Rügen: Kulthotel-Abriss sorgt für viel Ärger – „Alles Quatsch“

Bagger reißen im Ostseebad Sellin auf der Insel Rügen das Hotel „Kurhaus Sellin“ ab
Bagger reißen im Ostseebad Sellin auf der Insel Rügen das Hotel „Kurhaus Sellin“ ab
Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer

Nichts sorgt aktuell auf Rügen für so viel Ärger, wie der Abriss des Traditions-Hotels „Kurhaus Sellin“ an der Seebrücke.

Erst im Jahr 2001 wurde das mittlerweile weitgehend abgerissene Hotel auf Rügen neu eröffnet. Jetzt muss es einem noch größeren weichen. Dafür gibt es sehr viel Kritik. Ausgerechnet der Nachbar des Superhotels unterstützt das Vorhaben des Investors.

Rügen: Bauvorhaben bekommt Unterstützung

Es sind die Betreiber des „Blockhaus Glückswinkel“, das nur ein paar Meter weiter vor der Selliner Seebrücke liegt. Viel Lärm und Staub rund um die Uhr – seit Monaten. Eigentlich müsste das doch gewaltig nerven. Das wird auch so die nächsten zwei Jahre weiter gehen, wenn hier das neue Superhotel mit drei Gebäuden gebaut wird.

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Klaus Thetmann und Eric Krause, Vater und Sohn, betreiben gemeinsam Restaurant und Pension im „Glückswinkel“. „Der Abriss war kein Geheimnis. Es gab damals die wildesten Pläne und Gerüchte. Der jetzige Investor ist die beste Wahl“, sagt Eric Krause der „Ostsee-Zeitung“ (Oz).

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Rügen ist zehnmal größer als Sylt
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Rügen: „Falsche Signal, Steine in den Weg zu legen“

Er ist genervt davon, dass viele Insulaner und Urlauber den Abriss und Neubau krisieren.

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„Das Konzept im Kurhaus hat nicht funktioniert. Warum auch immer. Mit der alten Substanz konnten die Investoren ihr neues Konzept nicht verwirklichen. Also reißen sie ab und bauen neu. Das ist doch okay. Jeden Tag wird überall etwas gebaut. Es ist das falsche Signal, ihnen Steine in den Weg zu legen. Das Ergebnis zählt. Ein Ort braucht Investoren, jemanden, der etwas macht,“ erzählt Krause.

Sicher würde auch nicht jedem diese Meinung passen, weshalb ihnen viel vorgeworfen wird. „Manche denken, wir haben Geld bekommen oder etwas von unserem Grundstück verkauft. Alles Quatsch.“

Rügen: Vom Konzept nicht überzeugt

Auch Klaus Thetmann war nicht vom Konzept des ehemaligen Hotels überzeugt. „Das Kurhaus hatte keinen Wellness-Bereich und keinen Pool und deshalb im Winter zu. Die Gäste verlangen aber so etwas.“

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Mit der Baustelle habe er keine Probleme, meint er. In den letzten 30 Jahren habe er einige Baustellen um sich herum miterlebt. Mit Abstand die schlimmste sei der Abriss des „Friedens“ gewesen, dem Vorgänger des Kurhauses, sowie dem dann folgenden Kurhaus-Bau.

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„Wir dachten, uns fällt die Hütte über dem Kopf zusammen. Wir lebten in Mist und Dreck und Lärm“, sagt Thetmann der „Oz“. Auch erinnert er sich noch an das Türmchen, das falsch gebaut wurde. Es habe abgerissen und wieder neu gebaut werden müssen.

Rügen: Es gibt auch Sorgen

Die Betreiber fühlen sich von den jetzigen Bauherren mitgenommen. Der Abriss sei strukturiert, transparent und laufe vernünftig ab, die Bauleitung sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

Auch bestehe keine Angst, als kleines Blockhaus zwischen den großen Neubauten unterzugehen. „Nein, wir sind wie ein Pförtnerhäuschen, ein Kleinod mit Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Thetmann. Natürlich werden wohl Gäste von gegenüber einmal über ihren Terrassentisch schauen können, aber das störe nicht.

Sorgen haben sie aber trotzdem. Zum Beispiel, dass das Haus Risse bekommen oder sogar ins Rutschen kommen könnte. Zur Standsicherung des Neubaus müssen Stahlspundbohlen zwölf Meter tief in die Erde gebohrt werden.

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„Und zwar unter unser Grundstück“, so Thetmann. Aber er ist froh, dass während den Bauarbeiten ein Schutzzaun errichtet worden ist. (oa)