Ostsee: Hier wird die Impf-Hoffnung von „Johnson & Johnson“ getestet – wird sie die große Rettung?

Robin Grützmacher
Professor Emil Reisinger, Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock an der Ostsee, forscht mit am Impfstoff von „Johnson & Johnson".
Professor Emil Reisinger, Wissenschaftlicher Vorstand und Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock an der Ostsee, forscht mit am Impfstoff von „Johnson & Johnson".
Foto: imago images / Fotoagentur Nordlicht / Martin Wagner

Der Start der Impfkampagne in Deutschland lässt viele Menschen frustriert zurück. Nach etwa einem Monat wurden nicht einmal zwei Millionen Bürger geimpft. Die neue Hoffnung nach BioNTech, der Impfstoff des Herstellers AstraZeneca, der wohl Freitag die EU-Zulassung erhält, wird enttäuschenderweise zunächst deutlich weniger Dosen an die EU liefern, als geplant. Aber es gibt noch eine weitere große Hoffnung, auf die sich die Augen der Welt bald richten. Und ein Ort an der Ostsee spielt dabei eine Rolle.

Es handelt sich um den Impfstoff des Unternehmens „Johnson & Johnson“. Er könnte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass die Impf-Situation bald besser wird und mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Einige Menschen an der Ostsee tragen das Produkt bereits in sich.

Ostsee: Rostocker leitet Studie

Denn „Johnson & Johnson“, beziehungsweise das Tochterunternehmen „Janssen", testet seinen Impfstoff weltweit auf drei Kontinenten – und auch an Menschen in Norddeutschland. Der Leiter der deutschen Studie ist Professor Emil Reisinger von der Universität Rostock. Auf Nachfrage von MOIN.DE bestätigt er, dass den Impfstoff hierzulande Freiwillige in Rostock, Hamburg und Berlin erhalten haben.

Die entscheidenden Zwischenergebnisse, ob der Impfstoff wirkt, können laut „Johnson & Johnson" schon „Ende Januar", also jetzt in Kürze, vorliegen. Oder in der ersten Februarwoche. Das sagte Finanzvorstand Pascal Hoorn dem Sender CNBC.

Die Universität Rostock startete im letzten Jahr einen Aufruf zur Suche nach freiwilligen, gesunden Erwachsenen ab 65 Jahren, die dann geimpft wurden. Über einen Zeitraum von 15 bis 17 Monaten stellen die Probanden sich elf- bis dreizehnmal im Studienzentrum der Unimedizin vor und erhalten eine Aufwandsentschädigung. Auch nach Veröffentlichung der Zwischenergebnisse stehen sie noch lange unter Beobachtung.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das zweitgrößte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Ostsee: Keine Aussage zur laufenden Studie

Seit dem Aufruf der Universität Rostock sind nun einige Monate vergangen, die alles entscheidenden Fragen zur Wirksamkeit gegen das Coronavirus und möglichen Nebenwirkungen will Professor Reisinger auf Anfrage noch nicht vorwegnehmen. „Zur laufenden Studie kann ich leider keine Aussagen treffen, ich bitte um Verständnis."

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Da gilt es also nach wie vor, gespannt auf die offizielle Mitteilung des Unternehmens zu warten, inwiefern der Impfstoff die Probanden gegen das Virus geschützt hat.

Es habe keine schwerwiegenden Ereignisse gegeben, berichtete kürzlich der NDR in Bezug auf Nebenwirkungen.

Die Ergebnisse von Tests an nichtmenschlichen Primaten wurden von Johnson bereits veröffentlicht. Diese hatten schon nach nur einer Spritze in der Folgezeit einen vollständigen oder beinahe vollständigen Schutz gegen das Coronavirus entwickelt.

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Auch bei Menschen zeigten sich positive Reaktionen nach der ersten Spritze, wie das Unternehmen im Januar mitteilte.

Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, wäre das eine entscheidende Verbesserung gegenüber den Impfstoffen von BioNTech, Moderna und AstraZeneca, wo es zwei Spritzen im Abstand von einigen Wochen braucht. Das Impftempo könnte sich mit dem Johnson-Impfstoff also deutlich steigern.

Auch muss dieser nicht stark gekühlt werden, Hausärzte können ihn im Kühlschrank aufbewahren und verimpfen. So könnten viele Menschen in kurzer Zeit eine Dosis erhalten.

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Ostsee: Keine Aussage zur laufenden Studie

Laut der persönlichen Einschätzung des Rostockers wäre eine Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) „vielleicht Ende Februar oder Anfang März" möglich. Das Unternehmen reicht dort schon seit längerer Zeit laufend Studiendaten ein, EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erwartet den Antrag im Februar.

Mut macht auch, was der Vorstandsvorsitzende von „Johnson & Johnson", Alex Gorsky, laut „Handelsblatt" auf einer Konferenz sagte: Seine Firma könne in der ersten Jahreshälfte Hunderte Millionen Impfstoffdosen produzieren. Für das Gesamtjahr plane er knapp eine Milliarde. Die EU hat sich insgesamt 200 Millionen Dosen gesichert, mit Option auf weitere 200 Millionen.

Nur eine Spritze, von Hausärzten verimpft, ein großes Bestellvolumen und ein Konzern, der Hunderte Millionen Dosen produziert, dieses Potential klingt in der aktuellen Lage fast zu schön, um wahr zu sein. Ob der Johnson-Impfstoff der große Wurf wird? Der Rostocker Mediziner ist verhalten optimistisch. „Diese Antworten können meines Erachtens erst nach der Zulassung gegeben werden", sagt er.

Auch die Wirksamkeit gegenüber den Virusmutationen muss geklärt werden.

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Sollte die Zulassung nun tatsächlich in ein paar Wochen erfolgen und sich die Hoffnungen bestätigen, wird der Impfstoff in aller Munde sein. Und Menschen aus Norddeutschland ihren kleinen Teil dazu beigetragen haben, dass es eine weitere Waffe im Kampf gegen die Pandemie gibt.