Penny in Schleswig-Holstein: Mitarbeiterin kann nicht glauben, was sie hier schon zweimal erlebte

Vivien Piecek, Stellvertretende Marktleitung eines Penny-Markts in Elmshorn, hat MOIN.DE von ihren Erfahrungen während der Pandemie erzählt.
Vivien Piecek, Stellvertretende Marktleitung eines Penny-Markts in Elmshorn, hat MOIN.DE von ihren Erfahrungen während der Pandemie erzählt.
Foto: IMAGO / foto2press / privat

Homeoffice – das kommt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Supermärkten nicht in Frage. Sie sitzen an der Kasse, räumen Regale ein und sind, – wenn auch idealerweise mit Abstand – immer in Kontakt mit Kundinnen und Kunden. Und das seit einem Jahr unter Pandemiebedingungen. Wie das ist, darüber hat MOIN.DE mit Vivien Piecek gesprochen. Sie arbeitet bei Penny in Schleswig-Holstein.

Vivien ist Stellvertretende Marktleitung in einer Penny-Filiale in Elmshorn in Schleswig-Holstein.

Penny in Schleswig-Holstein: „Die Motivation, Maske zu tragen, lässt nach“

Angesprochen auf die allgemeine Stimmung antwortet Vivien: „Wo ist die schon wirklich gut gerade?“ Leider sei keine große Hoffnung oder eine Perspektive auf Besserung in Sicht. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Schleswig-Holstein ist zuletzt weiter leicht gestiegen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen lag am Sonntag bei 68,5 (MOIN.DE berichtete).

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Zwei Kreise überschritten die wichtige Marke von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Darunter Pinneberg (110,1), der Kreis, in dem Vivien arbeitet.

Die 27-Jährige sagt, sie sie fühle sich bei der Arbeit keinem hohen Risiko ausgesetzt. „Wir sind sehr vorsichtig.“ Teilweise würden sie mit Handschuhen arbeiten, es gebe Desinfektionsmittelspender, alle tragen Masken. Sie merke bei den Kundinnen und Kunden jedoch, dass die Motivation, Maske zu tragen, nachlasse, vor allem bei den Älteren.

„Wir müssen immer wieder daran erinnern und darauf hinweisen, dass es eine Maskenpflicht gibt und dass man die Maske auch richtig tragen muss.“ Über Mund und Nase nämlich.

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Penny in Schleswig-Holstein: „Die Leute suchen jetzt eher den Austausch“

Richtig schlechte Erfahrungen habe sie in dem Jahr Pandemie noch nicht gemacht. Was Viven aufgefallen ist in dieser Zeit: „Die Leute suchen jetzt eher den Austausch.“ Der Supermarkt ist einer der wenigen Orte, an dem sich Menschen überhaupt noch begegnen.

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Das ist Schleswig-Holstein:

  • Schleswig-Holstein ist Deutschlands nördlichstes Bundesland
  • Die Landeshauptstadt Kiel ist mit rund 247.000 Einwohnern auch die größte Stadt in Schleswig-Holstein
  • Schleswig-Holstein zählt rund drei Millionen Einwohner
  • Fehmarn ist die einzige Ostsee-Insel Schleswig-Holsteins und die größte des Bundeslandes
  • Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland gehört zu Schleswig-Holstein
  • Zu Schleswig-Holstein gehören die bei Touristen beliebten nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr
  • Mit knapp 100 Kilometern Länge durchquert der Nord-Ostsee-Kanal ganz Schleswig-Holstein

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Neulich sei sie zum Beispiel mit einer Alleinerziehenden eines siebenjährigen Kindes ins Gespräch gekommen. Die Mutter habe ihr erzählt, dass sie mit der Situation einfach völlig überfordert sei. Die Pandemie verlangt insbesondere von Eltern viel ab.

Auch wenn Vivien sagt, sie fühle sich ziemlich sicher im Markt, würde sie sich wünschen, dass das Supermarktpersonal schnell geimpft wird. „Wir sollten da viel früher dran sein. Wir kommen mit vielen Leuten in Kontakt und es fühlt sich schon so an, als würden wir in der Corona-Krise komplett vergessen werden.“

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Das ist Penny:

  • wurde 1973 gegründet, Zentrale in Köln
  • rund 2.135 Filialen in Deutschland
  • gehört zur Rewe Group
  • 2007 massive Expansion durch Übernahme von Plus-Filialen
  • Umsatz 2018: rund 12,4 Milliarden Euro
  • noch in sechs weiteren Ländern in Europa tätig (Italien, England, Frankreich, Ungarn, Spanien, Tschechien)

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Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind, zählen gemäß Corona-Impfverordnung des Bundes zur Gruppe mit erhöhter Priorität. Davor kommen Personen mit hoher und höchster Priorität.

Penny in Schleswig-Holstein: Die Osterruhe nennt sie „einen blöden Witz“

Aufmerksamkeit erhielten die Supermärkte von der Politik vor wenigen Tagen, als plötzlich die Osterruhe auf den Tisch kam. Dieser Plan hatte vorgesehen, dass am Gründonnerstag alles runterfährt, auch die Supermärkte. Kein Einkaufen bei Penny, Rewe, Aldi, Edeka und Co. an diesem Tag.

Bundeskanzlerin Merkel machte jedoch einen Rückzieher. Aus der Osterruhe wird nichts, die Läden bleiben offen (MOIN.DE berichtete).

Geschlossene Supermärkte am Gründonnerstag hielt Vivien für „einen blöden Witz“. Zum Glück sei diese Idee wieder verworfen worden. „Dann wären am Mittwoch umso mehr Leute einkaufen gegangen.“ Traditionell sei Gründonnerstag der umsatzstärkste Tag im Jahr. Vivien und ihrem Team stehen jetzt intensive Tage bevor.

Penny in Schleswig-Holstein: DAS kann sie bis heute nicht glauben

Wäre die Osterruhe gekommen, dann hätten die Leute vorher wahrscheinlich wieder Unmengen an Klopapier gekauft, sagt Vivien. Das kann sie bis heute nicht glauben: „Wie viel Klopapier die Leute im ersten Lockdown gekauft haben.“ Und nicht nur dann.

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Als der zweite Lockdown begann, sei es nochmals genau das Gleiche gewesen. Dabei sollte eines inzwischen klar sein, so die stellvertretende Marktleiterin: „Klopapier haben wir wirklich genug.“