Sankt Peter-Ording: Menschen erinnern sich an dunkle Zeiten im Küstenort – „War die Hölle“

Menschen am Strand von Sankt Peter-Ording
Menschen am Strand von Sankt Peter-Ording
Foto: imago images

Das Urlaubsparadies Sankt Peter-Ording verbinden die meisten Menschen mit dem Meer, dem Strand, der Weite, Urlaub und einer guten Zeit.

Aber es gibt auch Menschen, die sich an düstere Zeiten in dem Küstenort an der Nordsee erinnern. Die als Kinder in Sankt Peter-Ording waren und jetzt zurückreisen, um gemeinsam Licht in das Dunkel von damals zu bringen.

Sankt Peter-Ording: Erfahrungen von Gewalt und Einschüchterung

Zwischen den 1950er und 1980er Jahren haben zahlreiche Kinder jeweils mehrere Wochen in Kindererholungsheimen in Nordfriesland verbracht. In vielen Heimen stand die schwarze Pädagogik im Fokus, zu der Gewalt, Einschüchterung und Erniedrigung gehören.

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Mehrere tausend Personen haben sich inzwischen einer Initiative angeschlossen, die die Geschehnisse von damals aufarbeitet. Die ehemaligen Verschickungskinder tauschen sich über ihre Erfahrungen und fordern eine Aufarbeitung. Auf „verschickungsheime.de“ teilen viele von ihnen ihre Erinnerungen.

Über seinen Aufenthalt in Sankt Peter-Ording schreibt dort ein Mann, dass der Aufenthalt an der Küste hätte helfen sollen, den damals eher ängstlichen Bruder davon zu überzeugen, dass so etwas ein schöner Urlaub sein könne.

„Was dann folgte war allerdings eher die Hölle. Das Ganze glich einem Kindermastbetrieb mit Zwangsessen. Und das Essen war schrecklich. Es wurde uns aus Waschwannen mit Schöpfkellen auf die Teller geklatscht.“

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Das ist Sankt Peter-Ording:

  • Der Küstenort Sankt Peter-Ording liegt im Südwesten der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein.
  • Sankt Peter-Ording ist in vier Ortsteile gegliedert: Böhl, Bad, Dorf (Süd) und Ording. Dort leben insgesamt 3.997 Menschen.
  • Nach den Übernachtungszahlen ist Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein das führende Seebad auf dem Festland. 2019 zählte der Küstenort 1.617.211 touristische Übernachtungen.
  • Sankt Peter-Ording hat als einziges deutsches Seebad eine eigene Schwefelquelle und trägt daher die Bezeichnung „Nordseeheil- und Schwefelbad“.
  • Bekannt ist der Küstenort auch für seine Pfahlbauten am Strand.
  • Von 1994 bis 1997 wurde in Sankt Peter-Ording die ARD-Serie „Gegen den Wind“ produziert.

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Das Taschengeld sei direkt bei Anreise eingezogen worden. „Wir mussten Karten nach Hause schreiben, deren Inhalt vorgegeben wurde.“ Bis heute sei Sankt Peter-Ording für ihn ein Tabu, so der Mann.

Sankt Peter-Ording: „Eine ungerecht wirkende Betreuerin“

Eine Frau berichtet von einem sechswöchigen Aufenthalt in dem gleichen Haus 1957. Damals war sie fünf Jahre alt. Wegen eines Keuchhustens sollte sie an die Küste.

Ihr sei „eine ungerecht wirkende Betreuerin“ aufgefallen. Am Ende der „Kur“ habe sie ihr aufgetragen, niemandem von den Erlebnissen zu erzählen.

Andere ehemalige Verschickungskinder sind jetzt nach Sankt Peter-Ording zurückgekehrt. Von Mittwoch, 2. Juni, bis Sonnabend, 5. Juni, macht sich dort eine neunköpfige Gruppe auf die Suche nach eigenen Erinnerungen, wie die „Husumer Nachrichten“ berichtet.

Einer von ihnen ist demnach TV-Journalist Thilo Eckoldt, der selbst ins Nordseebad verschickt worden ist.

Sank Peter-Ording: Aufarbeitung ist angestoßen

Die Publizistin Anja Röhl hat ein Buch über dieses düstere Kapitel der Geschichte ein Buch geschrieben: „Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt“.

Sie hat im Jahr 2019 den Verein zur Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung gegründet. Dieser bemüht sich um eine Aufarbeitung von Bundesländern und Bund sowie um Forschungsvorhaben.

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Wie der „Deutschlandfunk“ im Frühjahr berichtete, fand im Januar 2021 ein erstes Gespräch zwischen dem Verein zur Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung sowie den beteiligten Ministerien statt. Mit am Tisch saß demnach die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Sie habe eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben zur Frage, ob die Vorgänge in Kinderkurheimen systematisch aufgearbeitet werden können. (kbm)