Schleswig-Holstein: Lübeck hat ein trauriges Problem in der Stadt! Darum fühlen sich viele hier nicht sicher

Das Foto zeigt den Bahnhofsvorplatz vor dem Hauptbahnhof Lübeck (Symbolbild).
Das Foto zeigt den Bahnhofsvorplatz vor dem Hauptbahnhof Lübeck (Symbolbild).
Foto: imago/Olaf Malzahn

Lübeck. Die offene Drogenszene in Lübeck – es ist ein trauriges Problem, dass die Stadt in Schleswig-Holstein schon lange beschäftigt. Zunächst vom Krähenteich vertrieben, tummeln sich die Suchtkranken seit einiger Zeit am Bahnhof und in der City.

Vor allem am Klingenberg soll die Lage aktuell brisant sein – darüber hatte sich eine Frau kürzlich aufgeregt. MOIN.DE hat bei der Polizei, der Stadt Lübeck und der AWO Schleswig-Holstein nachgefragt, um mehr Hintergründe zu erfahren. Außerdem wollte die Redaktion wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden.

Schleswig-Holstein: Polizei und Stadt lösen „Drogentreff“ am Lübecker Krähenteich auf

Zunächst einmal muss man verstehen, wie es überhaupt dazu kam. Ursprünglich hielten sich die Suchtkranken am Lübecker Krähenteich auf. Weil es hier aber vermehrt Beschwerden von Anwohnern gab und diese sich nicht mehr sicher fühlten, schritt die Stadt im Oktober letzten Jahres ein.

Seinerzeit wurde eine „Sicherheitspartnerschaft“ zwischen der Hansestadt Lübeck – vertreten durch den Bürgermeister Jan Lindenau – und dem Leiter der Polizeidirektion Lübeck, Norbert Trabs, unterzeichnet. Sie hat das Ziel, die offene Drogenszene am Lübecker Krähenteich nachhaltig aufzulösen.

-----------------------------------

MOIN.DE ist das neue Newsportal für Hamburg und den Norden.

Wer wir sind und was wir vorhaben – hier weiterlesen >>

Und wie findest du MOIN.DE? Schreib uns deine Meinung – klipp & klar an moin@moin.de!

Hier findest du uns bei Facebook >>

Und hier auf Instagram >>

-----------------------------------

Das Ergebnis: Die bis zum April 2020 vereinbarten Ziele wurden laut Polizei erreicht und der „Drogentreff“ am Krähenteich mit seinen negativen Begleiterscheinungen aufgelöst. Darüber hinaus seien den drogenabhängigen Menschen Unterstützungsangebote gemacht worden, die nach und nach ausgebaut werden sollen.

Hilfe für Suchtkranke

„Auch aus polizeilicher Sicht war es richtig, nicht länger die negativen Begleiterscheinungen der offenen Drogenszene zu tolerieren, sondern stattdessen gemeinsam konkrete Alternativen und Hilfeangebote aufzuzeigen und entsprechend zu handeln“, sagt Polizeidirektor Norbert Trabs.

Dabei stehe die Hilfe für die suchtkranken Menschen im Mittelpunkt, betont Bürgermeister Jan Lindenau. Hier setze die Stadt Lübeck auf eine enge Zusammenarbeit mit der AWO Schleswig-Holstein und weiteren sozialen Trägern.

+++ Schleswig-Holstein: Mann findet Leiche beim Gassigehen – und es folgt noch eine üble Entdeckung +++

Aus diesem Grund wurde auch die Zahl der Streetworker und das Budget für diese Maßnahmen weiter aufgestockt. Seit Ende Mai kommt zudem ein StreetMobil (StreeMo) zum Einsatz. Es fährt in die Altstadtinsel und zum Bahnhof und bietet dort regelmäßige Beratung und Spritzentausch für Suchtkranke an.

„Bereits jetzt tauschen wir pro Jahr zwischen 50.000 und 60.000 Spritzen in Lübeck. Mit dem StreeMo können wir diese lebenserhaltende Maßnahme, auch zum Schutz der Bevölkerung, erweitern“, sagt Karin Mechnich, Leiterin der AWO Drogenhilfe Lübeck.

Verdrängung soll kein Ziel sein

Aber wie will man die Lage am Klingenberg in den Griff bekommen? „Die Maßnahmen von Polizei und Stadt sind von Anfang an nicht darauf ausgerichtet und werden auch nicht dazu führen, dass im gesamten Stadtbild keine suchtkranken Personen mehr anzutreffen sind“, sagt die Polizei Lübeck.

Ziel sei nicht, die Menschen mit Suchtproblemen aus dem öffentlichen Straßenbild zu verdrängen, sondern, „dass die Kriminalitätsbekämpfung und die Verfolgung von Straftaten – zum Beispiel durch Dealen – und die Hilfe für suchtkranke Menschen, intensiviert werden.“

Aus diesem Grund führt die Polizei regelmäßig Kontrollen am Bahnhof sowie am Klingenberg durch. So soll eine Etablierung der Drogenszene an diesen Stellen verhindert werden.

„Es ist nicht Ziel der Sicherheitspartnerschaft drogensüchtige, kranke Menschen aus Lübeck zu verdrängen. Wir konzentrieren uns verstärkt auf die Dealerszene sowie den Handel und Konsum von Betäubungsmitteln im öffentlichen Raum“, sagt Norbert Trabs, Leiter der Polizeidirektion Lübeck.

Corona sorgt für Verschlimmerung der Situation

In Zeiten von Corona kommt erschwerend hinzu, dass entsprechende Anlaufstellen für Suchtkranke geschlossen waren. Dennoch habe sich die Zahl der Personen am Klingenberg im Vergleich zu den Vorjahren nicht verändert, sagt Karin Mechnich, Leiterin der AWO DrogenHilfe.

„Im Schnitt befinden sich dort rund 15 bis 20 Lübecker Bürger*innen mit unterschiedlichen Suchterkrankungen wie Alkohol und Betäubungsmittel und Hintergründen wie zum Beispiel Obdachlosigkeit auf. Im Sommer und in Zeiten der Corona-Pandemie kann die Anzahl auch mal höher sein“, sagt Mechnich. Dafür würden sich an anderen Tagen hier maximal fünf Menschen aufhalten.

-----------------

Mehr News aus Schleswig-Holstein:

-----------------

Ohnehin sei die Situation in der Innenstadt nicht annähernd zu vergleichen mit der Lage vor der Räumung des Krähenteichs. Hier hätten sich zu Spitzenzeiten im Sommer zwischen 80 und 100 suchtkranke Menschen über den Tag verteilt getroffen.

Das sind die nächsten Schritte

„Der nächste Schritt ist jetzt die Verlagerung des Anlaufortes Tea&Talk, bei dem die Bedürfnisse der suchtkranken Menschen berücksichtigt werden“, erklären Bürgermeister Jan Lindenau, Innensenator Ludger Hinsen und Sozialsenator Sven Schindler gemeinsam.

Neben Beratung, Spritzentausch und Treffpunkt mit Außenfläche soll auch eine Substitutionsambulanz entstehen: „Die Umsetzung wird derzeit vorbereitet. Ferner werden wir uns auch dem Thema Alkoholkonsum im öffentlichen Raum widmen.“