Sylt: Urlauber erstaunt wegen dieser großen Ankündigung – doch was steckt wirklich dahinter?

Können Sylt-Urlauber im nächsten Jahr „grün" auf die Insel fliegen?
Können Sylt-Urlauber im nächsten Jahr „grün" auf die Insel fliegen?
Foto: imago images / Blaulicht News

Diese Nachricht sorgte bei einigen Menschen für große Verwunderung. Eine neue Airline will die nordfriesische Insel Sylt anfliegen. Und sie möchte anders sein als alle anderen. Ihr Name: „Green Airlines“. Schon das alleine lässt aufhorchen. „Grün“ und „Airline“ schließt sich ja eigentlich schon von vorneherein aus. Oder?

Mitten in der größten Krise der zivilen Luftfahrt wegen der Corona-Pandemie wollte das Startup „Green Airlines“ diesen Monat mit seinem Erstflug von Karlsruhe nach Berlin an den Start gehen – und musste ihn wegen des Lockdowns erstmal verschieben. Sylt soll aber ohnehin erst im März 2021 angeflogen werden. Bis dahin ist noch genug Zeit. Die Hauptsaison steht dann vor der Tür, möglicherweise sind schon einige Menschen gegen das Coronavirus geimpft.

Sylt: Klimafreundlich auf die Insel?

Und dann geht es „grün“ und klimafreundlich mit gutem Gewissen auf die nicht selten als überlaufen empfundene Insel, auf der Bürger und Initiativen für mehr nachhaltigen Tourismus kämpfen? Viele Menschen bezweifeln das.

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„Egal, mit welchem Treibstoff geflogen wird, Fliegen verschmutzt die Luft erheblich! Innerdeutsche Flüge gehören abgeschafft!“, hieß es auf Facebook nach der Ankündigung. Oder: „Was sich heutzutage alles als grün und klimafreundlich bezeichnet“. Und: „Wer klimafreundlich denkt, fliegt nicht Kurzstrecke“.

Von Paderborn nach Sylt und zurück

„Green Airlines“ will jeweils Freitag und Sonntag zwischen Paderborn und Sylt fliegen. Das ist eine Flugstrecke von nur etwa 375 Kilometern. Da es wegen der Schwierigkeiten 2020 im nächsten Jahr je nach Pandemie-Lage einen wahren Massenauflauf nach Sylt geben könnte, ist die Nachfrage möglicherweise da. Allerdings ist Paderborn-Lippstadt auch nicht mehr als ein Provinz-Flughafen.

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Wegen der ständigen Staus an den Auto-Verladestationen und den Verspätungen auf der Marschbahn sind Auto und Zug wiederum bei vielen längst nicht die beliebtesten Anreise-Methoden, um nach Sylt zu kommen.

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„Wenn die Strecke sich gut entwickelt und zusätzlicher Bedarf da ist, ist auch eine Erhöhung der Frequenz möglich“, sagt „Green Airlines“-Sprecherin Janin Detjen auf Anfrage von MOIN.DE.

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Die Zugstrecke Hamburg-Sylt ist übrigens nicht komplett elektrifiziert, teilweise fahren dort uralte Diesel-Loks der Deutschen Bahn, aber auch modernere, emissionsärmere Shuttle-Züge.

Dennoch: Da es verboten ist, den Hindenburgdamm auf die Insel zu Fuß oder per Fahrrad zu passieren und auch Fähren keine klimaneutralen Antriebe besitzen, ist es quasi unmöglich, Sylt ohne Ausstoß von Emissionen zu erreichen. Ein Paddelboot wäre höchstens eine Alternative.

Sylt: Wie kann das bitte sein?

Doch wie kommt nun ausgerechnet eine Airline darauf, „klimafair" fliegen zu können, wie das Unternehmen es selbst bezeichnet? Einen massentauglichen, klimaneutralen Antrieb für ein größeres Passagierflugzeug hat „Green Airlines“ freilich nicht entwickelt. Luftfahrt-Gigant Airbus hat sich eine solche Entwicklung mit einem Wasserstoff-Flugzeug für 2035 vorgenommen. Und das gilt schon als ehrgeizig.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Das Ganze läuft über Kompensationszahlungen. Laut „Green Airlines“ werden diese automatisch mit dem Kauf eines Flugtickets geleistet und gehen in Umweltprojekte wie Aufforstungen oder regionale Projekte im Bereich erneuerbare Energien.

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Laut Sprecherin Janin Detjen wird auf Grundlage des eingesetzten Flugzeugtyps auf der Strecke über Kompensationsplattformen berechnet, wie viel Euro pro gekauftem Ticket an die Projekte gehen. Auf der Strecke Paderborn-Sylt seien das acht Euro (Flüge kosten ab 119 Euro), weitere vier Euro steuere das Unternehmen freiwillig bei. Auch für die nicht von Flügen ausgestoßenen Emissionen leiste „Green Airlines“ Zahlungen.

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Sylt: Airline unterstützt Aufforstung

Ein Projekt, an welches das Geld geht, ist „Naturefund“. „Derzeit fließen die Gelder in das Projekt grüne Klimabrücke in Costa Rica. Im Rahmen des Projekts wird „Naturefund“ 100.000 Bäume für einen großen biologischen Korridor vor Ort pflanzen", sagt Janin Detjen.

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„Des Weiteren unterstützen wir den Brandenburger Verein Äpfel und Konsorten - Streuobstwiesen und -äcker e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, Streuobstwiesen in Berlin und Brandenburg zu schützen und die regional typische Obstsortenvielfalt zu erhalten." Das Unternehmen suche laut der Sprecherin jederzeit nach weiteren Projekten.

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Auch vermeide man Plastikabfall und nutze regionale Cateringanbieter sowie digitale Prozesse statt Papier. „Unser Fokus richtet sich ganz klar auf den schonenden Umgang mit Ressourcen."

Sylt: Vermeiden lassen sich Treibhausgase nicht

Dennoch haben Kompensationszahlungs-Konzepte auch Kritiker. Denn trotz aller Zahlungen und Aufforstungen: Flugzeuge stoßen sehr viel Treibhausgase aus und sind schlecht für das Klima. Gänzlich verhindern ließe sich das nur, wenn diese nicht an den Start gingen.

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Fliegen mit Kompensation ist natürlich aber besser, als ohne Kompensation. Viele Fluggesellschaften bieten ihren Kunden mittlerweile an, die entsprechenden Zahlungen zu leisten. Wer auf eigene Faust seinen Flug-Klima-Fußabdruck berechnen und einen Ausgleichsbetrag zahlen will, kann das unter anderem >>> hier über die Non-Profit-Organsation „atmosfair" tun.

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Begriffe wie „Klimaneutral“ oder „Klimafreundlich“ sind mittlerweile bei vielen Produkten zu finden. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Begriff „Klimaneutral“ nicht gesetzlich geschützt ist. Er signalisiere nur, dass das Unternehmen für sein Produkt Ausgleichszahlungen tätige. Die Bedingungen für diese Ausgleichszahlungen seien aber nicht normiert oder vorgeschrieben.

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