Nordsee: Ständig Ärger am Strand – sind SIE die Wurzel allen Übels?

Blick auf den Strand von Norderney an der Nordsee.
Blick auf den Strand von Norderney an der Nordsee.
Foto: imago images / Westend61

Das Thema polarisiert an den Stränden von beliebten Urlaubsorten. Da macht es keinen Unterschied, ob Nordsee oder Ostsee, mit Tagestourismus und Müll haben so einige ihre Probleme. So gibt es Touristen, die Bilder von leeren Bierflaschen und Plastikbechern an Stränden in Facebook-Gruppen posten und zornige Smileys dahintersetzen – oder jene, die wütende Mails an den zuständigen Bürgermeister schicken, wie es zuletzt auf Norderney der Fall war (MOIN.DE berichtete).

Dabei braucht man aber nicht glauben, es sei ein strandspezifisches Problem an der Nordsee oder Ostsee. Auch an Spielplätzen wie in Hamburg gibt es gerne mal Partyhinterlassenschaften. Wieso schaffen es so viele Menschen, die zusammen feiern, nicht, einen großen Sack dabei zu haben und ihren Müll mitzunehmen oder Mülleimer zu benutzen? Eine Antwort darauf zu finden, fällt schwer. Wahrscheinlich hat es viel mit Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit zu tun.

Nordsee: Schuld des Tagestourismus?

Dennoch lässt sich differenzieren, was wohl oft der Ursprung der Schwierigkeiten ist.

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„Das Problem Müll scheint ein Problem weniger Orte an der Küste und auf den Inseln zu sein. Ich kann nur für Borkum sprechen, wo es dieses Problem, zu mindestens in diesen Ausmaßen, nicht gibt“, meint Einwohner Kurt-Walter Wessolek zu MOIN.DE.

Da, wo das Müllproblem auftauche, sei nach seiner Meinung in den meisten Fällen der Tagestourismus Schuld – und nicht die Menschen, die für mehrere Übernachtungen in die Urlaubsorte kommen.

Auch auf der Nordsee-Insel Norderney ein Problem

Was den Eindruck des Borkumers zu bestätigen scheint, sind die Erfahrungen auf der nicht weit entfernten Insel Norderney. Dort gebe es vor allem am Wochenende viel Partytourismus, sagte Bürgermeister Peter Ulrichs der „Nordwest-Zeitung“.

Urlauber beschwerten sich zuletzt heftig über die Zustände wie Vermüllung oder auch ausufernde Partys in Corona-Zeiten, die der Bürgermeister in der Form so jedoch nicht erlebt haben will. Norderney wird von manchen sogar „kleiner Ballermann“ genannt. Ein Begriff, der aber gerne mal genutzt wird, wenn irgendwo an Stränden in Deutschland Menschen ordentlich gefeiert haben.

Nordsee: Weniger Tagestouristen auf Borkum

Den Vorteil von Borkum sieht Kurt-Walter Wessolek darin, dass die Insel durch ihre Lage und die lange An- und Abfahrt über Emden weniger für Tagestouristen aus Deutschland, sondern eher für die Niederländer interessant sei und sich das Müllproblem dadurch in Grenzen halte.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Auch ein Sprecher der Stadtverwaltung von Borkum ließ durchklingen, dass man auf der Insel wenige Probleme mit Müll habe. Die Anreise über die Niederlande sei in der Regel tatsächlich deutlich kürzer, sagt Sprecher Frank Pahl – wenn man nicht den Katamaran ab Emden nutze. „Insgesamt sind auf Borkum weniger Tagesgäste zu verzeichnen, als auf anderen ostfriesischen Inseln.

Nordsee: Ab wann ein Problem?

Ob tatsächlich nur an wenigen Orten an der Küste und auf den Inseln viel Müll liegengelassen wird, wie Kurt-Walter Wessolek meint, ist schwer zu beurteilen. Wichtig ist dabei sicher die Frage, ab wann man Hinterlassenschaften am Strand als Problem sieht.

Ein paar Bierflaschen und Plastikbecher an einem großen Strand sind sicher nicht schön und können der Umwelt schaden. Sie sind aber wohl noch kein großes Problem, über das man sich aufregen muss.

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Die Bilder aus diesem Sommer ließen jedoch oftmals vermuten, dass es an mehreren Orten große Schwierigkeiten gab. Die Tourismuszentrale aus St. Peter Ording wies darauf hin, dass man morgens nach Partys immer wieder solche Bilder zu sehen bekomme:

Nordsee und Ostsee: Überall die gleichen Probleme

Für großes Aufsehen sorgten in diesem Sommer Fotos aus der Lübecker Bucht in Travemünde an der Ostsee, wo viele Tagestouristen nach einem heißen Samstag am kompletten Strand massenweise Müll hinterließen. „Wir haben an der gesamten Ostsee-Küste zunehmend mit einer Klientel zu tun, die keine Rücksicht mehr nimmt“, stellte Lübecks Umweltsenator damals fest.

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In Flensburg wurde das Grillen am Strand dieses Jahr verboten, nachdem sich ein Mädchen an vergrabener Kohle verletzte. Die Strände dort werden neben Urlaubern auch viel von Einheimischen aufgesucht.

Nordsee und Ostsee: Es sind nicht immer die Tagestouristen

Es zeigt sich also, dass oft – aber nicht immer – Tagestouristen für die Probleme verantwortlich sind.

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Manchmal sind es aber auch ganz andere Faktoren. So sagte der Kurdirektor von Lübeck-Travemünde, dass dort auch schon Möwen und Krähen von vollen Mülleimern angelockt worden seien und die Abfälle am Strand verteilt hätten.