Sylt: Mann genervt wegen DIESES Problems – „Hätte der Insel längst den Rücken gekehrt“

Der Bahnhof in Westerland auf Sylt
Der Bahnhof in Westerland auf Sylt
Foto: imago images/Chris Emil Janßen

„Man muss wissen, mit dem Stress umzugehen“, sagt Achim Bonnichsen. Er könne das, er sei im Kosovo im Kriegseinsatz gewesen. Und Stress, davon haben er und andere Reisende auf der Strecke zwischen Hamburg und Sylt in den vergangenen Jahren genug gehabt (wir berichteten).

Nachdem es lange Zeit heftige Probleme gegeben hat und teilweise sogar alle Züge und Waggons von der Strecke genommen wurden, ist die heutige Situation wieder besser. Etwas besser. Die Pendler, die noch da sind und nicht ihre Jobs auf Sylt gekündigt oder sich andere Möglichkeiten gesucht haben, um einer Zugfahrt auf der Marschbahn zu entgehen, sind allerdings gezeichnet von den letzten Jahren.

Sylt: Viel Geld wird investiert

Da wiegt es umso schwerer, dass auch heute längst noch nicht alles perfekt ist auf der Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg und der Insel.

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Aber es tut sich seit einiger Zeit etwas: Eine „Investitionsoffensive“ nennt es die Deutsche Bahn. Bis 2022 werden 140 Millionen Euro für die Erneuerung von 200 Kilometern Gleisanlagen ausgegeben. Darüber hinaus werden Bahnübergänge und die Signaltechnik sowie Brücken für rund 20 Millionen Euro modernisiert.

Das Ziel ist die Sanierung bis 2022 abzuschließen und damit den Investitionsstau zu reduzieren.

Sylt: Das Problem liegt woanders

Dass zum Beispiel der Abschnitt von Morsum nach Westerland zweigleisig ausgebaut wird, das hat Achim Bonnichsen und andere Pendler positiv überrascht.

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Doch die Probleme, die es heute noch gibt, liegen nicht nur im Schienenmaterial, sondern vielmehr im „rollenden Material“, wie der 53-Jährige es nennt. Er macht es mit einer Metapher deutlicher: „Was bringt mir eine dreispurige glatte Autobahn, wenn ich einen klapprigen kaputten Käfer habe."

Denn mit den Zügen und Waggons soll es auch heute noch Probleme geben. Defekte Kupplungen waren vor vier Jahren der Grund, weshalb die Zuggarnituren lange stillgelegt und repariert wurden. Als sie wieder fahren durften, gab es weiter Probleme.

Bis heute halte das laut Achim Bonnichsen an. „Wir haben immer noch fast jeden Tag Verspätungen bis zu 30 Minuten."

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In der Tat: Der Blick auf die Pünktlichkeitsquote für 2020 zeigt, dass die Züge im Vergleich zu anderen Strecken in Schleswig-Holstein deutlich seltener pünktlich sind. Auch die Strecke Hamburg-Kiel schneidet schlecht ab.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Seit 34 Jahren Pendler nach Sylt

„Durchschnittlich lag die Pünktlichkeitsquote über 87,6 Prozent im Jahr 2020", sagt eine Bahnsprecherin. Waren im Mai 2020 noch 92 Prozent der Züge pünktlich, waren es im Juni nur 80 Prozent. In den Hochzeiten der Probleme auf der Strecke vor ein paar Jahren waren es nochmal deutlich weniger. Trotzdem ist der Zustand natürlich nicht zufriedenstellend.

Laut Bonnichsen, der seine Existenz auf Sylt hat und die Strecke seit 34 Jahren pendelt, sind die Probleme vielfältig: Verspätete Zug-Bereitstellung, der Lokführer war in einem anderen Zug, man musste auf einen anderen verspäteten Zug warten – oder: Klimaanlagen- und Türprobleme.

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Die missfallen dem 53-Jährigen besonders. Denn vermutlich fehlerhafte Sensoren an den Türen wurden einst ausgetauscht. Das bestätigte die Bahnsprecherin auf Nachfrage: „Mit hohem finanziellen Aufwand wurden präventiv alle relevanten Türsensoren getauscht."

Laut des Pendlers machen die Türen aber weiter Probleme. „Seit diesen Maßnahmen gibt es sicher immer mal wieder Störungen, aber besondere Häufungen sind nicht bekannt", entgegnet die Sprecherin.

Existenz auf Sylt

Bei „Nah.SH", dem Eigentümer der Waggons, heißt es von Sprecher Dennis Fiedel: „Gravierende Probleme mit Türsensoren sind uns nicht bekannt. Neue Fahrzeuge sind für die Marschbahn nicht vorgesehen, die jetzt 15 Jahre alten Fahrzeuge werden nach und nach modernisiert."

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Achim Bonnichsen kennt Menschen, die wegen der Probleme auf ihr Auto umgestiegen sind und zum Autozug fahren, um von dort über den Hindenburgdamm nach Sylt zu gelangen. Denn der sei immer pünktlich. Ganz zu schweigen von all denen, die ihre Jobs auf Sylt kündigten, um überhaupt nicht mehr auf die Bahn angewiesen zu sein (wir berichteten).

Er selbst hätte längst der Insel den Rücken gekehrt, wenn er seine Existenz dort nicht hätte, sagt der 53-Jährige.

Trotzdem hat er noch Hoffnung für die nächsten Jahre: Er kenne ja die Zeiten, in denen es gut lief. „Irgendwann wird es sich bessern. Die Frage ist nur: Wann?"