dahin müsse man als Schäfer aber erst einmal durchhalten.