Rügen: SIE haben es schwer! „Das ist alles nur noch unglaublich traurig“

Das Hafenbecken von Lauterbach auf Rügen am Morgen.
Das Hafenbecken von Lauterbach auf Rügen am Morgen.
Foto: imago images / Dieter Mendzigall

Viele Branchen haben es in dieser Zeit schwer. Hotels und Restaurants wurden im vergangenen Jahr mehrfach geschlossen – auch der Einzelhandel schaut durch den Lockdown in die Röhre. Die Maßnahmen sollen helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Doch Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel sind nicht die einzigen Branchen, denen es schlecht geht. Das wird gerade auf der Insel Rügen deutlich.

Das Ganze hat noch nicht einmal zwingend mit dem Coronavirus zu tun. Denn schon seit vielen Jahren befindet sich die Fischerei in der Dauerkrise. Als Resultat daraus verabschiedet sich jetzt ein beliebter Laden aus dem Hafen von Lauterbach auf Rügen.

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Rügen: Beliebter Laden wird für immer geschlossen

An Silvester standen die Menschen hier noch Schlange. Doch im Fischladen von Rotraud Hoge in Lauterbach ist jetzt Schluss. Der auf ganz Rügen und darüber hinaus beliebte Laden macht für immer dicht.

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Nun putzt die 66-Jährige die Auslagen, in denen vor wenigen Tagen noch Neujahrskrapfen, Räucherware oder der eigene selbstgemachte Heringssalat angeboten wurden. „Das ist alles nur noch unglaublich traurig“, sagt Rotraud Hoge dem „Nordkurier“.

Mehr als 30 Jahre lang wurde hier Fisch an Einheimische und Urlauber verkauft. Doch weil sich die Fischergenossenschaft Insel Vilm Lauterbach, gegründet im Dezember 1959, aufgelöst hat, wird auch das betriebseigene Geschäft aufgegeben.

DAS macht den Fischern auf Rügen zu schaffen

Schuld daran sind einerseits die ständig gekürzten Fangquoten durch die EU und Fischereiverbote. Aber auch die zunehmende Konkurrenz durch Fressfeinde wie den Kormoran und die inzwischen im Greifswalder Bodden ansässigen Kegelrobben machten es den Fischern zuletzt schwer.

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Bereits im Sommer 2020 hatte sich der Landesfischereiverband Mecklenburg-Vorpommern aufgelöst. Und auch der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer steht nach eigenen Angaben wegen schwindender Mitgliederzahlen vor der Pleite.

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Rügen ist zehnmal größer als Sylt
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Die Zahlen verdeutlichen, wie schlecht es um die Fischerei an der ostdeutschen Küste steht: Laut „Nordkurier“ wurden im Jahr 2010 noch 13.974 Tonnen Fisch angelandet. 2019 waren es nur noch 8.233 Tonnen. Und für 2020 wird wegen der weiter gesenkten Fangquoten noch weniger erwartet.

Ein kleiner Lichtblick für die Menschen auf Rügen

In Lauterbach auf Rügen waren zuletzt nur noch zwei von neun Männern aktiv im Fischfang unterwegs. Einer von ihnen ist Jens Engelbrecht.

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Der Fischer will sich nicht unterkriegen lassen und seinen Kutter „Jasmund“ umbauen, um voraussichtlich Ende März als Fischverkaufskutter an den Markt gehen zu können. So soll wenigstens ein Teil der Stammkundschaft und fischhungrigen Inselgäste weiter versorgt werden.

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„Warum soll das nicht laufen“, gibt sich Engelbrecht beim „Nordkurier“ zuversichtlich. Er will künftig weiter Räucherware und Frischfisch anbieten. „Und auch das Lauterbacher Fischbrötchen wird es wieder geben“, verspricht er. (mk)