Stade: Polizisten erschossen Flüchtling – nun kommen neue Details ans Licht

Die Polizei erschoss einen 19-Jährigen in Stade (Symbolbild).
Die Polizei erschoss einen 19-Jährigen in Stade (Symbolbild).
Foto: IMAGO / onw-images

Stade. Eine grässliche Tragödie, die sich im August 2019 in einer Unterkunft für Geflüchtete in Stade abgespielt hat. Ein Bewohner war von dem 19-jährigen Aman Alizada bedroht worden. Daraufhin rief er die Polizei.

Der 19-jährige Asylbewerber aus Afghanistan soll anschließend auch die Beamten attackiert haben, es fielen Schüsse, einer davon verletzte den Jungen tödlich. Der Fall aus Stade sorgte für viel Aufsehen und Kritik. Jetzt sollen neue Details ans Licht kommen.

Stade: Flüchtling machte Schulabschluss

Aman Alizada kam 2015 im Alter von nur 15 Jahren über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Eine ehemalige Betreuerin beschreibt den Flüchtling in der „Süddeutschen Zeitung“: „Ein ganz angenehmer Mensch“.

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Er sei wissbegierig, engagiert und habe sich gut integriert. Er lernte schnell Deutsch und machte einen Schulabschluss. Allerdings litt der 19-Jährige unter psychischen Problemen, sein Asylantrag wurde abgelehnt, eine Lehre brach er ab.

Laut „Stader Wochenblatt“ sei sogar Schizophrenie bei ihm diagnostiziert worden. Der Polizei soll Aman Alizada bereits bekannt gewesen sein, wie es in der damaligen Pressemitteilung hieß. Deshalb fuhren gleich zwei Streifenwagen vor.

Flüchtling soll Polizisten in Stade attackiert haben

Nach Ansprache durchs offene Fenster habe der Mann nicht nicht reagiert. Als die Beamten dann die Wohnung betraten, seien sie „mit einer Hantelstange aus Eisen“ angegriffen worden.

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Der Einsatz von Pfefferspray habe keine Wirkung gezeigt. Laut einem der Einsatzkräfte habe der Flüchtling das Gas „geradezu inhaliert“. Schlussendlich sah sich ein Polizist gezwungen, „zur Unterbindung des Angriffs“ zu schießen. Fünf Schüsse gab er ab, einer davon unmittelbar tödlich.

Jede medizinische Hilfe kam zu spät. Das Drama sorgte für einen Aufschrei und Protestaktionen. Unter anderem meldete sich der Flüchtlingsrat Niedersachen zu Wort.

Tragödie in Stade sorgt für Aufstehen

Es sei nicht nachzuvollziehen, „weshalb es sechs Polizisten nicht schafften, die Situation ohne den Einsatz der Schusswaffe zu bewältigen“, hieß es damals in der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauerten zehn Monate an – und kamen zu einem Ergebnis, das erneut Erschütterung auslöste. Der Beamte habe in Notwehr gehandelt. Deshalb wurde keine Anklage erhoben.

Staatsanwaltschaft Stade nimmt Stellung

Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas betone damals, dass es keinerlei rassistische Hintergründe gegeben habe und unklar sei, ob die Beamten von der psychischen Erkrankung des Jungen wussten.

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Durch die Aussage des Mitbewohners, der von dem 19-Jährigen bedroht worden war, sei deutlich gewesen, dass es „eine nicht einfache Situation“ gewesen sei. Eine Erklärung, mit der sich der Flüchtlingsrat Niedersachen nicht zufrieden gibt.

Drama von Stade im ARD-„Monitor“

Im Januar forderte der Rat erneut, „eine umfassende und lückenlose Aufklärung des tragischen Todes des Jugendlichen“. Weiterhin zweifeln die Mitglieder an der „Notwehr“ des Beamten.

Nachdem der Anwalt des Bruders von Aman sich beschwert hatte, wurden die Ermittlungen kurzzeitig wieder aufgenommen, bald darauf aber wieder eingestellt. Das ARD-Politikmagazin „Monitor“ will jetzt Licht ins Dunkel bringen.

Neue Details zu Fall aus Stade

Auch das Magazin stellt die Erklärung der Staatsanwaltschaft in Frage. „Hinweisen auf eine Überreaktion des Beamten sind die Ermittler offensichtlich nicht nachgegangen“, heißt es in einer Ankündigung zur Sendung.

Wie die „Hinweise auf schuldhaftes Verhalten von Polizeibeamten“ aussehen und welche neuen Erkenntnisse ans Licht kommen, zeigt die ARD >>> hier in der Mediathek. (lh)