Sylt: Dieses Haus erzählt eine traurige Geschichte – es sollte der Insel eine Warnung sein

Die „Rantum Inge“ auf Sylt – einst ein beliebtes Gästehaus, verkommt das Gebäude in den letzten Jahren zusehends.
Die „Rantum Inge“ auf Sylt – einst ein beliebtes Gästehaus, verkommt das Gebäude in den letzten Jahren zusehends.
Foto: imago stock&people

Die Geschichte dieses Hauses ist wirklich keine schöne. Die Rede ist von der „Rantum Inge“ – einem ehemaligen Gästehaus auf Sylt. Wie der Name schon sagt, steht das Haus in Rantum. Und das in wirklich herausragender Lage!

Denn die „Rantum Inge“ steht im Osten des Dorfes. Nur ein Deich trennt das Haus von der Nordsee. Und genau das ist das Problem. Seit die ehemalige Eigentümerin Anneliese Mahler-Nissen 2013 verstarb, steht das Haus auf Sylt nämlich leer.

Sylt: Ehemals beliebtes Gästehaus verfällt zusehends

Insgesamt besteht das Gebäude aus drei Teilen: Dem Gästehaus, das 1962 neu gebaut wurde, einem kleinen Teil eines ehemaligen Stalls, der bereits 1818 errichtet wurde und dem ehemaligen Wohnhaus von Mahler-Nissen, welches im Jahr 1938 erbaut wurde.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Das Gästehaus wurde seinerzeit über zehn Jahre von einem Ehepaar betrieben. Doch sie gaben schon vor rund 12 Jahren ihre Tätigkeit auf. Nach dem Tod von Mahler-Nissen erbten ihre zwei Enkelinnen das Haus – denn ihre Tochter war schon viele Jahre vorher verstorben.

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Heute gehört das Grundstück, auf dem das Haus steht, insgesamt drei Erben. Eine der beiden Enkelinnen ist inzwischen ebenfalls tot – an ihre Stelle traten der Ehemann sowie der gemeinsame Sohn. Doch warum lassen die Erben das Haus zusehends verfallen und verkaufen es nicht einfach?

Nordsee nagte an dem Haus auf Sylt

Einer der Gründe: Über Jahre wurde das Grundstück – und somit auch das Haus – von Sturmfluten heimgesucht. Bis zu einem Meter hoch stand das Wasser teilweise im Erdgeschoss. Ein 1987 erbauter Deich schaffte Abhilfe. Doch bis dahin nagte die Nordsee immer wieder an der Substanz des Hauses.

„Dadurch leiden Mauerwerk, Heizungsrohre usw. so sehr, dass man immer – auch heute – noch die Folgeschäden davon hat“, erklärt Thomas Nissen MOIN.DE. Er ist Betreiber des Nah & Frisch Marktes in Rantum. Sein Geschäft befindet sich in unmittelbarer Nähe zur „Rantum Inge“.

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Nissens Opa war der Schwager der verstorbenen Eigentümerin. Von daher kennt er die Geschichte des Hauses gut. Er berichtet, dass selbst die Betreiber des Hotels jedes Jahr irgendwas am Haus haben machen lassen, weil es immer wieder Schäden an den Tapeten, dem Mauerwerk oder der Farbe gab.

Wert des Grundstücks auf Sylt steigt von Jahr zu Jahr

Mit den Erben selbst hat er aber keinen Kontakt. Doch warum lässt die Familie das Haus so verkommen? „Sie mussten oder müssen es bisher nicht verkaufen“, sagt Thomas Nissen.

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Er fügt hinzu: „Natürlich ist es nicht schön, wenn es so verrottet, aber es wird ja nicht wertloser in der Zeit.“ Das Gebäude könne man sowieso vergessen, vermutet er. „Da geht es rein um das Grundstück – und dessen Wert steigt von Jahr zu Jahr.“

Spekulieren die Erben also darauf, das Grundstück für möglichst viel Geld an einen Interessenten zu verkaufen? Dieses Problem ist auf Sylt nicht neu. Denn tatsächlich gibt auf der Insel einige Häuser, die das ganze Jahr über leerstehen. Was dahinter steckt, >> kannst du hier nachlesen.

