Ostsee: Mega-Projekt kurz vor Baubeginn! Es erschüttert eine ganze Region

Pressefoto Fehmarn Belt Tunnel über Presseseite Femern.com Portal Area / Ein- Ausfahrt / Tunnelportal
Pressefoto Fehmarn Belt Tunnel über Presseseite Femern.com Portal Area / Ein- Ausfahrt / Tunnelportal
Foto: Femern AS

Ein Jahrhundertprojekt, das die Ostsee-Küste in Schleswig-Holstein für immer verändern wird, steht kurz vor Baubeginn. Nach jahrelangem Ringen soll bald der erste Spatensticht erfolgen.

Im November vergangenen Jahres fällten die Richter am Leipziger Bundesverwaltungsgericht das entscheidende Urteil. Alle Klagen gegen den umstrittenen Fehmarnbelttunnel, der die Ostsee in Zukunft untertunneln soll, wurden abgewiesen. Im Sommer sollen nun auch auf der deutschen Seite die Aushubarbeiten für das gigantische Bauwerk starten.

Ostsee: Gegner fürchten Auswirkungen durch den Tunnelbau

In Dänemark ist die Euphorie kaum zu bremsen. Hier haben die Arbeiten am Mega-Bau bereits begonnen. Auf der anderen Seite der Beltquerung ist die Stimmung dagegen niedergeschlagen.

Auf der Insel Fehmarn und im Kreis Ostholstein fürchten Anwohner um ihre Heimat, die Natur und den für die Region so wichtigen Tourismus.

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Doch auch wenn die jahrelangen Bestrebungen gegen den Tunnel nicht zum Erfolg geführt haben, so geben die vom Bau betroffenen Menschen ihre Hoffnung nicht auf.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das zweitgrößte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Das Bündnis „Beltretter“ ist ein Zusammenschluss aus zahlreichen Initiativen vor Ort, die sich gegen den Ostseetunnel zwischen Dänemark und Deutschland wehren. Sprecherin Karin Neumann hat die Entscheidung aus Leipzig mitverfolgt: „Das war schon ein Schlag ins Gesicht. Das Urteil war knallhart“, sagt sie gegenüber MOIN.DE

.

Sie selbst ist Fehmarnerin und Vermieterin auf der Insel. Von den möglichen negativen Auswirkungen auf den Tourismus wäre sie auch betroffen. „Mehr als 75 Prozent der Insel-Bewohner sind schätzungsweise gegen den Tunnel. Die meisten fürchten nicht nur die Umweltschäden, die trübe Ostsee und dass der Tourismus über Jahre hinweg ausbleibt, sondern auch furchtbar viel Verkehr.“

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Tatsächlich könnte die Infrastruktur der kleinen Ostsee-Insel schnell an ihre Grenzen geraten. Einige Tunnel etwa seien nicht mal hoch genug für die großen Baumaschinen, so Karin Neumann. Sie fürchtet daher, dass zahlreiche Lkw und andere Baustellenfahrzeuge in Zukunft täglich ihren Ort durchqueren.

„Dass Fehmarn die Ursprünglichkeit verliert und uns der Tourismus wegbricht. Wir merken ja jetzt in Corona-Zeiten, wie abhängig wir davon sind.“ Dass die Ruhe und die Idylle hier verschwinden, die Natur und die Robben, davor hat die Sprecherin des Bündnisses Angst.

Ostsee: Verkehrsminister Scheuer: „Eine Riesenchance für Europa“

25 Jahre der Planung liegen hinter dem milliardenschweren Bauprojekt. „Eine der größten Bauarbeiten der dänischen Geschichte kann jetzt beginnen“, sagte der dänische Verkehrsminister Benny Engelbrecht beim Start der Bauarbeiten am 1. Januar 2021 in Rødby.

Sein deutscher Kollege begrüßte den Beginn der Arbeiten ebenfalls. „Dieses Projekt ist eine Riesenchance für Europa“, so Andreas Scheuer. Die dänische Regierung wird einen Großteil der Baukosten für den Rekord-Tunnel übernehmen, einen geringen Teil trägt auch die EU.

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In acht Jahren sollen die ersten Autos und Züge die neue Röhre durchfahren. Nach der Fertigstellung wäre die Fehmarnbeltquerung der längste und tiefste kombinierte Tunnel der Welt. Innerhalb von 45 Minuten sollen Reisende dann von Lolland nach Fehmarn gelangen können.

