Schleswig-Holstein: In diesem Dorf versteckte sich einst ein RAF-Terrorist – ein Detail gibt bis heute Rätsel auf

In diesem Dorf in Schleswig-Holstein versteckte sich eins ein im ganzen Land gesuchter Terrorist.
In diesem Dorf in Schleswig-Holstein versteckte sich eins ein im ganzen Land gesuchter Terrorist.
Foto: imago stock&people & picture-alliance/ dpa

20 Kilometer östlich von Hamburg liegt die idyllische Gemeinde Aumühle. Gerade einmal 3.265 Einwohner zählt das beschauliche Dorf in Schleswig-Holstein.

Bekannt ist Aumühle für die malerische Lage im Sachsenwald, dem größten Waldgebiet von Schleswig-Holstein. Als ehemaliger Wohnsitz von Reichskanzler Otto von Bismarck erlangte vor allem der Ortsteil Friedrichruh eine historische Bedeutung.

Schleswig-Holstein: Hier versteckte sich ein Terrorist

Doch nicht nur der bekannte Politiker lebte dort. Vor rund 40 Jahren versteckte sich einer der meistgesuchtesten Verbrecher des Landes in Friedrichsruh.

Die Rede ist von Christian Klar, einem ehemaligen Terroristen der „Rote Armee Fraktion“ (RAF).

1976 trat der damals 24-Jährige der linksextremistischen Vereinigung bei und galt seither als einer der führenden Köpfe der sogenannten zweiten Generation der RAF.

Schleswig-Holstein: Zahlreiche Verbrechen auf Klars Konto

Besonders in die Geschichte eingegangen ist die „Offensive 77“, eine Reihe brutaler Mordanschläge aus dem Jahr 1977, an denen Christian Klar maßgeblich beteiligt war.

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Das ist die RAF:

  • Die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) gründet sich im Frühjahr 1970 um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin.
  • Ziel der linksextremistischen Vereinigung war die radikale Veränderung des politischen Systems – auch mit Gewalt.
  • Einer Serie von Raubüberfällen folgt im Mai 1972 der erste Bombenanschlag der RAF auf das Hauptquartier der US-Armee in Frankfurt am Main.
  • Innerhalb weniger Monate nahmen die Ermittler nahezu alle Terroristen fest.
  • Währenddessen formierte sich die „zweite Generation“ der RAF, die immer brutalere Anschläge verübte.
  • Den Höhepunkt erreichte der Terror im Jahr 1977. Die „Offensive 77“ mündete mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer in den „Deutschen Herbst“ – einer der schwersten politischen Krisen der Republik.
  • 1998 erklärt sich die RAF als aufgelöst.
  • Die Terrorvereinigung ist verantwortlich für insgesamt 34 Morde, mehrere Banküberfälle, Geißelnahmen und Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten.

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Dazu zählt zum Beispiel die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, der in seinem Dienstwagen auf dem Weg zum Bundesgerichtshof von RAF-Terroristen auf einem Motorrad erschossen wurde.

Auch beim Attentat auf den Bankier Jürgen Ponto sowie bei der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer spielte Christian Klar eine wesentliche Rolle.

Verbrecher in Schleswig-Holstein festgenommen

Ebenfalls auf sein Konto gehen versuchte Morde, Raubüberfälle mit Todesfolgen und versuchte Anschläge, unter anderem ein Raketenattentat auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft, das jedoch scheiterte.

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Einige Jahre später, im November 1982, nahmen Polizeibeamte den Terroristen schließlich in Friedrichsruh fest. Wo genau sich Christian Klar bis dahin versteckt gehalten hatte, bleibt bis heute unklar.

Genaues Versteck in Schleswig-Holstein bleibt ein Rätsel

Laut NDR soll er im Keller des verlassenen Bahnhofsgebäude gelebt haben. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, die seit 2000 ihren Sitz im Bahnhofsgebäude hat, stellt jedoch klar, dass das Anwesen zur der Zeit gar nicht leer gestanden habe.

„Deshalb wäre es eben sehr wohl aufgefallen, wenn Klar im Keller gehaust hätte“, sagt er MOIN.DE. „Dass Christian Klar sich im Bahnhofsgebäude versteckt haben soll, kann ich nicht bestätigen.“

Waffenlager in Schleswig-Holstein

Tatsache ist jedoch, dass sich südlich des Bahnhofs in einer Tannenschonung ein Erdloch befand, das der RAF als unterirdisches Lager diente.

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Falsche Pässe, Waffen und rund 10.000 Mark soll die Terrorgruppe hier deponiert haben – und genau dort konnte Christian Klar von der Polizei überwältigt werden.

Beamte erfahren von Erdloch in Schleswig-Holstein

Bereits „im Oktober 1982 hatte die Polizei Frankfurts einen Lageplan für ein Erddepot entdeckt“, erklärt Ulrich Lappenküper MOIN.DE.

Bei der Festnahme von zwei anderen RAF-Mitlgiedern fanden die Beamten einen Codierungungsschlüssel, mit dem die genaue Lage des Erddepots in Friedrichsruh ermitteln werden konnte.

Terrorist fährt mit Fahrrad zum Waffenlager in Schleswig-Holstein

„Eine Sondereinheit observierte das Erdloch im Sachsenwald daraufhin mit einem Infrarot-Detektor, der am 16. November anschlug“, berichtet Ulrich Lappenküper.

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Mit einem Fahrrad sei Klar bis in die unmittelbare Nähe des Erdlochs gefahren. Vor Gericht musste sich der Terrorist wegen neunfachen Mordes und elffach versuchten Mordes verantworten.

Von Schleswig-Holstein aus vor den Richter

Das Urteil: Sechs Mal lebenslängliche Haft plus 15 Jahre Freiheitsstrafe – die schwerste Strafe, die jemals in einem RAF-Prozess ausgesprochen worden ist.

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1998 kam es zu einem weiteren Prozess, in dem das Stuttgarter Oberlandesgericht aufgrund der besonderen Schwere der Schuld die Mindesthaftdauer für Klar auf 26 Jahre festlegte.

Schleswig-Holstein: Klar kommt frei

Doch nur zehn Jahre später wurde der Terrorist in die Freiheit entlassen, seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Die Richter sahen keine Rückfallgefahr mehr und stuften Klar nicht mehr als Bedrohung für die Öffentlichkeit ein. Trotz hitziger Debatten wurde er Ende 2008 als dem Gefängnis entlassen

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Zuletzt arbeitete der ehemalige Terrorist sogar im Bundestag. Dort war als Webdesigner für Dieter Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linken, tätig.