Sylt: Einheimischer glaubt nicht an Spekulation

„Ich glaube nicht, dass da Spekulation hintersteckt“, sagt Thomas Nissen MOIN.DE. Vielmehr sieht er in den Erbverhältnissen ein Problem. So sei einer der Erben bis zu diesem Jahr noch minderjährig gewesen. Auch habe es einen Vormund für den Jungen gegeben, was das Ganze komplizierter gemacht habe.

Außerdem besteht für die Familie bislang wohl einfach keine Notwendigkeit, das Grundstück zu verkaufen, glaubt Nissen. „Was soll ich auch jetzt mit dem Geld, wenn ich es nicht brauche, um andere Immobiliensachen zu machen?“, sagt er. „Da kann ich es besser noch liegen lassen, wenn ich keine Not habe.“

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Dennoch wünscht er sich natürlich, genauso wie andere Rantumer und viele Urlauber, dass die „Rantum Inge“ irgendwann wieder mit Leben erfüllt wird. „Was wir da jetzt haben, hilft uns letztendlich auch nicht. Es sieht nicht mehr sehr ansehnlich aus“, sagt der Einheimische MOIN.DE.

Neues Leben in der „Rantum Inge“ auf Sylt?

Nissen fährt fort: „Es wäre toll, wenn jemand kommen würde und das Haus in ähnlichem Stil aufbauen und in so einem Stil betreiben würde, so dass man sagen kann: Guck mal da haben sie was Tolles draus gemacht.“ Doch bis dahin scheint es noch ein weiter Weg.

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Peter Andresen von der Bauaufsicht der Gemeinde Sylt bestätigt MOIN.DE, dass sich in letzter Zeit ca. drei bis fünf Interessenten für die „Rantum Inge“ gemeldet und nach den baurechtlichen Rahmenbedingungen erkundigt hätten. Einer von ihnen ist Dierk Schumacher.

Kaufinteresse für das Gebäude auf Sylt

Der selbstständige Immobilienentwickler macht schon seit vielen Jahren Urlaub in Rantum – ganz in der Nähe des Hauses. Natürlich ist auch ihm der Verfall nicht entgangen.

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„Ich finde es sehr schade, ein so tolles Gebäude, das ja absolut erhaltungswürdig ist, so verfallen zu lassen“, sagt Schumacher MOIN.DE. Nach dem Urlaub in diesem Jahr hat er sich dann dazu entschieden, den Kontakt zur Inselverwaltung zu suchen, um die Hintergründe zu erfahren.

Gemeinde Sylt ist offen für Veränderung

Das Bauamt auf Sylt habe sich sehr offen gezeigt, dass dort etwas Neues entsteht, berichtet Schumacher. Kontakt zu der Eigentümer-Familie hat er aber noch nicht.

„Ich habe ein offizielles Begehren gestellt, doch bitte meine Kontaktdaten den Eigentümern weiterzugeben, damit die sich mit mir in Verbindung setzen“,sagt Schumacher MOIN.DE. „Ob die sich jetzt melden, bleibt abzuwarten.“

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Und so wird sicherlich noch einige Zeit vergehen, bis sich in Rantum etwas tut.

„Rantum Inge“ auf Sylt muss als Hotel weitergeführt werden

Denn nicht nur der Preis für die „Rantum Inge“ ist noch völlig unklar. Auch wie eine neue Bebauung aussehen könnte, muss noch geklärt werden. Fest steht, dass hier lediglich ein Hotel errichtet werden darf. Das gibt der geltende Bebauungsplan 4 der Gemeinde Rantum vor.

Daher werden sich Urlauber wie Einheimische auf Sylt wohl noch länger mit dem Verfall des einst beliebten Gästehauses anfreunden müssen. So traurig die Geschichte auch ist.