Ostsee: Umweltschützer warnen vor Gefahren für Natur und Tier

Gegner des Projektes fürchten neben Auswirkungen auf den Tourismus auch Gefahren für die Umwelt. So macht etwa der NABU auf die Situation von bedrohten Schweinswalen, Fischen und Riffen aufmerksam. Durch Baulärm, verklappte Munition und das aufgewühlte Sediment gehe eine Gefahr für das empfindliche Ökosystem aus.

„Wir haben große Sorge vor dem, was da in der Ostsee ausgebuddelt wird. Denn da liegt ja reichlich Munition im Wasser. Es ist eigentlich Sache der Bundesregierung, die da rauszuholen. Und jetzt ist es noch nicht mal einem Richter wichtig, ob da eventuell eine Bombe hochgeht und Menschen dabei verletzt werden“, klagt auch Karin Neumann.

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Weiter macht sie darauf aufmerksam, dass der Tunnel nicht mehr zeitgemäß sei. „Wir haben das große Klimathema, wir haben das große Umweltthema. Dauernd hören wir, dass wir die Meere schützen müssen. Aber wenn es dann wirklich darauf ankommt, sich daran zu halten, bekommen wir es nicht hin, die Natur und all diese Themen ernst zu nehmen“, mahnt die „Beltretterin“.

Zudem weist sie daraufhin, dass auch nach dem Leipziger Urteil viele Fragen offen seien. Es gebe zum Beispiel noch kein Gesetz für die Kostenübernahme für den Brandschutz im Tunnel.

Einem Urteil aus Schleswig zufolge müssten sich das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Fehmarn jedoch gesetzlich darauf einigen, wer welchen Anteil der Kosten übernimmt. Ein Konzept für den Brandschutz gebe es laut Neumann noch gar nicht. Doch auch das muss noch vor Baubeginn auf deutscher Seite vorliegen.

Abgeschnittene Orte durch neue Bahntrassen

Nicht nur auf Fehmarn bangen Anwohner um ihre Zukunft. Auch im Hinterland, vor allem im Kreis Ostholstein, machen sich Sorgen breit. Hier plant die Bahn für 2021/2022 den Baubeginn einer neuen Trasse für den Güterverkehr, der ab Fertigstellung durch den Tunnel rollt. Die Kosten für die Hinterlandanbindung sind bereits vor Baubeginn von rund 800 Millionen auf mittlerweile 2,2 Milliarden Euro gestiegen.

„Im Hinterland ist es ganz dramatisch. Da werden ganze Ortschaften durchschnitten und durchtrennt. Es wird viele Bahnüberquerungen geben, die sich die Gemeinden eigentlich gar nicht leisten können“, sagt Neumann. Auch der entstehende Lärm durch den Güterverkehr sei ein Problem. „Es gibt ein Urteil aus Bad Schwartau. Demnach darf nicht ein einziger Zug fahren, bevor der Lärmschutz nicht abschließend geklärt ist“, weiß Karin Neumann.

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Aus höherer Instanz erfolgte im vergangenen Jahr ebenfalls Kritik. So äußerte der Rechnungshof der Europäischen Union in einem Sonderbericht Zweifel an dem volkswirtschaftlichen Nutzen des Projektes.

Fahrgastprognosen hätten ergeben, dass die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn zwischen Hamburg und Kopenhagen mitunter wirtschaftlich nicht tragfähig sei. Nach Fertigstellung des Tunneln würden möglicherweise nur rund eine Million Fahrgäste die Querung nutzen.

Derzeit prüft das „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung“ das Urteil aus Leipzig. Im Anschluss erwägen die Aktivisten einen weiteren Schritt vor das Bundesverfassungsgericht. Im Ringen um den Milliarden-Tunnel ist also noch kein Ende in Sicht.

Auch Kritik auf der Ostsee-Insel Usedom

Auch auf Usedom gibt es Kritik an einem Mega-Projekt. Es ist nur wenige Kilometer entfernt von der Ostsee-Insel geplant – könnte aber erhebliche Auswirkungen haben.

Warum und welche Folgen es haben könnte, kannst du >> hier nachlesen!