Ostsee: Für diese Geister-Insel gab es große Pläne – jetzt könnte alles vorbei sein

An der Ostsee gibt es eine Halbinsel, die einer Geister-Stadt gleichkommt.
An der Ostsee gibt es eine Halbinsel, die einer Geister-Stadt gleichkommt.
Foto: imago images/Rolf Zöllner

Nichts geht mehr auf dieser verlassenen Insel in der Ostsee.

Die Rede ist von der Halbinsel Wustrow. Vor mehr als zwei Jahrzehnten kaufte der Investor Anno August Jagdfeld die insgesamt 1.000 Hektar große Insel in der Ostsee. Doch die Pläne von damals sind bis heute nicht umgesetzt. Und das hat einen Grund.

Ostsee: Die Halbinsel Wustrow war einst von Nazis besetzt

Einst errichteten die Nazis auf Wustrow eine Offizierssiedling, mehrere Kasernen, ein Schwimmbad, ein Kaufhaus, ein Kino und einen riesigen Schießplatz. 3.000 Soldaten waren hier stationiert.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das zweitgrößte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Von 1945 bis 1949 waren Flüchtlinge auf der Insel untergebracht. Dann beschlagnahmte die Roten Armee Wustrow. 1993 zogen die letzten Russen ab und die verbliebenen Gebäude wurden unter Denkmalschutz gestellt.

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Das Problem: Die Insel war großflächig mit Munition und anderen Altlasten verseucht. 1998 dann verkaufte die Bundesrepublik Deutschland die Halbinsel für 12,5 Millionen Deutsche Markt an Jagdfeld.

Investor hatte große Pläne für die Ostsee-Halbinsel

Der Investor wollte auf 99 Hektar ein Hotel, eine Gartenstadt mit Ferienhäusern und Eigentumswohnungen, Seglerhafen, Reiterhof und Golfplatz errichten. Die restlichen 900 Hektar sind dem Naturschutz vorbehalten. Doch gültige Bebauungspläne gibt es laut NDR bis heute nicht.

Denn die Insel gehört zur Gemeinde Rerik. Und dessen Stadtvertreter hatten schon damals etwas gegen den Verkauf der Halbinsel an Jagdfeld. Der Widerstand hält bis heute an.

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Zwar vereinbarten seinerzeit Investor und Gemeinde einen städtebaulichen Vertrag. Und auch ein Raumordnungsverfahren wurde begonnen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet. Aber jetzt haben die Stadtvertreter alle Planungsverfahren für Wustrow gestoppt.

Stadtvertreter stoppen Pläne für Ostsee-Halbinsel

„Die Pläne sind ungefähr neun Jahre nach der Wende entstanden. Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen. Und es passt einfach nicht mehr, was da geplant war“, begründet Maria Pinkis, SPD-Stadtvertreterin die Entscheidung beim NDR.

Die Ostee-Halbinsel Wustrow aus der Luft.

Und auch Karen Siegert, ehemalige Pastorin und ebenfalls SPD-Stadtvertreterin, sagt: „Es ist so ein Schnitt gemacht worden und jetzt denken wir neu.“

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Der parteilose Stadtvertreter Kai Kloss hingegen war gegen einen Planungsstopp. Er findet, dass die Halbinsel Wustrow endlich entwickelt werden muss – am besten für zahlungskräftige Urlauber.

Investor ist regelmäßig auf der Ostsee-Halbinsel

Für Jagdfeld ist es der nächste Rückschlag in 23 Jahren, seitdem er die Insel erworben hat. Gerade lässt der Investor dort Bäume fällen und Sträucher beseitigen – laut eigener Aussage zum Natur- und Artenschutz. Um Neugierige fernzuhalten, ist Wustrow heute mit Zaun und Wachschutz abgeriegelt.

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Das ist die Halbinsel Wustrow:

  • Wustrow ist eine 1000 Hektar große Halbinsel in der Mecklenburger Bucht südwestlich von Rerik
  • Zwischen den 1930er und 1990er Jahren war die Halbinsel militärisch genutzt
  • Auch nach Abzug der Militärs blieb Wustrow für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich
  • Der südwestliche Teil der Halbinsel ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen

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„Wir haben damals im guten Glauben die Halbinsel erworben, dass uns der Bund und die Stadt erklärt haben, wir können hier bauen. Und wir sind mit vielen Dingen in Vorleistung getreten“, sagt Jagdfeld, der regelmäßig herkommt.

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Insgesamt 90 Millionen D-Mark sollte Jagdfeld investieren, doch das ist nie passiert. Auch, weil sich Bürgermeister und Stadtvertretung nicht durchringen konnten, die Neubaupläne für Wustrow in rechtsgültige Bebauungspläne umzuwandeln.

Immer wieder Ärger um die Ostsee-Halbinsel

Doch nicht nur deshalb gibt es Ärger. Bereits im Jahr 2003 hat Rerik den „Wustrower Hals“ – die einzige Zufahrtsmöglichkeit zur Halbinsel – komplett für den Verkehr gesperrt. Ohne diesen Zugang sind keine Bauarbeiten möglich.

Dennoch gibt Anno August Jagdfeld laut des Berichts nicht auf: „Das Potential ist riesig und es wäre auch zum Vorteil von allen. Es gibt niemanden, auch in Rerik, der einen Nachteil davon hat.“

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Deshalb hatte der Investor auch schon angeboten, die Insel nur niedrig und kleinteilig zu bebauen. „Wir können im Grunde über alles sprechen“, so Jagdfeld. Doch es scheint, als hätte die Gemeinde inzwischen ganz andere Pläne.

Einheimische haben andere Pläne für die Ostsee-Halbinsel

Denn in Rerik hat sich die Zahl der Gästebetten seit 2005 verdoppelt. 2019 zählte das kleine Ostseebad 476.179 Übernachtungen. Und das bei lediglich knapp über 2.000 Einwohnern.

Daher wünschen sich viele Einheimische und Gäste laut NDR, dass auf Wustrow ein Naherholungsgebiet für die Stadt entsteht. Jagdfeld hingegen hofft, dass bei den nächsten oder übernächsten Kommunalwahlen verständigere Stadtvertreter gewählt werden.

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„Wir sind ein Familienunternehmen. Ich habe fünf Söhne, sieben Enkel - dann machen wir es eben später. Bei solchen Projekten braucht man eben Geduld“, so der Investor. Es wird auf der Halbinsel in der Ostsee also wohl vorerst geisterhaft bleiben. (mk)