Schleswig-Holstein: Restaurantgäste beleidigen schwarzen Koch – der reagiert genial

Schleswig-Holstein: Das Restaurant von Koch Andrew Onuegbu trägt den Namen „Zum Mohrenkopf“
Schleswig-Holstein: Das Restaurant von Koch Andrew Onuegbu trägt den Namen „Zum Mohrenkopf“
Foto: imago images/penofoto & Andrew Onuegbu/Zum Mohrenkopf

Kiel. Diese Geschichte um Andrew Onuegbu und sein Restaurant in Schleswig-Holstein ist einfach nur verrückt. So manche Begegnungen in seinem Laden lassen einen einfach nur den Kopf schütteln.

Sein Restaurant in Schleswig-Holstein heißt „Zum Mohrenkopf“ – das führt immer wieder zu Fragen und Kontroversen.

Schleswig-Holstein: Restaurantname gefällt nicht allen

Andrew Onuegbu ist der Inhaber des Restaurants. Und er hat es nicht etwa mit diesem Namen übernommen, sondern es selbst so getauft. Ganz bewusst.

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„Ich habe früher schon immer davon geträumt, mal einen eigenen Laden zu haben. Und habe mir natürlich überlegt, wie ich ihn nennen würde. Als es dann soweit war, hatte ich zwei Namen, die mir gefallen haben, und letztlich habe ich mich dann für ,Zum Mohrenkopf' entschieden“, sagt der ausgebildete Koch MOIN.DE.

Koch aus Schleswig-Holstein wählte den Namen

Für ihn hat das Wort keinen rassistischen Hintergrund, sagt er. „Das stammt aus dem Mittelalter und bezeichnete damals einfach Menschen mit dunkler Hautfarbe. Ich bin selbst ein Mohr und stolz darauf. Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich bin so geboren.“

Außerdem fand er heraus, dass der „Mohrenkopf“ wohl im Mittelalter ein Symbol war, das an Häusern angebracht wurde, in denen es eine besonders gute und edle Bewirtung für Gäste gab. „Da gingen die Fürsten essen!“

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Für Mann aus Schleswig-Holstein ist es ein positives Wort

So ähnlich ist es mit Onuegbus Restaurant inzwischen auch. Er bekochte in Kiel schon Stars wie Otto Waalkes oder Olli Dittrich, auch Politiker wie Peter Harry Carstensen. „Ich koche, was ich gelernt habe: Deutsche Küche, manche sagen: gehoben“, erklärt Andrew Onuegbu MOIN.DE. „Hier gibt's keine Black Mambas oder Elefantenkeule!“

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Seinen Erfolg hat er sich hart erarbeitet. In den 90ern kam er aus Nigeria nach Deutschland, fest entschlossen, das Beste aus seiner Situation zu machen. „Manche sagen ja, ein Prophet hätte sie geschickt“, sagt er, „aber ich war mein eigener Prophet.“

Er begann als Küchenhilfe in einem Steakrestaurant, machte dann eine Ausbildung und später einen Ausbilderschein, um heute anderen jungen Menschen beim Erreichen ihrer Ziele zu helfen.

Koch aus Schleswig-Holstein ist gern in Deutschland

Er glaubt, dass Deutschland viel für ihn getan hat: „Viele Schwarze denken gern, in Deutschland wäre alles schlecht, aber die sollten mal in andere Länder schauen. So viele Chancen wie hier hast du nirgends!“ Schule, Krankenkasse, Uni und: „du verhungerst hier nicht!“

„Manche versuchen immer, die Opferrolle zu spielen“, kritisiert er. „Aber mit der Sprachpolizei wird man Rassismus nicht bekämpfen. Und man könnte doch auch nicht beispielsweise nach Nigeria kommen und die Menschen auffordern, ihre Sprache zu ändern!“

Schleswig-Holstein: Kritik an „Sprachpolizei“

Diese nicht unumstrittene Haltung ist auch Grund dafür, dass Andrew Onuegbu 2015 zum „Sprachwahrer des Jahres" gewählt wurde. Dieser Titel wird jährlich von einer Zeitschrift vergeben. „Ich war total happy, als erster schwarzer Mann diesen Titel zu erhalten“, freut sich Onuegbu.

Der Name seines Restaurants hat ihm Aufmerksamkeit garantiert – aber nicht nur positive. „Einmal hat die Antifa den Eingang blockiert, ich hatte den ganzen Abend keinen Gast“, berichtet der Koch. „Und viele Menschen fragen mich nach dem Namen. Aber wenn ich ihn erkläre, ist das eigentlich immer völlig okay, viele finden das toll und mutig.“

Begegnung in Schleswig-Holstein

Als er aber 2007 eröffnete und damals erste Gespräche mit Lieferanten und Brauereien führte, hätten viele den Namen zuerst für einen Aprilscherz gehalten. „Als ich dann sagte: Nein, das ist mein Ernst! hieß es: Uuuuh, das darfst du nicht machen, das ist rassistisch!“

Und einmal bekam er Besuch von einem Paar, die Frau weiß, der Mann schwarz. Schon, als sie vor der Tür stehenblieben und auf das Namensschild des Restaurants starrten, schwante Onuegbu Übles. Als sie in den Gastraum kamen, wollte der Mann direkt den Chef sprechen.

Ist Restaurant-Name in Schleswig-Holstein rassistisch?

„Ich bin der Chef, was kann ich für euch tun?“, sagte Andrew Onuegbu. Der Mann schüttelte den Kopf und sagte, er meine den Geschäftsführer. Dann fragte er ihn empört, warum er für einen Nazi arbeite. Der Name des Restaurants sei rassistisch!

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Onuegbu konnte ihn nicht überzeugen, dass er der Restaurantbesitzer war. Als der Mann also erneut forderte, er solle seinen Chef holen, ging er kurz in die Küche, wendete zweimal die Bratkartoffeln und kam wieder raus. „Hallo, ich bin der Chef, wie kann ich euch helfen?“

Koch aus Schleswig-Holstein reagiert genial

Die Stammgäste, die in Hörweite saßen, hätten schon lachen müssen. Und als dann auch die Kellnerinnen den Besuchern versicherten, dass Onuegbu der Geschäftsführer sei, akzeptierte das Paar diese Tatsache perplex.

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Onuegbu erklärte ihnen bereitwillig den Namen – und fügte hinzu: „Viel rassistischer ist, dass ihr dachtet, der schwarze Mann kann nicht der Chef sein, sondern höchstens ein Spüler. Denkt mal drüber nach.“

Restaurant in Schleswig-Holstein behält Namen

Dann setzten die beiden sich wortlos hin und bestellten etwas zu essen. Forderungen, das Restaurant umzubenennen, stoßen bei Andrew Onuegbu auf taube Ohren. Genau dieses Restaurant war sein Traum, über genau diesen Namen hat er sich lange Gedanken gemacht – das will er sich nicht wegnehmen lassen.